Gesehen: »Das Parfum«

142 Minuten, die zwar rasch vorbeigehen, doch der Inhalt verflüchtet sich nicht wie ein billiges Parfum. Wie auch, bei der Vorlage, der Besetzung und den Machern?

Jean Baptiste Grenouille, verkörpert von Ben Wishaw, wird zwischen Abfällen und Unrat geboren und soll auch mit diesen entsorgt werden – geht seine Mutter doch davon aus, dass er, wie ihre vier Kinder davor – eine Totgeburt ist. Doch Jean Baptiste kündigt seinen Lebenswillen mit lautem Geschrei an. Die Mutter flüchtet, wird gestellt und gehängt.

Jean Baptiste kommt in ein Waisenhaus. Doch die anderen Kinder meiden hin, haben Angst vor dem seltsamen Baby und das ändert sich auch im Laufe der Jahre nicht. Er bleibt ein Außenseiter mit einer einzigartigen Begabung: Er nimmt seine Welt durch Gerüche war und ist in der Lage jeden noch so weit entfernten Duft zu wittern wie ein Tier. Er sehnt sich danach alle Gerüche der Welt zu kennen und doch belastet ihn seine Gabe.

Nachdem er viele Jahre in einer Gerberei gearbeitet hat, gelingt es ihn den Parfümeuer Baldini, gespielt von Dustin Hoffman, von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und verhilft dem alternden Mann zu neuem Ruhm. Dafür verlangt Jean Baptist in die Kunst der Geruchskonservierung eingeweiht zu werden.

Denn als er das Odeur eines jungen Mädchens riecht, will er nichts anderes als diesen Geruch zu behalten. Während er das erste Mädchen noch aus Versehen tötet, folgen die weiteren Morde gezielt. Er versucht ihre Düfte zu erhalten, indem er verschiedene Konservierungsmöglichkeiten ausprobiert. Als er endlich die richtige Formel herausgefunden hat, kann er mit der Mischung für sein Parfum beginnen.

Im Vergleich zum Buch hinterließ der Film eine ähnliche Faszination und ein beinahe schlechtes Gewissen, einen Mörder interessant zu finden und zu bemitleiden. Was mir fehlte, war ein intensivere Hinweis darauf, dass Jean Baptiste sehr darunter litt, keinen eigenen Geruch zu besitzen. Es gab zwar eine Szene, in der er sich dessen bewusst wurde, aber sein Wunsch einen für sich eigenen Duft zu produzieren, um jemand zu sein, fehlte mir persönlich.

Fazit: Eine gelungene Literaturverfilmung, die nur wenig Kritikpunkte offen lässt.

Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders
Nach einer Vorlage von Patrick Süskinds gleichnamigen Roman

Mit u.a Ben Whishaw, Alan Rickman, Rick Hurd-Wood und Dustin Hoffman
Erwähnung sollten auch die deutschen Schauspielerinnen finden: Karoline Herfurth, Corinna Harfouch, Jessica Schwarz und Birgit Minichmayr
Regie: Tom Tykwer
Produzent: Bernd Eichinger
FSK ab 12 – wobei ich leider auch hier wieder sagen muss: Für zartbesaitete Kinder ist der Film ganz sicherlich nichts.

Bücher zum Film:

»Das Parfum – Das Buch zum Film», Diogenes Verlag, Inhalt: Vom Buch zum Film, Gespräche mit Tom Tykwer und Bernd Eichinger, Das Drehbuch, Das Making of, Besetzung und Stab, Nachweise

Rezension hier im Blog zum Buch

2 Kommentare:

  1. Und das ist der Punkt über den ich mich immer aufregen kann. Denn „Das Parfum“ ist da ja kein Einzelfall. Entweder FSK und dann – egal wer den Film gedreht hat, egal wie teuer er gewesen ist – eine vernünftige Begrenzung oder sie sollen es gleich bleiben lassen. Denn so hingeschmierte FSK-Freigaben sind weder für Eltern noch für Kinder hilfreich, die sich tatsächlich auf die FSK verlassen. Und wie du schon sagst, man kann nur den Eltern empfehlen sich ausführlich über die Filme zu informieren, bevor sie sich diese mit ihren Kindern ansehen oder sie womöglich alleine davor setzen.

  2. Das mit dem eigenen Duft stimmt. Das ist wichtig, und das fehlt im Film. Vermutlich fiel ihnen dafür kein filmisches Mittel ein, deswegen hat man das zurück gestutzt bis fast gestrichen.

    Bei der FSK-Freigabe hast Du recht. Hier kann man schön die Grenzen der seit einigen Jahren geltenden 12 PG-Regelung sehen. Für Sechs- und Siebenjährige Kinder, die den Film in Begleitung ja legal sehen können, halte ich den auch für völlig ungeeignet.
    Diese Regelung hat die Prüfungspflichten für Eltern eher noch erhöht: Ich würde bei Kindern in der früheren Altersgruppe der 12 PG-Regelung, also von 6-10, alle FSK 12-Filme lieber selbst vorher antesten wollen. Gerade bei Grenzfällen, wo die 12er Freigabe großzügig ist.

    Man darf beim „Parfüm“ auch nicht vergessen, dass das ein großes deutsches Film-Prestige-Objekt war. Mich hätte das allerdings als Prüfer nicht beeindruckt, bei mir wäre der Film erst ab 16 frei gewesen. Aufgrund des Aufwandes musste aber ein 12er her.

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