Wahl-Sonntag

Meinen Gang zur Wahlurne habe ich hinter mir. Urne, das klingt nach Tod oder Neuanfang, nach Wiedergeburt oder tragischem Ende. Naja, oftmals ist es vermutlich genau das und nicht immer oder zwangsläufig für die entsprechenden Parteien.
Tragisch wäre auch beinahe der Tag verlaufen, denn die wartende Menschenschlange maulte lautstark, ich solle endlich fertig werden. Daraus hätte sich beinahe ein handfester Streit entwickelt, denn ich war bereits verärgert – aber dazu später. Natürlich benötigte ich eine Weile, bis ich meine Kreuze an die richtige Stelle gesetzt hatte, ja, das gebe ich zu. Aber ein wenig Geduld ist doch wohl nicht zu viel verlangt. Trotz meiner Wut, gelang es mir, die Damen und Herren zu vertrösten. Ich versprach ihnen Autogramme auf jegliche Körperteile. Das wirkte. Und somit konnte ich mich meinem Ärger erneut zuwenden: Ich finde es unverantwortlich, dass die Wahlzettel so kurz sind. Freiraum für Notizen halte ich für durchaus angebracht. Schließlich muss ein Wähler die Möglichkeit haben, auch noch vor Ort abzuwägen welche Partei die Richtige ist und das lässt sich am Besten mit einer Für und Wider-Tabelle bewerkstelligen.

Schon seit Wochen war für mich allerdings klar, wer meine Stimme bekommen sollte. Doch ich ahnte die Knauserigkeit der Wahlzettel-Hersteller und natürlich hatte ich Recht – der Zettel war viel zu früh abgeschnitten worden und meine Wunschparteien somit dem Schredder zum Opfer gefallen. Wer da immer rummanipuliert. Wenn ich den erwische.
Aber ich ging natürlich entsprechend vorbreitet zum Wahllokal.
Meine Kinder meckerten zwar, weil ich mir ihre Buntstifte auslieh, aber schließlich durften sie mir dann auch helfen, zwei unterschiedlich farbige Kästchen unten auf den Zettel zu malen, in die ich dann mein Kreuzchen setzen konnte: Eins in lila und eins in orange.
Meine Stimme für Cordula Stratmann mit Sitz in der Schillerstraße und Donald Duck aus Entenhausen!
Und was die Autogramme betrifft: Auf meinem Weg nach Hause, dankte ich im Stillen einer mir gnädigen Macht, dass Niemand von meinem so großzügigen Angebot Gebrauch gemacht hatte.

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