Es stinkt zum Himmel

Es handelt sich nicht um Glasscherben oder Zigarettenkippen im Sand, Hundekot oder Essenreste rund um die Spielgeräte. Nein, der Spielplatz, von dem ich berichten möchte, ist sauber. Der Boden jedoch stinkt zum Himmel und das seit mehr als vier Monaten.

Nachdem der Spielplatz auf dem Schulhof der Grundschule zunächst mit Sand ausgelegt war, erhielt er vor einigen Jahren einen neuen Boden aus Rindenmulch. Das wirkte natürlich und fühlte sich weich an, es roch angenehm nach Wald. Selbstverständlich muss Rindenmulch jedes Jahr erneuert werden, das sagt mir zumindest mein Kleingärtnerverstand. Aber die Stadt wechselte den Boden nicht aus, er vermoderte und die unteren Bereiche der Holzgerüste gleich mit.

Die Schule bewirkte schließlich einen neuen Boden. Dieser wurde nach den Osterferien 2006 gelegt, gegossen und glatt gezogen.

Ein gesprenkelter Boden in mint und dunkelgrün halte ich zwar für augenfeindlich, aber über Farben lässt sich bekanntlich streiten. Dennoch, er sieht unnatürlich aus. Aber damit ließ sich leben. Wichtig war nur, die Kinder hatten wieder einen vernünftigen Boden.

Dachte ich.

Der Belag federt beim Gehen und sackt minimal ein, das muss so sein, damit Stürze abgefangen werden. Ob die Federung ausreichend ist, wage ich zu bezweifeln, aber bei Sand und Rindenmulch gibt es auch keine Garantie vor Verletzungen.

Doch der, wie aus Plastiksteinchen aussehende, Spielplatzboden stank.

Nun dachte ich – Eltern und Lehrer ebenso – dies verflüchtet sich mit der Zeit.

Bei den sommerlichen Temperaturen war der Gestank unerträglich, doch auch Feuchtigkeit hemmt die Geruchsbildung nur minimal. Wer länger neben dem Spielplatz steht, bekommt einen künstlichen Geschmack auf der Zunge. Beißend, faulig, verbrannt. Ein seltsame Geruchsmischung, die dieser Boden ausströmt.

Über vier Monate später hat sich die Luft, rund um den Spielplatz, zwar minimal verbessert, von angenehm und erträglich kann aber noch keine Rede sein.

Anfragen bei Hausmeister und Lehrern brachten Antworten, auch sie mochten den Geruch nicht, hätten bei der Stadt schon nachgefragt, dort hieße, das sei normal und das verflüchte sich.

Aber wann?

Der Geruch des Neuen ist uns allen bekannt. Ein Sofa, das neue Auto, der Schrank – all das sondert eine Weile den Duft des Neuen ab, aber nach spätestens zwei Wochen sollte sich das erledigt haben, sonst vermuten wir giftige Stoffe. Und hier soll ein Boden über vier Monate an der Luft immer noch stinken dürfen?

Damit mochte ich mich nicht abfinden und schrieb am 20.08. ans Gesundheitsamt. Meine Anfrage wurde ernst genommen und weitergeleitet. Heute erfahre ich allerdings, dass meine Besorgnis-Mail an die Stelle weitergeleitet wurde, die bereits Lehrern und Hausmeister telefonisch mitgeteilt habe, das sei normal.

Nun, ich gebe dem Amt noch eine Weile Zeit, um in Aktion zu treten. Schließlich möchte ich die Damen und Herrn dort nicht zur Eile antreiben, aber dann könnte ich ungehalten werden.

Vielleicht warten sie darauf, dass sich das Problem – somit der Geruch – von selbst erledigt. Ich fürchte, da können sie lange warten.

Und wenn doch … umso besser. Zukünftig würde ich jedoch von unnatürlich wirkenden Plastikböden auf Spielplätzen oder sonstigen Außen – oder Innenbereichen abraten.

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter.

2 Kommentare:

  1. Das Gesundheitsamt hat ja erst mal weitergeleitet und den zuständigen Herrn habe ich noch nicht erreicht. Verbraucherzentrale, Presse … all das sind Optionen, die ich mir noch offen halte, ebenso das unabhängige Gutachten. Aber zunächst habe ich der Bürgermeisterin mal geschrieben. Ich habe keine Lust auf diesen Hürdenlauf von einem Amt zum nächsten. Sowas nervt, geht an die Zeit und – falls der Boden gesundheitsgefährdend ist – auf die Gesundheit der Kinder.
    Heute morgen stank es auch wieder fürchterlich.

  2. Habt ihr euch (Eltern und Lehrer) mal erkundigt, was ein unabhängiges Gutachten kosten würde? Vielleicht könnt ihr ja zusammenlegen, die Gesundheit der Kinder dürfte es wert sein. Ich gehe nicht davon aus, dass die Behörde schnell genug reagiert, wenn überhaupt.
    Fraglich ist, wer solche Böden untersuchen kann. Das kann einem vielleicht das Gesundheitsamt sagen. Oder eine Verbraucherzentrale?

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