Abmahnungen machen Spaß – anscheinend

Abmahnungen scheinen der neue Trend zu sein: Ebay-Verkäufer werden abgemahnt, weil sie zu viel verkaufen; Blogger, weil sie die Wahrheit sagen; Internetuser, weil sie einen dummen Namen haben; Webseitenbetreiber, weil sie einen Zahlendreher in ihrer Anschrift haben, Zitatensammler, weil angeblich ein Copyright verletzt wurde… diese Liste lässt sich ins Unendliche fortsetzen. Neu dazu gekommen ist die Abmahnung wegen einer schlechten Rezension. Das Literaturcafé berichtete jüngst darüber, dass die Webseite 4players.de abgemahnt wurde, da dort eine negative Kritik zum aktuellen Spiel »Alone in the Dark« online ging.

Holla! Ich gehe mir jetzt auch einen Anwalt suchen, der vermutlich alleine in der Welt steht, und bitte ihn Abmahnungen zu meinen Gunsten zu schreiben. Da darf sich jeder in Acht nehmen, der auch nur ansatzweise etwas Negatives über eines meiner Bücher geschrieben hat oder es wagte abfällig über mich zu reden.

Ach was sage ich: Ich mahne jeden ab, der noch nicht mal ein Buch von mir gelesen hat. So geht das ja schließlich nicht. *vor die Stirn klatsche*

Wohin soll dieser Abmahnungstrend eigentlich noch gehen? Es wird Zeit, dass die Abmahner mal abgemahnt werden.

5 Kommentare:

  1. Darauf scheint es leider hinauszulaufen, ja.

  2. Mal ganz ehrlich, was soll dieses Abmahnen eigentlich?
    Nur weil EIN Kritiker ein Buch schlecht findet, heißt doch noch lange nicht, daß ALLE es schlecht finden.
    Meiner Ansicht nach schwappt gerade mal wieder eine Mode aus Amerika zu uns herüber. Wir klagen mal gegen alles und Jeden.
    Was kommt als Nächstes?
    Müssen bald auch schon Privatpersonen (LESER!) aufpassen was sie sagen, wenn sie nicht irgendwann Post von einem Anwalt haben möchten?

  3. Prozentwertungen _sind_ ja auch Naturgesetze, Falko, da machste nix. Ich würde mir nie ein Magazin ohne kaufen. Boris Schneider bekommt wahrscheinlich heute noch Morddrohungen wegen seiner damaligen Abschaffungs-Entscheidung. 😉

  4. Das ist traurig, zeigt aber auch, wie sehr unsere Gesellschaft von der „Meinunngsmache“ abhängig ist. Letzendlich sollte nie EINE Meinung, eine Kritik, eine Rezension als Aussage über ein Spiel, über Buch oder Film ausschlaggebend sein. Aber die Spielewelt ist nicht meine – muss auch nicht. Hier geht es auch nur um die Abmahnung.

  5. Nur kurz: Hintergrund ist, dass bei Spielen die meisten Nutzer von den Prozentwertungen ausgehen, als wären es Gesetze. Magazine, die auf Prozentwertungen verzichten, finden kaum Leser. Sogar bei Entwicklungsverträgen mit den Studios kann es Klauseln geben, die die Höhe von Royalties von Durchschnittswertungen bestimmter Magazine abhängig machen. Alles recht elend …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.