Interview Alan Dean Foster – 2003

Von der täglichen Einbindung der Interviews bin ich dann doch sehr schnell abgekommen, wie ihr sicherlich schon bemerkt habt.

Wenn ich die Interviews und auch die Porträts heute lese, denke ich manchmal »Was hast du denn da für einen Scheiß geschrieben?« oder »Rensmann, was für´ne blöde Frage.« Ich ändere die Texte jedoch nicht um, außer ich finde einen Schreibfehler.

Somit folgt heute das Interview mit Alan Dean Foster, erschienen in der 11. phantastisch!-Ausgabe 3/2003.

Auch hier gilt: Grafiken und Fotos entfallen in der Online-Version.

»Ich bin ein Weltbürger«

Interview mit Alan Dean Foster von Nicole Rensmann (15.02.2003)

Alan Dean Foster wurde am 18. November 1946 in New York City geboren, seine Kindheit verbrachte er in Los Angeles. Mit zweiundzwanzig Jahren erwarb er an der Universität in Los Angeles den Titel »Bachelor´s Degree« für Politikwissenschaften. Ein Jahr darauf erhielt er den Titel »Master of Fine Arts in Cinema«. Er diente bei der US-Army und arbeitete zwei Jahre in der PR-Abteilung eines kalifornischen Filmstudios als Werbetexter.
Seine Schriftstellerkarriere begann 1968, nachdem er eine Parodie zu Lovecrafts Cthulhu-Mythos in Briefform verfasste.
Alan Dean Foster schaut sich nicht nur in seinen Büchern außerhalb des Erdballs um, sondern besitzt auch im wirklichen Leben ein unersättliches Interesse und eine Begierde nach Wissen am Universum und dem weltweiten Geschehen. Er spricht hervorragend deutsch, auch wenn er das Interview lieber auf englisch führen wollte. Seine zuvorkommende, freundliche, geradezu charmante Art zeigt, dass ihm sein Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. Seinen Ausgleich findet er im Sport, der Natur und den ausgiebigen Reisen, auf denen er Dokumentationen dreht, die auf BBC und im amerikanischen Fernsehen gezeigt werden. Zusammen mit seiner Frau JoAnn Oxley und zahlreichen Tieren lebt er in einem Haus in Arizona, welches aus Ziegelsteinen erbaut wurde, die ursprünglich aus einem Bergarbeiter-Bordell der Jahrhundertwende stammten.

Alan Dean Fosters Bücher bestehen häufig aus mehreren Episoden. In Deutschland erschien zuletzt 2002 die »Katechisten Trilogie«. »Drowning World« ist der Titel seines neuesten Romans, der aktuell in Amerika erhältlich ist. Zahlreiche seiner Bücher sind noch nicht ins Deutsche übersetzt. Seine Science-Ficiton – und Fantasyerzählungen entführen den Leser auf fremde Planeten und neue Welten. Hervor tritt dabei besonders der Humanx Commonwealth-Zyklus. Oft geht er in seinen Geschichten auf die teils merkwürdige Psyche der Menschheit ein, beleuchtet diese satirisch oder bitterernst, wobei er jedoch nicht den Moralapostel spielt.

1979 erhielt er den Galaxy Award für »Splinter of the mind´s eye«, sein Roman »Cyber Way« gewann 1990 den Southwest Book Award for Fiction. 1993 wurde seine Kurzgeschichte »Our Lady of the machine« mit dem spanischen UPC Award ausgezeichnet und ein Jahr später mit dem Ignotus Award für die beste spanische Übersetzung.

A. D. Fosters Fantasie erstreckt sich in schier unendliche Weiten. Sein Ruf, aus jedem schlechten Film ein gutes Buch machen zu können, brachte ihm nicht nur den Beinamen „Einmannschreibfabrik“, sondern auch zahlreiche Auftragsarbeiten ein. So schrieb er Bücher zu Filmen wie dem »Alien«-Zyklus, »Star Wars«, »Star Trek«, »Das Ding aus einer anderen Welt«, »Das schwarze Loch«, »Kampf der Titanen«, »Krull«, »Starman« und »Outland«, um nur wenige zu nennen. Fast hundert Bücher, nochmal so viele Kurzgeschichten und über 50 Sachartikel hat er in den letzten fünfunddreißig Jahren veröffentlicht. Eine ausführliche Bibliografie findet der Fan auf seiner Website www.alandeanfoster.com, die Alan Dean Foster regelmäßig jeden Monat selbst aktualisiert.
Er ist Mitglied der Science-Fiction Writers of America, der Author´s Guild of America, und der Writer´s Guild of America.
Seine schriftstellerische Arbeit wurde zuletzt mit dem russischen Strannik Award ausgezeichnet.

Mr. Foster, wenn Sie aus Ihrem Körper schlüpfen, sich von außen selbst betrachten und in Ihre Seele schauen könnten, was sähen Sie dann?

Jemanden der nie zufrieden ist, der auf jede erhaltene Antwort auf eine Frage zehn weitere Fragen hat. Jemanden der alles wissen, sehen und erleben möchte. Jemanden der weitere tausend Lebensjahre benötigt, um ein wenig wirkliche Weisheit erlangen zu können.

Wo leben Sie derzeit?

In Prescott, Arizona, in der Gegend, die vom wirklichen Wilden Westen übrig geblieben ist. Einwohner: 40.000, Höhe: 1.600 m, örtlich ansässiger Indianischer Stamm: Yavapai-Apachen.

Nicht nur in Ihren Büchern, auch auf Ihrer Website befinden sich Zeichnungen und Bilder, Beschreibungen, komplette Lexika Ihrer erfundenen oder erlebten Welten. Sind Sie davon überzeugt, dass es ähnliche Welten gibt, so wie die, die Sie erschaffen haben? Würden Sie lieber in einer Ihrer Welten leben? Und wenn ja, in welcher?

Ja, es gibt sicherlich solche Welten da draußen. Bedauerlicherweise haben wir noch nicht das Problem der Kommunikation gelöst. Ich würde lieber auf New Riviera leben wollen (eine Welt, die in meinem demnächst erscheinenden Roman »Star Brake« ausführlich beschrieben wird). Ich stelle es mir wie die Französische Riviera vor, nur ohne all die vielen Touristen und mit einer vernünftigeren Entwicklung. Mit anderen Worten, das beste der Erde auf eine komplette Welt verteilt. Wenn wir Science-Fiction-Autoren uns so viele gefährliche Welten ausdenken können, warum nicht einmal eine, die besser ist als die Erde?

Auf Ihrer Website bitten Sie den Leser, Sie auf einer Ihrer Reisen zu begleiten. Sie reisen aber nicht nur in Ihre selbst erschaffenen Welten, sondern auch zu erreichbaren Orten. Gibt es ein Lieblingsziel, einen besonderen Ort auf diesem Erdball, der Ihnen Kraft gibt, an dem Sie richtig entspannen können? Oder benötigen Sie Action um sich herum, da Sie ein sportlicher Typ sind?

Verschiedene Orte auf der Erde bieten uns unterschiedliche Freuden. Für die natürliche Schönheit und interessante Kultur ist Papua Neu Guinea mein Favorit. Und das beste Unterwassertauchen! Für intelligenten menschlichen Umgang, Wien. Für die Geschichte, Peru. Für die Isolation, Tuvalo. Für Strände, Australien. Es hängt davon ab, was du willst. Wie meine Schwiegermutter immer sagte: „Du kannst nicht alle Eichhörnchen auf einen Baum setzen.“

Auf Ihren Reisen kamen Sie unter anderem auch nach Deutschland. In welchem Teil Deutschlands waren Sie damals und wie hat es Ihnen hier gefallen? Werden Sie uns noch mal besuchen?

Ich war zweimal in Deutschland (einmal u.a. bei den 10. SF-Tagen, NRW, Anm: phantastisch!). Alles ist sehr schön, auch das Volk. Einmal fuhr ich von Düsseldorf nach Köln, dann nach Heidelberg und anderen Orten in dieser Gegend, dann nach Rauchenberg, Solnhofen (für die Fossilien), Eichstadt, dann nach München. Dort blieb ich eine Weile am Tegernsee, über die Berge nach Österreich, zurück durch die Schweiz, weiter durch den Schwarzwald und zurück nach Düsseldorf. Eine wunderbare Reise. Natürlich habe ich vieles verpasst und ich hoffe irgendwann noch mal zurückkehren zu können. Berlin wartet auf mich, Dresden, etc.

Ihre erste Story erschien 1968 in August Derleths »Arkham Collector Magazine«, weitere folgten in diversen SF-Magazinen. 1972 wurde dann Ihr erster Roman »The Ta-Aiym Krang«, der erste Teil einer vierbändigen Reihe, publiziert. Unzählige weitere Romane und Geschichten folgten. Sie arbeiten u. a. auch als Auftragsautor, schreiben Bücher zu Verfilmungen, genauso Drehbücher. Eine ausführliche Bibliografie findet der Leser auf Ihrer Website, nach der man glauben muss, dass Sie der Schriftstellerei verfallen sind. Ist das so? Sind Sie Autor aus Leidenschaft? Wann hat Sie dieses Fieber befallen?

Ich habe nie damit gerechnet Schriftsteller zu sein. Ich wollte Anwalt werden. Aber in meinem Abschlussjahr an der Universität bemerkte ich, dass ich ein Talent fürs Schreiben besaß. Also schlug ich diesen Weg ein, und sieh nur was passiert ist! Besser ein Autor mehr und ein Anwalt weniger, nicht wahr?

Auf Ihrer umfangreichen und informativen Website, die Sie selbst updaten, findet der Leser nahezu alle Informationen, die er benötigt. Dennoch möchte ich Sie fragen, ob Sie uns über neue Projekte und Ideen erzählen würden, die bisher nur in Ihren Gedanken stattfinden.

Ich habe zwei weitere Bücher über FLINX fertiggestellt: »Star Brake« und »Sliding Scales«. Das erste erzählt mehr über Flinx´s Leben, das zweite mehr zur AAnn. Derzeit arbeite ich an dem ersten Buch einer Trilogie (»Home ist where«), das von einem Mann handelt, der von Aliens entführt wurde.

Gibt es ein Buch von Ihnen, das Sie gern als Verfilmung sehen würden, was wäre dann Ihre Wunschbesetzung?

Stets eine schwere Frage. Natürlich »Midworld« (1975; dt. »Die denkenden Wälder, 1979«). »The Mocking Program« (2002) mit Edward James Olmos oder Benicio del Toro (»Traffic«) als Detective Angel Cardenas. »Primal Shadows« (2001), möglicherweise mit Tom Cruise als Hauptdarsteller. »Maori« (1988) mit einer komplett Neuseeländischen Besetzung.

Würden Sie zu einem bestimmten Film gern mal das Buch schreiben?

Nein, eigentlich nicht. Ich schreibe Filmbücher, wenn es sich ergibt, aber sehr oft mache ich das nicht mehr.

Gibt es ein Werk unter Ihren eigenen Büchern oder einen Zyklus, der Ihnen besonders am Herzen liegt? Wenn ja, warum?

Meine Kurzgeschichtensammlungen. Weil es viel mehr Spaß macht, Kurzgeschichten zu schreiben als Romane. Man kann sie als literarisches Sahnehäubchen ansehen.

Es gibt Gerüchte, die besagen, Sie hätten »Star Wars« erfunden. Ist da etwas Wahres dran?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe nur das Buch zu George Lucas´ Originaldrehbuch geschrieben. Es ist alles von George.

In welcher Epoche würden Sie gern leben? In welchen Körper würden Sie schlüpfen, wenn Sie nicht Alan Dean Foster sein dürften?

Zu einer Zeit in einer vernünftigeren Zukunft, wo die Lebewesen mehr wie Homo Sapiens handeln und nicht wie Homo Stupid. Was die Person betrifft, wollte ich schon immer Sir Richard Francis Burton sein, der englische Forscher und Schriftsteller.

Wenn Sie mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen könnten, würden Sie dann Ihren eingeschlagenen Weg erneut wählen? Welche Persönlichkeit würden Sie gern einmal kennen lernen?

Ich denke, ich würde immer noch Schriftsteller sein, aber ich wollte dann mehr erforschen. Wen ich aus der Vergangenheit gern treffen möchte (neben Sir Richard)? Da gibt es so viele: Benjamin Franklin. Abraham Lincoln. Nofretete. Katharina die Große und Peter den Großen von Russland. Konfuzius, Buddha, Mohammed, Jesus. Captain James Cook. Samuel Clemens, Michelangelo, Bernini, da Vinci. Victor Hugo. Jules Verne. Simon Bolivar. Mahler, Beethoven, Havergal Brian … viel zu viele, um sie hier aufzuführen …

Als Science-Fiction-Autor besteht eine starke Verbindung zur Raumfahrt. Was empfanden Sie bei dem Absturz der Columbia in diesem Jahr?

Das All ist ein gefährlicher Ort, sonst würden wir dort leben. Jeder Sprung ins Unbekannte ist Risiko beladen. Bedenke, dass Magellan zu seiner Reise um die Welt mit (wie ich glaube) zahlreichen Schiffen und Hunderten von Männern aufbrach. 18 schaffte es zurück nach Hause auf einem Schiff, ohne Magellan. Wir sind heutzutage verdorben. Die Menschen denken, das große Fortschritte ohne Verluste abgehen. Das Shuttle ist das falsche Gefährt für seine Bestimmung. Was wir eigentlich bräuchten, wären kleine, wiederverwendbare, steuerbare Raumschiffe, die jeweils ein paar Leute auf einmal ins All befördern könnten, und große Startraketen für das Gepäck. Ich habe darüber einen ausführlichen Artikel geschrieben, der in der 1987-er Maiausgabe von »Amazing Stories« erschien.

Welche Bücher, welche Autoren lesen Sie selbst gern?

Meine Augen sind zu schwach zum Lesen geworden, deshalb lese ich größtenteils Sachbücher. Jeden Tag lese ich viele Tageszeitungen und Magazine im Internet. Neben der New York Times und amerikanischen Zeitungen, lese ich BBC, Sydney Morning Herald, den Namibian, etc. Was Bücher angeht, lese ich derzeit »The Lunar Man« von Jenny Uglow und »Nobody´s Perfect«, eine Biographie des Regisseurs Billy Wilder. Gerade beendet habe ich Sebag Montifiore´s Biographie über Peter den Großen. Außerdem zwei Bücher über Indien, da ich im März dort hinreisen werde.

Was macht der Mensch Alan Foster, wenn der Autor nicht schreibt?

Gewichte heben und Basketball spielen. Fernsehen, klassische Musik hören. Im Internet lesen. Im Kopf Musik komponieren (da ich sie nicht aufschreiben kann). Die Natur studieren (davon gibt es noch eine Menge um mein Haus herum).

Welche Plänen haben Sie für die Zukunft?

Weitere hundert Bücher schreiben. So viel wie möglich vom Rest der Welt sehen. Mich vielleicht in der Bildhauerei versuchen. Und beten, dass die Menschheit endlich weiser wird.

Gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde, die Sie aber gern beantworten würden?

Ich versuche ungefragte Fragen in meinen Geschichten zu beantworten. Aus dem Stegreif fällt mir keine Frage ein, die ich noch nicht gefragt wurde. Aber für deutsche Studenten ist es vielleicht interessant: Wenn mich Menschen überall auf der Welt fragen, woher ich stamme, sage ich immer: »Ich bin ein Weltbürger«. Das Wort ist von Goethe, denke ich.

Herzlichen Dank für dieses Interview.

Ich habe zu danken.

Webtipps

 

© Text: Nicole Rensmann / phantastisch!

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