Gelesen: »Wilde Hunde« von Markus Zusak

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Cover: „Wilde Hunde“ von Markus Zusak

Erster Satz: »Der Hund, auf den wir setzen wollen, sieht eher aus wie eine Ratte.«

Mit »Wilde Hunde« bringt der Verlag cbj Markus Zusaks Debüt »Vorstadt Fighter« (2005) unter neuem Titel heraus.

Im Original erschien 2000 der erste Teil dieses Buches »Fighting Ruben Wolfe« und ein Jahr später »When Dog Crys«.

2002 brachte schon der Ravensburger Verlag »Underdog« von Markus Zusak heraus, das vom Titel her, und laut einer dürftigen Inhaltsangabe auf amazon.de, zu den wilden Hunden passt. Wie dieser Roman einsortiert werden kann – am Anfang, in der Mitte oder am Ende –  muss erst mal unbeantwortet bleiben.

Die wilden Hunde sind Ruben und Cameron Wolfe – zwei Brüder, deren Brüderschaft kaum tiefer und deren Unterschied kaum stärker sein könnte.

Es ist der stillere Ruben, der im ersten Teil die Geschichte seines Bruders erzählt und im zweiten, seine eigene.

Ruben ist der Denker, und Cameron derjenige der die Gedanken seines Bruders ausspricht. Er ist der Draufgänger, er ist frech und er wird von allen geliebt. Er fällt auf, weil er Cam ist.

Sie kommen aus einer Gegend, in der die Straßen kaputt sind und man im Dunklen nicht über den Zaun hängen möchte. Doch sie stehen dazu. Womit sie nicht klar kommen sind die fehlenden Aufträge ihres Vaters, der nach einem schweren Unfall auf der Baustelle keine Jobs mehr bekommt und die Mutter sich aus diesem Grund beinahe zu Tode schuftet. Doch die Familie hält irgendwie zusammen. Erst als Cams und Rubens Schwester Sarah von einem Klassenkameraden als Hure bezeichnet wird, rastet Ruben aus und prügelt ihn krankenhausreif.

Das spricht sich schnell rum. Ruben bekommt das Angebot an illegalen Boxkämpfen teilzunehmen und damit viel Geld zu verdienen. Doch Perry, ein etwas zwielichtiger Typ, will nicht nur ihn, sondern auch den dünnen und stillen Cameron. Ein Verlierer, der einstecken kann und der mit dem Trinkgeld, das ihm die Zuschauer aus Mitleid zuwerfen, nicht minder schlecht verdienen würde.

Sie willigen beide ein, um die Familie finanziell zu unterstützen. Behaupten sie. Doch im Grunde wollen sie sich beide nur etwas beweisen. Vor allem Ruben.

»Er ist besessen. Er rennt und diese Besessenheit ist in seinen Tritten, Hunger ist in seinen Augen und Gier in seiner Stimme. Nie hab ich ihn so gesehen. Völlig besessen davon, Jemand zu sein und dafür zu kämpfen.«

Sie verändern sich. Beide. Drehen sich wie im Boxkampf um den anderen und vor allem um sich selbst …

Im zweiten Teil »Carmeron Wolfe« geht es um Cam. Sein Leben, seine erste Liebe, seine Art, seine Seele, sein Weg, seine Stärken, seine Schwächen. Und  vor allem von dem, was er wird. Ich habe mich – obwohl Cameron ein männlicher Charakter ist – noch nie mehr mit einem Protagonisten verwandt gefühlt. Vielleicht liegt es daran, dass auch er schreibt … nicht nur »Wilde Hunde«.

In »Wilde Hunde« findet der Kampf nicht nur im Ring statt, sondern auch am Küchentisch, im Hinterhof, auf der Straße und vor allem in Camerons Kopf und Herz.

Eine Geschichte um Kampf, Liebe und Stolz, um Familienzusammenhalt, Ehre, Dummheit und um eine wohl einzigartige brüderliche Beziehung.

Am Anfang glaubte ich noch zu erkennen, dass es sich bei »Wilde Hunde« um ein Debüt handelt, ein Erstlingswerk, das nach den großen Erfolgen von »Der Joker« und »Die Bücherdiebin« erneut aufgelegt wurde. Nicht rund, nicht perfekt, ein bisschen jungfräulich, etwas kantig, abgehakt.

Doch ich irrte mich.

Im ersten Band verteilt Markus Zusak Worte wie Faustschläge, im zweiten geht er es sanft an und wird poetisch – eine Stimme, die er im ersten Teil nur ab und an durchsickern ließ.

»Ich kicke mein Herz über das Pflaster.«

»Wilde Hunde« wächst, wie seine Protagonisten. Die Sprache, die Stimme des Autors, des Erzählers. Und endet in einem warmen Wortregen.

Fazit: Klarer Sieg für Markus Zusak!

Markus Zusak
Wilde Hunde
(Originaltitel: »Ruben Wolfe« und »Cameron Wolfe«)
Übersetzer: Ulrich Plenzdorf
cbj-Verlag, 2008
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 9783570136126
14,95 €

 

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© Cover: cbj Verlag
© Text: Nicole Rensmann

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