Gelesen: »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes« von Joanne K. Rowling – Gedanken zur Serie –

Eine ausführliche Rezension möchte ich nicht schreiben, denn entweder habt ihr den Roman gelesen oder nicht, dann wollt ihr ihn noch im Kino sehen oder habt schlichtweg kein Interesse am Inhalt der siebenteiligen Serie – auch das soll es geben. Dennoch möchte ich vorwarnen: In dieser kleinen Betrachtung komme ich nicht um Spoiler herum. Allerdings gab es die zuhauf auch schon in anderen Foren oder Blogs.

Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, bis ich den siebten Band auf den Lesestapel packte. Erst sollte der Hype abklingen, denn das, was andere erst zum Kauf bringt, törnt mich ab und nimmt mir die Leselust.

Nun bin ich durch und stelle fest, dass ich die letzte Seite mit Wehmut zugeschlagen habe. Es fehlte so viel in diesem (wie dem vorangegangen) letzten Band, was die ersten Bände ausmachte: All die liebevollen, teils witzig und phantastischen Details von Hogwarts, Butterbier und Bonbons, die nach Popel schmeckten. Das Märchenhafte hat J.K.Rowling im Laufe ihrer Serie immer mehr abgestreift, sie hat sich dem Kommerz gebeugt und ist damit ihrer Linie nicht treu geblieben. Am Ende präsentierte sie einen Actionroman, in dem gefoltert und gemordet wird, der stark auf eine weitere Verfilmung zugeschnitten wurde.  War das geplant oder wurde sie beeinflusst von den Filmen – so wie wir, die Leser, die beim Lesen die Schauspieler vor Augen haben, nicht mehr die aus der eigenen Phantasie erschaffenen Figuren? Selbst die Worte scheinen den drei Filmhauptdarstellern in den Mund gelegt worden zu sein.

Manche Szenen werden so schnell abgehandelt, Erklärungen mal eben mit einem Satz abgehandelt oder durch das Denkarium gelöst, so scheinen wichtige Details weggelassen worden zu sein – gerade so, wie es in einen Film passt. Szenen, die sich auf der Leinwand jedoch gut machen, werden ausgeschmückt – wie die Hochzeit, das Leben des Dumbledore oder natürlich die Schlacht am Ende.

Es sterben so viele – das gehört dazu, es wurde längst Zeit. Doch Gefühl will bei mir nicht überspringen.

Vielmehr frage ich mich immer, was Potter da eigentlich macht. Das Mädchen, das er liebt, stößt er weg, weil er sie nicht in Gefahr bringen will, lässt sie mitten im Kampf und einer gefährlichen Situation zurück, anstatt sie an sich zu ketten und sie zu beschützen oder doch wenigstens noch in Sicherheit zu bringen. Er denkt an sie (und da kann Rowling wirklich schön beschreiben), unmittelbar, bevor er scheinbar stirbt. Doch nach Tod und Schrecken, bei der großen Party geht er nicht mal zu ihr, sondern stiehlt sich mit Ron und Hermine wieder davon? Arme Ginny. In wen hat sie sich da nur verliebt?

Und Snape? Seine Rolle wird auf ein Minimum reduziert, dabei hätte er doch wahrlich eine größere spielen müssen.

Sachliche und unlogische Fehler oder Verhaltensweisen häuften sich in diesem Band:

Warum gehen Bill und Mr. Weasley arbeiten, wenn Voldemort alles an sich reißt? Es dauert viel zu lange, bis sie zuhause bleiben, um sich in Sicherheit zu wiegen. Doch dies wirkt dann so nebenbei, als seien die paar Sätze während des Lektorats eingeschoben worden.

Am Anfang wird erzählt, dass Harry noch nicht volljährig ist, kurz darauf wird er als volljährig bezeichnet, obwohl er gar nicht Geburtstag hatte und wenige Seiten später hat er Geburtstag und wird volljährig. Das ist möglicherweise ein Übersetzungsfehler – vielleicht einer von vielen.

Nur zwei Beispiele von Weiteren, über die ich stolperte.

Letztendlich wird es zum Ende hin jedoch noch mal richtig spannend und sogar ein bisschen rührend. Allerdings hätte ich mir keine zweite Generation gewünscht und somit empfinde ich das letzte Kapitel als überflüssig.

Trotzallem wird Harry Potter wohl ein Überflieger bleiben – nicht die Person an sich. Doch er ist mit seinen Geschichten längst in die Literaturgeschichte eingegangen und bricht alle Rekorde.

Es bleibt anzunehmen, dass es solch einen Hype um eine Serie nicht noch mal geben wird.

Mehr zu Harry Potter hier im Blog.

Ein Kommentar:

  1. Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen.
    Das Buch an sich ist gut, aber nicht das, was die Harry Potter Romane bisher vom Mainstream abgehoben hat. Es ist eher mehr ein Deckel zu, es kommen keine weiteren Romane und auch keiner wird mit meinen Figuren einen Roman ersinnen. Das soll jetzt nicht heißen, dass der Roman schlecht ist, im Gegenteil, aber ein bisschen Zauber fehlt wirklich.
    Dass so viele schöne Details, wie die Bonbons mit den seltsamen Geschmacksrichtungen, fehlen, liegt wohl auch daran, dass die Protagonisten älter, erwachsen werden. Aber ich habe noch keinen Erwachsenen getroffen, der mit seiner Volljährigkeit auf einmal seine Vorliebe für Bonbons verliert – auch wenn das Leben gerade nicht ganz so toll läuft. Daher – ja – die Bonbons fehlen 😀

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