Intuitives Schreiben

Als ich »Ciara« schrieb, erschuf ich zwar eine fiktive Person, jedoch mit realen Daten. Ihren Charakter, den Tag ihres 19. Geburtstags und die Tatsache, dass an diesem Tag Vollmond sein sollte, erfand ich – zunächst. Dann bat ich eine Bekannte anhand der Geburtsdaten und mit Hilfe des Mondzyklus eine Persönlichkeitsanalyse zu erstellen. Ich erinnere mich genau an die Antwortmail: »Jetzt kommt der Hammer …!« Es passte beinahe alles zu meinem erdachten Charakter. Und besser noch: Vollmond war nicht nur an ihrem 19. Geburtstag, sondern genau an diesem Datum wieder 19 Jahre später. Perfekt. Ich liebe es, wenn sich alles zusammenfügt und das nur, weil ich auf meine Intuition gehört und meine Protagonisten nicht starr in eine Form gepresst habe.

Bei »Firnis« geht es bereits wieder los. Ich verfasste die ersten dreißig Seiten, noch wartend auf die Antwort des Verlags. In diesen ersten Seiten schreibt ein junges Mädchen, aus bestimmten, hier noch nicht erwähnten Gründen, eine Geschichte mit dem Titel H E R M A N N. Dicke schwarze Letter prangen in der Mitte des Manuskriptblattes. Dann kam der Vertrag. Und danach begann ich zu recherchieren, welche vor Jahrhunderten existente Person in den Roman eingeknüpft werden kann. Als mich ein Kunstexperte aus dem Bergischen auf einen eher unbekannten, aber äußert interessanten Mann brachte, wusste ich zwar endlich seinen Namen, fand aber kaum etwas über ihn heraus. Im Internet schon gar nicht, aber – wie ich erzählte – telefonierte und mailte ich mit vielen hilfsbereiten Menschen und erhielt mehr und mehr Details. Ich erfuhr, dass er noch einen Zweitnamen hatte – die Initiale lautete H.
Gestern bekam ich Post und las mit Herzklopfen, dass er Hermann hieß. Und auch ein weiterer Teil seiner – noch nicht vollständigen – Biographie passte perfekt zu meinem Plan. Für ich gibt es nichts Aufregenderes, als intuitiv zu arbeiten und zu schreiben, ich liebe es, wenn am Ende alles zusammenpasst. Der Leser bekommt dies oftmals gar nicht mit. Darum soll es hier einmal erwähnt sein.
»Romanicus« liegt übrigens immer noch, auf einen Verlag wartend, beim Agent und somit auch auf meinem Schreibtisch. Es fällt mir schwer, das Buch vorerst komplett aus meinem Kopf streichen zu müssen, denn es ist das, was die Verlage angeblich seit der Messe in Bologna suchen: Fantasy anders.

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter.

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