Zum Stillschweigen verdammt

Das Schlimmste für einen guten Journalisten ist es, die Wahrheit nicht sagen zu dürfen; das Schlimmste für einen Autor, nicht schreiben zu können, vor allem dann, wenn es nicht mit einer Schreibblockade zusammenhängt, sondern mit einem laufenden Prozess, welcher Art auch immer, der Stillschweigen erfordert.

Regelmäßige Leser dieses Blogs haben schon gelernt die kryptischen Bemerkungen zu deuten. Die aktuellen geheimnisvollen Umschreibungen werden vielleicht eines Tages in der Presse landen, wenn sie dann nicht vorher schon hier stehen. Ich werde alle Fragen mit der Wahrheit beantworten – und nichts als der Wahrheit.

Zwischenspiel

Ein Kind. Es wird beschuldigt, eine Fensterscheibe eingeworfen zu haben. Nur es allein weiß, dass es der Rüpel von nebenan oder der beste Freund gewesen ist – beide will es nicht verraten, von dem einen erwartet es Schläge, einen Freund verrät man nicht.

Und doch wird es für die Tat bestraft, niemand glaubt an seine Unschuld, niemand glaubt seinem Schweigen.

Jahre später kommt die Wahrheit ans Licht, doch dann ist es schon zu spät. Dieses Erlebnis hat das Kind geprägt und den Glauben an Gerechtigkeit verloren.

Zwischenspiel Ende

Ich habe schon einmal darüber nachgedacht, ob ich ein anonymes Blog eröffnen soll: »Der überdimensionale Alltagswahnsinn eines Unbekannten«.

Darin könnte ich von all den kleinen und großen sensationsheischenden Erlebnissen berichten, die mir in den letzten Monaten, nein, Jahren über den Weg liefen: von politischen Lügen und medienwirksamen Berichten; von seltsamem Gebaren auf dem Arbeitsmarkt und unfassbaren Forderungen der Arbeitgeber, die jeglichen Streik lächerlich dastehen lassen. Ich könnte von Plagiaten und Dreistigkeiten berichten, von seltsamen Maklern und fragwürdigen Käufern, von Anschuldigungen und Abmahnungen, von Unverschämtheiten und Unterstellungen …

Aber nein, es gibt kein Blog mit diesem Titel, und wenn doch, dann wird es nicht von mir betrieben. Ich halte meinen Mund … notfalls nähe ich ihn mir zu. Es gibt ja noch die Auftrennnadel – für später. Nur, was mache ich mit meinen Fingern, die schneller tippen als ich denken kann?

Zwischenspiel II

Ich kann mir kein gesünderes Salz vorstellen, als das deiner Tränen – aber Salz ist nur in geringem Maße gesund. Weine nicht länger.

Zwischenspiel II Ende

Um Danke zu sagen, dafür benötige ich kein anonymes Blog. Und darum mache ich das jetzt und hier einfach schon einmal nachträglich, pünktlich und vorab und bedanke mich bei all denen, die wissen, dass ich ihnen aus dem einen oder anderen Grund danke – für Worte, Tipps und Ratschläge, für Umarmungen – manchmal nur verbal –, für Aufmunterungen, Hilfestellungen und entgegengestreckte Hände. Danke, dass ihr da seid.

Ein Kommentar:

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