Gelesen: »Seelenlos« von Dean Koontz

Cover: Seelenlos

Mit »Seelenlos« erscheint in Deutschland nun auch der zweite Teil über den ungewöhnlichen jungen Mann Odd Thomas, der die Gabe hat, Tote zu sehen und den es nicht nur drängt, diese auf ihre letzte Reise zu schicken, sondern auch, das an sie verübte Verbrechen aufzuklären.

Doch Odd sieht seine Gabe nicht als Geschenk, sondern als lästige Aufgabe, die ihm oftmals schon Schmerz und Leid gebracht hat – zuletzt den Tod seiner Verlobten. Er hadert mit sich, kann nicht gegen seine Bestimmung an und kämpft sich voran.

Als am Morgen der Geist von Dr. Jessup vor ihm steht, ahnt er, dass dies nicht Gutes bedeuten kann. Denn Odd weiß, dass der Stiefvater seines besten Freundes wenige Tage vorher noch gelebt hat.

Dr. Jessups Geist führt Odd zu seinem Haus, in dem Odd dessen brutal zugerichtete Leiche findet – von Danny, der an einer schweren Knochenkrankheit leidet – jedoch keine Spur.

Er spürt, dass er nicht alleine im Haus ist und glaubt, schlauer als sein Gegner zu sein, tappt prompt in eine Falle, aus der er noch mal ohne große Blessuren entkommen kann.

Doch dann begibt er sich auf die Suche nach seinem Freund und folgt somit seiner zweiten Gabe, die ihm den Weg zu einer bestimmten Person – diesmal Danny – weist.

Als er seinen Freund Danny endlich findet, trifft er auf eine Frau, die ihre beiden Handlanger mit seltsamen Methoden gefügig macht und von Odd eine schier unmögliche Gegenleistung für die Freilassung von Danny verlangt.

Dean Koontz wählte auch für diesen Odd Thomas Band die Ich-Erzählperspektive – und das mindert in diesem Fall die Spannung erheblich. Odd lässt uns an jedem Schritt, jeder Erklärung, jeder Überlegung und jeder Wahrscheinlichkeit teilhaben. Passagen, ja ganze Seiten, lesen sich wie die Anleitung zu »Wie Rette ich einen guten Freund?« Immerhin lernen wir dabei, dass trotz Gefahr Männer nicht gleichzeitig gehen und telefonieren können.

Er denkt und redet beinahe monoton vor sich hin und kämpft sich die meiste Zeit des Buches alleine durch die Handlung, um seinen Freund zu befreien. Das mag zwar heldenhaft sein, wirkt aber – wegen seiner Gabe – zu zielsicher und zudem – trotz seiner Gabe – selbstzerstörerisch, auch wenn er immer wieder betont, nicht auf Schießereien und gefährliche Situationen aus zu sein und – in alter McGuyver-Manier – sich aus diesen rettet.

Das ganze Buch scheint wie unter Trance geschrieben, so als sei Odd immer noch vom Schmerz betäubt. Gefühle bleiben gänzlich auf der Strecke, vielmehr führt Odd mit seinen Selbstgesprächen ein beinahe tiefschürfendes Melodram vor, was aber zur eigentlichen Handlung nicht passen will, zumal Dean Koontz auch hier wieder die mystisch-okkulten Elemente lediglich ankratzt und – wie auch schon im ersten Band – viele Fragen offen lässt.

Dabei hilft auch nicht die Tatsache hinweg, dass sich Odd Thomas und seine eigene Handlung immer wieder ins Lächerliche zieht.

Dean Koontz hat einen schwierigen, selbstkritischen und gesellschaftskritischen Roman geschrieben, der jedoch viel zu weit an der Oberfläche bleibt und mit wenigen Überraschungen, kaum Gefühl, jedoch zahlreichen stilistischen, wunderbaren Sätzen und ein paar witzigen Highlights aufwartet.

Odd, der seine Geschichte erzählt und sich als Schreiber des Buches ausgibt, meint im Gespräch mit dem Leser zu »Seelenlos«: »Es hätte ihnen weniger gefallen als das erste, aber ein bisschen hätten Sie es vielleicht doch gemocht.«

Und doch: Der 21 Jahr alte Odd Thomas ist sympathisch und muss so viel leiden, dass man ihn gerne einmal in den Arm nehmen möchte und ihm ein Abenteuer wünscht, dass gut für ihn ausgeht.

So gibt das Ende der Geschichte, nach einem eher seltsam bitter und süßlichen, nicht zuzuordnenden Geschmack, einen schönen Abgang, um im Jargon eines Weintrinkers zu sprechen, wie es Dean Koontz einer ist.

Erster und zweiter Satz: »Beim Aufwachen hörte ich, wie ein warmer Windstoß das lose Fliegengitter am offenen Fenster klappern ließ, und ich dachte: Stormy. Doch sie war es nicht.«

Dean Koontz
Seelenlos
(Originaltitel: »Forever Odd«, 2005)
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Heyne Verlag, März 2008
ISBN 9783453265363
367 Seiten
19,95 €

Webtipps:

Rezension zum ersten Teil über Odd Thomas »Die Anbetung«

© Text: Nicole Rensmann

© Cover: Heyne Verlag

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