Warum Memorial?

Warum denn Memorial?, wurde ich gefragt. Das lässt sich einfach beantworten: Tagebuch und Journal waren schon von anderer Seite besetzt. Logbuch finde ich eher unpassend. Genauso wie Agenda. Memo ist nicht nur die Kurzform von Memorial, es klingt auch nach einer in Stichpunkten und Kurzschrift verfassten Notiz. Was für das Wort Notiz ebenfalls zutrifft.
Natürlich hätte ich auch Weblog, WebBlock oder schlimmer noch Werbeblock nehmen können – ist mir persönlich aber zu kalt.
Laut Duden gibt es dann noch Diarium und Memorial, die, eher veraltet und somit nicht unbedingt gebräuchlich, für Tagebuch stehen. Und so habe ich mich für Memorial entschieden, rein intuitiv. Es geht hier also weniger um meine Memoiren, noch darum im Memorial jemand Besonderem oder einem einmaligen Ereignis zu gedenken – wobei das sicherlich auch mal vorkommen wird – sondern um aktuelle Tagebucheinträge, die u.U. rasch veraltern. 😉

Außerdem ist etwas, das veraltet ist, nicht auch sofort als unbrauchbar einzustufen. Speziell im Sprachgebrauch gibt es wahnsinnig schöne Wörter, die – nur weil sie etwas altertümlich klingen – gestrichen werden und in Vergessenheit geraten. Schade eigentlich, denn ständig suchen wir nach neuen Ausdrücken – das ist gut so -, doch warum immer das Alte zur Seite schieben und für nutzlos erklären? Klar sollte nur sein, dass in einen hypersupermodernen Flimmertext keine mittelalterlichen Ausdrücke gehören. Aber hier geht es nur um meine Eindrücke, Ereignisse und Erlebnisse, die ich am Tage erlebt habe – und da ich Antiquitäten genauso mag wie alte Häuser, mittelalterliche Gewandungen, Mythen und alte Schriften, ist mein Tagebuch nun einmal mein Memorial – zumindest so lange, bis ich einen noch älteren Begriff gefunden habe.

Für Zweifler hier der Beweis, auch wenn der Duden sicherlich nicht immer Recht hat:

1}Me|mo|ri|al, das; -s, -e u. -ien [spätlat. memorialeÿ= Erinnerung(szeichen), Denkmal] (veraltet): Tagebuch.
2}Me|mo|ri|al [ê’Ô:²êÙ], das; -s, -s [engl. memorialÿ= Gedenkfeier; Denkmal < spätlat. memoriale, 1Memorial] (bildungsspr.):
1. Veranstaltung zum Gedächtnis an jmdn. od etw., bes. an einen bekannten Sportler, eine bekannte Sportlerin.
2. Denkmal (1).

Tagebuch
1. (veraltend): Journal; (veraltet): Diarium, Manual, Memorial.
2. (Seew.): Logbuch.

© Duden – Das Synonymwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM]
© Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2003 [CD-ROM].

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