Gelesen: »Anansi Boys« von Neil Gaiman

Cover: Anansi Boys von Neil Gaiman / Heyne Verlag

Cover: Anansi Boys von Neil Gaiman / Heyne Verlag

Neil Gaiman widmet »Anansi Boys« mir … und dir und Ihnen und Euch – also seinen Lesern und zwar mit Stil. Das macht Lust auf den Roman, und den 1960 in England geborenen Autor sofort sympathisch.

Fat Charlie ist zwar längst nicht mehr richtig fett, aber dieser Spitzname, den ihm sein Vater gegeben hat, haftet ihm auch als Erwachsener noch an. Fat Charlies Vater hat seine Vaterrolle nicht sonderlich ernst genommen und das ist wortwörtlich zu sehen. Er hat sich zwar mehr oder weniger um Charlie gekümmert, ihn aber immer wieder lächerlich gemacht. Charlie kann das nicht vergessen. Doch als er heiraten will und seine Verlobte Rosie ihn bittet, auch seinen Vater einzuladen, erledigt sich das Problem von selbst: Sein Vater stirbt. Und damit beginnt eigentlich das richtige Leben von Fat Charlie, denn nun erfährt er, wer er wirklich ist.

Charlie, der ein ziemlich langweiliger Typ zu sein scheint, der selbst gern ins Fettnäpfchen tritt, nicht viel Antrieb hat und sich so ein wenig hintreiben lässt, erfährt plötzlich dass sein Daddy ein Gott gewesen sein soll. Ein Gott namens Anansi. Er hört zum ersten Mal von seinem Bruder und erhält den Ratschlag, wenn er ihn benötigt einfach mit einer Spinne zu sprechen. Und wie es so ist, trifft Charlie eine Spinne in seiner Badewanne an, in die soeben seine Verlobte steigen wollte. Charlie, ein wenig betrunken, bittet die Spinne, sie möge ihm doch mal seinen Bruder vorbeischicken.

In dieser Nacht träumt Charlie sehr real, von sich, von einem anderen Charlie wie er vielleicht sein möchte, cool und selbstbewusst.

Noch verwirrt von seinem Traum, bekommt er am frühen Morgen Besuch von seinem Bruder: Spider.

Er kommt zu spät zur Arbeit, erhält eine Verwarnung von seinem Chef, der im Laufe der Handlung noch eine sehr wichtige Rolle einnehmen wird und als sein Bruder ihn zu Weib, Wein und Gesang einlädt ahnt Charlie, dass sein Leben einen Weg gehen wird, den er sich so nicht vorgestellt hatte. Allerdings sind die Veränderungen nach und nach so drastisch, dass er sie sich in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Fazit

In »Anansi Boys« bringt Neil Gaiman seine Leser an den Anfang der Welt, erzählt die alten Geschichten von Anansi, bringt – wie es mir schien – verschiedene Mythologien unter einen Hut, vermixt dies mit ein bisschen Hexerei, spart die Krafttiere und die allumfassenden Möglichkeiten eines Gottes nicht aus und macht daraus einen ideenreichen, phantastischen Roman mit viel Witz, Krimieffekten und einer Prise Horror.

Und so ist für jeden etwas dabei, wenn er sich auf Anansi einlassen will …

»Anansi Boys« war mein erster Roman von Neil Gaiman aber sicherlich nicht mein letzter.

Erwähnen möchte ich noch die Kapitelüberschriften, die ich so bisher noch in keinem Buch gesehen habe, z.B.

Kapitel Fünf

In dem wir die vielen Folgen des Morgens danach untersuchen.

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Erster Satz

Es beginnt, wie es ja meist der Fall ist, mit einem Lied.

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Neil Gaiman
»Anansi Boys«
(Originaltitel: »Anansi Boys«)
Übersetzung: Karsten Singelmann
Deutsche Erstausgabe
Heyne Taschenbuch
ISBN 978-3-453-26530-1
447 Seiten
12,- €

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Webtipps:


© Cover: Heyne Verlag

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6 Kommentare:

  1. Pingback: Rezension: »Niemalsland« von Neil Gaiman – Nicole Rensmann

  2. Nach dem Joe Hill werde ich „American Gods“ von Neil Gaiman lesen und dann mal abwarten.
    Zu den Kapitelüberschriften … nee, ich glaube nicht, dass ich diese in dieser ausufernden Form mal gesehen habe, oder ich erinnere mich nicht mehr. DAS kann natürlich auch sein.

  3. Wobei – du hast noch nie Kapitelüberschriften gesehen? Aber wendet die King nicht auch in einem Buch an? „Langoliers“ glaube ich. Übrigens war sowas in früheren Zeiten nicht unüblich.
    Ad Astra

  4. Stimmt, „American Gods“ ist wirklich einen Tacken besser. Aber habe ich ja schon mal erwähnt. Und danach rate ich zu „Neverwhere“ – nein, nicht auf deutsch, nimm die „Authors Preferred Text“-Edition, der hat einiges umgeschrieben was nicht übersetzt wurde – und eventuell „Smoke and Mirrors“. Die neue Kurzgeschichtensammlung habe ich noch gar nicht fällt mir so auf. Ts, ts, ts…
    (Dafür aber „Neverwhere“ auf DVD. Wegen Recherchegründen. ;-))
    Ad Astra

  5. Erst mal lese ich aber Joe Hills „Black Box“ und genieße dabei Aachener Printen! 😉

  6. Hah! Also, das geht doch schon in Richtung enthusiastisch. 🙂 Wenn Du American Gods noch liest, wirst Du auch noch mehr von diesen Göttern im Ruhestand erleben. Und der ist, wie gesagt, meiner Meinung nach NOCH besser.

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