Tagebuch eines Welpen

Liebes Wuffi!

Spazieren gehen finde ich pfui. Es reicht doch völlig, wenn ich auf die Wiese mache, da brauche ich nicht weit zu laufen und alle sind zufrieden. Aber Frauchen und Herrchen sehen das anders. Sie rufen: »Lola, komm. Komm, Lola.« Ihre Stimmen sind dann beide anders als sonst, viel höher, es juckt dann immer in meinen Ohren. Und kommen mag ich auch nicht. Doch wenn ich zwei Pfoten gehe, sagen sie: »So ist fein.« Als wenn ich das freiwillig gemacht hätte. Sie überrumpeln mich immer mit den Leckerchen in ihrer Tasche. Pfui. Meistens ignoriere ich diese leckeren Leckerchen, ich lass doch nicht alles mit mir machen.

Denn wenn ich lange genug bockig bin, nimmt mich Frauchen auf den Arm und trägt mich bis in den Stadtpark. DAS ist fein. Meine hundischen Ausscheidungen möchte ich auch ungerne in den Wald machen, da liegt ja schon so viel. Nirgends ist richtig Platz. Und kaum erblicken mich Kinder, andere Frauchen und Wauwauchen stürmen sie auf mich los. Dann freue ich mich und möchte springen. Aber Frauchen will das nicht, sie sagt: »Ab«, hält mich fest und dann muss ich mich auch noch hinsetzen. Wie soll ich da richtig mit dem Schwanz wedeln? Die Menschen haben ja keine Ahnung. Sie sagt, ich werde irgendwann mal richtig groß und dann werfe ich alle um. Ich kann daran nichts schlimmes erkennen. Menschen haben schon seltsame Vorstellungen.

Endlich geht es zurück. Das ist fein. Daran habe ich Spaß. Bevor ich die Straße überqueren darf – und das mag ich gar nicht – muss ich Sitz machen und warten. Aber diese großen, bunten Dinge sind so laut und stinkig, ich möchte viel lieber weglaufen. Doch ich darf erst gehen, wenn Frauchen sagt: »Komm!«

Und dann laufe ich. Ja, Lola rennt – nach Hause. Denn zuhause bin ich gern. Am Liebsten liege ich bei Frauchen unter dem Schreibtisch. Das Klappern von dem komischen flachen Ding, auf das sie mit ihren Fingern herumhämmert, macht mich schläfrig. Eben hat sie aufgehört und den Raum verlassen. Als Belohnung, weil sie so fleißig war, habe ich meine hundischen Ausscheidungen auf den Boden gemacht.

Dann kam Frauchen wieder und ich habe mich so gefreut. Doch sie schien gar nicht so glücklich, holte diese Flasche mit dem stinkenden Zeugs aus dem Schrank und Tücher. Die finde ich fein. Die klaue ich aus dem Mülleimer und kaue darauf rum. Das ist fein. Aber der Mülleimer steht jetzt im Schrank. Pfui. Gemein.

Aber heute war Frauchen großzügig, sie hat mir eine leere Papprolle geschenkt. Ich hab ihr den Rest gegeben, sie gebeutelt, mit meinen Zähnen zerrissen und unter meinen starken Pfoten zerdrückt. Ich bin Lola! Ich bin stark!

.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.