Von Bildern und alten Schinken

Heute plaudern wir mal wieder ein bisschen aus dem Rensmannschen-Nähkästchen:

Ich mag Malerei – immer schon. Früher bin ich sogar in Ausstellung unterschiedlichster Meister gegangen. Nun ist es nicht so, dass ich ein Experte in Sachen Kunst wäre, aber das ein oder andere kann ich der Epoche oder einem Maler schon zuordnen.

Kürzlich entdeckte ich in einer Anzeige ein Gemälde, das mich sofort ansprach und da es beinahe direkt hier um die Ecke für einen minimalen,zweistelligen Betrag weit unter 50 Euro verkauft wurde, sahen wir es uns einmal an. Im Original wirkte das Ölgemälde, eingefasst in einem barocken Goldrahmen noch besser – keine Abplatzer an Rahmen oder Bild. Wir kauften es. Die Art der Malerei deutete auf Düsseldorfer Schule hin, die Initialen lauteten E.H. Nach ein bisschen Recherche kam ich zu dem möglichen Schluss, das wir ein Bild von Erich Hasenclever in den Händen hielten. Erich Hasenclever ist längst nicht so bekannt wie sein Namensvetter Johann Peter Hasenclever. Beide stammen zwar aus Remscheid, doch Johann Peter wurde 1810 geboren, Erich Hasenclever erst 76 Jahre später. Ob ein Verwandtschaftsgrad besteht, entzieht sich meiner Kenntnis- auch die einschlägigen Bücher, die ich zur »Firnis« – Recherche hinzugezogen hatten, sagten darüber nichts aus.

Im Grunde war mir das auch egal. Wir hatten ein neues Gemälde, das hervorragend in das Wohnzimmer und somit die angrenzende Bibliothek passte. Das Motiv: ein lesendes Mädchen.

Wenige Wochen später entdeckte ich genau das gleiche Bild wieder in einer Anzeige, diesmal wurde es als Druck angeboten.

Als Druck? Niemand fertigt einen Druck von dem Gemälde eines unbekannten Malers an.

Wieder recherchierte ich, diesmal suchte ich nach einem lesenden Mädchen und wurde sofort fündig.

Unser lesendes Mädchen ist (wahrscheinlich) die Kopie eines an der Düsseldorfer Kunstschule studierten Malers mit den Initialen E.H. – vermutlich Erich Hasenclever. Das Original stammt aus dem Jahre 1776 und wurde von dem bekannten französischen MalerJean-Honoré Fragonard angefertigt. Bei intensiver Betrachtung des Originals und des Replikats fallen unterschiedliche Details auf. Aber das stört mich absolut nicht.

Ein Bild muss mich ansprechen, es muss mir was erzählen, dann ist es egal wann es gemalt wurde oder wie alt oder bekannt der Künstler ist.

So kaufte ich vor gut 15 Jahren auf dem Trödelmarkt ein altes Ölbild, es zeigt zwei in Frack gekleidete Männer in einer dunklen Gasse, gepflasterter Boden, Torbogen, Vollmond. Ich habe keine Ahnung, wer das Bild gemalt hat, aber es drückt eine geheimnisvolle Atmosphäre aus, die mich schon zu der ein oder anderen Geschichte inspiriert hat.

Wer jetzt meint, die Rensmann stünde nur auf alte Schinken, dem muss ich widersprechen. Ich LIEBE alte Gemälde, aber ich mag z.B auch die verdrehte Kunst eines M.C. Eschers. Und zahlreiche Bilder von Hans-Werner Sahm hängen in unserer Wohnung. Natürlich keine Originale, sondern nur Drucke. Aber irgendwann, wenn das mit den Bestsellern mal funktioniert, ist es mein Traum, einen Original-Sahm zu ersteigern. Aber davon bin ich noch weit entfernt.


Ein Kommentar:

  1. Pingback: Nicole Rensmann » Original und Fälschung

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