Auf dem Plattenteller …

Stoppok, Sensationsstrom… klingt doch irgendwie nostalgisch und hat mehr Stil, als wenn ich schreibe: In dem CD-Laufwerk meiner Rechners liegt die neue CD »Sensationsstrom« von Stoppok. Blechern hallt der Sound aus den Lautsprecherboxen, was vermutlich eher mit der Qualität meiner Technik als der Musik zusammenhängen dürfte.

14 Songs präsentiert der gebürtige Essener, der sich vom Strom der Branche tragen lassen könnte, aber nicht möchte und somit seinem Duktus über Jahre hinweg treu bleibt.

Und das erzählt er auch in dem ersten Song: »Den anderen Weg« – ein Titel, der stets mein Motto war und ist. Der Text selbst passt so perfekt auf mich und meinen Mann (der ebenfalls aus Essen stammt) – unsere Situation. Das ist fast unheimlich.

»musst ja nicht jedem auf die nase binden
worum es dir am ende geht
doch wie willst du die heimat finden
wenn du nicht siehst wo die laterne steht

jeder braucht kohle das muss nicht heißen
dass ein anderer deinen wagen lenkt
wie soll man je den horizont erreichen
wenn man nicht ab & zu mal selber denkt

wer kennt es nicht dieses endlos-gelaber
was-soll-man-machen & die-jobs-sind-rar
da ist was dran nur mit wenn und aber
gute nacht wenn das schon alles war

keine Angst du bist nicht allein Sei dir sicher
da draußen wird schon noch ein anderer mensch sein
der so fühlt und sich insgeheim auch danach sehnt
und der schlägt mit dir den anderen weg ein

Was ist schon sicherheit wär da nicht besser
Bei sich zu bleiben egal wies wird
ist ein lauwarmer triumph nicht schlechter
als selbst ein schiffbruch wenn er dir gehört

wie viele nerven und energie verschwenden
an einen job von dem man vorher weiß
es kann nur in der katastrophe enden
wer ist es der sagt: Bezahl den Preis

keine Angst …

wieviel zeit kann noch verstreichen
wie lang kann man noch ignorieren
irgendwann muss jeder hier begreifen
wohin die eingefahrenen wege führen

und dass so viele darauf warten
dass jemand hier den wahnsinn stoppt
hier spielt jeder gern den harten
verschweigt die träne die auf sein kissen tropft

wenn du denkst du wärst hier allein sei dir sicher
da draussen wird schon noch ein anderer mensch sein
den du kennst und nicht nur beim wein
und mit glück werden es am ende ganz schön viel sein.«

© Text: Stefan Stoppok / D. Dziu

Weiter geht es mit:

»Nur ein Herz« – ein Herzsong, rund ums Herz. Poetisch nett.

»Die Königin« (der hohlen Sprüche) – was schon alles sagt. Ein typsich-ironischer Stoppok-Song über all die Menschen, die lieber nur sich selbst zu hören und sich nicht dafür interessieren, was dem Gegenüber passiert.

»Man will ja nur« – Kleine Wünsche, die sich um das gleiche Thema drehen: Aufmerksamkeit.

»Ich wartete« – ein Liebeslied, das so nur ein Stoppok schreiben bzw. singen kann, wobei der Text hier von B. Conrads verfasst wurde.

Die nächsten beiden Songs werden als Pharmadoppelfuge angekündigt und es ist klar, die müssen witzig sein:

»Dr. Pillemann« – ein moderner Dr. Sommer, bei dem du anrufen kannst, wenn du ein Problem hast, dass auch gesellschaftlicher Art sein kann.

In »Lazarett« fordert er dich zu einem dauerhaften Besuch auf, und dort gibt es eine Menge bunter Pillen.

»Offline« – gehe ich erst später, Stoppok versucht es für 4:21 min.

Weiter geht es mit:

»Mit dir und mir« und »Goldener Käfig«

Die letzten drei Songs sind ironisch-bösartig, aber das sollte auch nicht fehlen:

»Willi Moll in Afrika«

»Oh Schatz«

»Cool durch Zufall«

Stoppok ist ein musikalischer Rebell – mit »Sensationsstrom« beweist er einmal mehr, dass er sich weit weg von dem musikalischen Einheitsbrei bewegt und genau deswegen Spaß dabei hat.

Er lehnt sich gegen die Oberflächlichkeit und Dummheit in diesem unseren Lande auf – für mich der Grund seine Songs zu hören. Denn in vielen seiner Lieder, über all die Jahre hinweg, spricht er mir damit (sehr häufig) aus der Seele.

Wobei ich sagen muss, dass die aktuelle CD nicht zu seiner besten gehört.


Trotzdem: Weitermachen!

Stoppoks »Sensationsstrom« ist für 14,95 € im Handel erhältlich.

Webtipps:

www.stoppok.de

 

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