Bus fahren

Meist gehe ich zu Fuß, aber wenn die Strecke zu lang ist, fahre ich seit Neuestem Bus. Bisher konnte ich auf eine Familienkarte zurückgreifen – bezahlen war also nicht nötig. Gestern hatte ich Premiere. Früher konnte der Fahrgast so nah an den Busfahrer herantreten, dass die Farbe seiner Socken zu erkennen war. Früher gab es bei der vorderen Tür auch zwei Gänge, links gingen die Leute rein, die keine Fahrkarte mehr kaufen mussten, rechts diejenigen, die noch zahlen mussten – gut, auch links gingen schon mal welche vorbei, die eigentlich noch zahlen mussten, aber das ist eine andere Geschichte.

Heute gibt es nur einen großen Gang, jeder muss seine Karte vorzeigen. Heute kann ich nicht mehr nah an den Busfahrer herantreten, weder Socken, noch Schuhe sehen. Heute ist da eine Stange – grün war sie.

Nur die offene Tür, die Stange, die Fahrgäste die an mir vorbeiziehen, der Fahrer und ich.

Ich war nervös. »Bitte einmal bis….«, sagte ich. Der Fahrer murmelte etwas von 1,20 Euro, die ich glücklicherweise passend hatte, und gab mir eine Karte … Nein. Früher waren es Karten in unterschiedlichen Farben. Mit einem Feld, das noch im Fahrkartenautomat abgestempelt werden musste. Diesen gab es vorne im Bus und noch einmal in der Mitte des Busses.

Heute ist das anders: Heute gibt es nur noch einem Automaten, direkt vorne beim Busfahrer. Und die Karte ist zu einem kleinen weißen Zettel mit vielen schwarzen Zahlen darauf geworden – ein Ausdruck, ein Kassenbon.

Muss ich den jetzt noch abstempeln? Ich habe nicht gefragt, ich stand etwas unsortiert vor dem Automat habe sichtlich verwirrt auf den Zettel gestarrt, fühlte mich plötzlich uralt und gleichzeitig hilflos jung.

Ich habe meinen Bon nicht abgestempelt. Es stand ja alles drauf, was wichtig war: Uhrzeit, Preis, Ort. Sollte ich jetzt schwarzgefahren sein, bitte ich schon einmal um Entschuldigung, es passierte aus Unwissenheit.

Übrigens gehöre ich im Bus immer zu denjenigen, die sich so gut wie nie hinsetzen, egal wie viel Plätze noch frei sind. Eine Art Fluchtreflex vermutlich.

7 Kommentare:

  1. kannst du ja auch ruhig anders sehen, aber deine blogleser wissen nun wenigstens, warum du ständig erkältet und sonst was bist.

  2. Vom Hände waschen wird man also krank? Das ist mir wirklich neu. Wer immer dir das erzählt hat, da würde ich mich an deiner Stelle noch mal genauer erkundigen. Es geht ja hier nicht um krankhaftes Hände waschen, sondern um vollkommen normale Reinlichkeit. Und wenn ich etwas anfasse, was schon 100 Leute vorher berührt haben – Leute, bei denen ich nicht weiß, wo sie ihre Finger hatten, halte ich das eher für gesundheitsfördernd.
    Anscheinend habe ich das mit Christoph Marzi gemeinsam, er ist auch oft erkältet, wie in seinem Blog zu lesen ist. Das ist eben das Leid der Eltern. Auf diesem Weg: Gute Besserung, Christoph!

    Eine gewisse Anzahl von Erkältungen und Krankheiten ist normal – fördert auch das Immunsystem, wird behauptet. Aber Respekt, wenn du immer gesund bleibst. Wenn du von der Toilette kommst, wäscht du dir schon die Hände, oder?

    Doch ich freue mich, dass du hier regelmäßig mit zu lesen scheinst, sonst wüsstest du ja nicht, wie oft ich eine Erkältung oder sonst was habe! 🙂 Und Danke, dass du dir um meine Gesundheit solche Gedanken machst.

    Hast du früher eigentlich in London gelebt, wenn es dir da besser gefallen hat?

  3. Vielen Dank, nun ist mein Gewissen beruhigt: Ich bin nicht schwarz gefahren. Und das mit dem Hände waschen sehe ich trotzdem ein bisschen anders! 🙂 Zu den Bussen in London kann ich leider gar nichts sagen, da war ich noch nie.

  4. Ach so und nein, du musst nicht mehr abstempeln. Allerdings sind die Einzelfahrscheine hier schon sehr teuer, da ist ein Monatticket wirklich besser. Und zuviel Hände waschen schwächt das Immunsystem, da wird man oft krank.

  5. Schau dir mal die Veränderungen der Busse in London an. Das ist echt wahnsinn. Bis vor drei Jahren gab es da noch die Routemaster, hinten einfach reinspringen (da konnte keine Türe geschlossen werden), dann beim Schaffner bezahlen oder Ticket vorzeigen. Heute sind die Busse so wie bei uns, nur braucht man da eine Oyster Card, eine Magnetkarte, Prepaid, die man da auf ein Feld hält und dann wird der Betrag abgebucht. Beim Fahrer bezahlen ist gar nicht drin, das gibt es nicht. Zeiten ändern sich- Aber mir hats in London früher besser gafallen

  6. Naja klar, festhalten muss ich mich natürlich auch. Und danach ist immer Hände waschen angesagt. Viel Phantasie ist bei öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer förderlich! 😉

  7. Die Sitze im Bus sind auch reichlich unbequem. Zu schmal und manchmal liegt man darin, dass man das Gefühl hat, man würde runterrutschen.

    Aber ich setze mich trotzdem hin, denn die Busfahrer fahren hier wie die Henker. Ohne Festhalten lässt sich so eine Busfahrt nicht überstehen – und wenn man festhält, dann so fest, dass man anschließend nicht mehr ins Fitnesstudio braucht. Muskelkater in den Armen ist vorprogrammiert.

    Die Frage mit dem Kartenautomat kann ich dir allerdings nicht beantworten, da ich ein Monatsticket habe 😉

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