Eine Beziehung

Der Autor und sein Buch.

In den Hauptrollen:

 

Der Autor = Mutter / Vater (ein und dieselbe Person im Zwiegespräch)
Die Idee = der Wunsch
Ausarbeitung = Ei und Samen (in der Befruchtungsphase)
Die ersten Seiten = Fötus
Manuskript = Baby
Das Buch = Kind
Der Verlag = Die Adoptiveltern


Mutter: »Ich möchte ein Kind.«

Vater: »Das wäre reizend. Wie soll es aussehen? Wie soll es heißen? Wie groß muss es werden? …«

Mutter denkt. Vater denkt. Sie diskutieren. Sie ringen und streiten miteinander. Die Befruchtungsphase hat begonnen bis …

… die ersten Äußerlichkeiten feststehen: Weiß wie ein Blatt Papier, schwarz wie die Druckerfarbe und rot wie die aufgekratzten Finger, wenn es nicht vorangeht.

Es dauert viele Tage, Wochen, Monate, manchmal Jahre, bis der Fötus heranwächst – anders als beim Menschen. Manchmal stoppt es in seinem Wachstum, das arme kleine Dinge. Manchmal schießt es förmlich heran, dass die Eltern vor Schmerzen in Fingern, Rücken, Nacken, Po kaum Schlaf bekommen. Aber sie nehmen dieses Opfer gerne auf sich.

Die Geburtswehen sind nochmal sehr schmerzhaft, sie dauern Stunden, Tage, Wochen, Monate. Pressen, die letzten Wünsche einlegen. Dann ist es da.

Ein bisschen Blut, Schweiß und Tränen kleben noch daran.

Es ist so schön, das Baby.   

Die erste Abnabelung hinterlässt ein kleines Loch des Verlustes. Nun geht die Arbeit erst richtig los: Hegen, Pflegen, Wickeln – bei der Weiterentwicklung helfen.

Dann kommt das Entsetzen:

Es ist vorbei. Das Baby muss ein Kind werden. Sie müssen es freigeben. Vater und Mutter weinen. Doch es bleibt ihnen keine Wahl. Das Frischgeborene muss Platz für seine Brüder und Schwersten machen.

Adoptiveltern werden gesucht.

Manchmal schneller gefunden, manchmal langsamer, manchmal nie.

Dann sind sie da, die Adoptiveltern. Es gibt große und kleine, gute und schlechte. Sie hoffen, es sind gute, die sich pfleglich um ihr Baby, das nun bald ein Kind wird, kümmern. Aber so genau weiß man das nie.

Der Vertrag wird geschlossen. Gegen Ängste und Bauchgrummeln ist kein Kraut gewachsen. Da müssen Vater und Mutter nun durch. Ganz alleine.

Wenn sie Glück haben, sind es gewissenhafte Adoptiveltern, die Namen und Kleidung mit den leiblichen Eltern besprechen, die mitteilen, wenn es Neuigkeiten gibt, wie das Kind heranwächst, die Treffen organisieren und auch frühzeitig erzählen … wenn es stirbt.

Wenn sie Pech haben – und das kommt immer wieder vor – geben sie ihr Kind ab und hören nie wieder etwas davon, bis der erste Scheck kommt.

Denn in dieser Branche ist Kinderarbeit nicht nur erlaubt, die Kinder altern auch viel schneller  – oft schneller als Mutter und Vater (aber nicht immer).

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Warum?

Für Verlage ist ein Buch (oft) nur ein Buch ist ein Buch nur ein … Produkt. Für den Autor aber ist es (fast) wie ein Kind, von dem es sich trennen musste. Bitte gebt gut acht und haltet uns Autoren auf dem Laufenden. Wir werden es euch mit vielen guten Büchern danken.

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