Kickboxen

Wir begrüßen uns mit Handschlag und verabschieden uns auch so. Wir verbeugen uns vor dem Trainer, bevor das Training beginnt, es wird Rücksicht auf Schwächere genommen und ihnen Tipps gegeben, es wird immer gelobt, auch wenn man selbst weiß, dass die Reaktion zu langsam, der Schlag falsch platziert, der Kick verkehrt war.

Als Kind habe ich viele Sportkurse begonnen, doch ich bin immer sehr schnell wieder ausgetreten, weil dort stets Zickenalarm und Mobbing an der Tagesordnung war.

Das ist beim Kickboxen anders. Vielleicht liegt es daran, dass der Großteil der Trainierenden aus Männern besteht. Vielleicht ist es aber auch der Sport, der allen jegliche Art von Fairness abverlangt.

Vielleicht liegt es auch nur an dieser Gruppe?

Mit Kickboxen gehe ich an meine Grenzen, körperlich, jedoch mehr psychisch. Und genau darum mache ich es.

Ich mag keine nackten Füße (außer Babyfüße), ich hasse es anderen Menschen die Hände zu schütteln, denn ich weiß nie, wo sie vorher ihre Hände gehabt haben. Ich finde Schweißgeruch nicht anziehend, ich halte Boxen für gewalttätig. Ich war immer ein Einzelkämpfer.

Doch ich habe festgestellt, dass Schatten für mich nicht groß genug sein können, als dass ich sie nicht überspringen könnte.

Das Laufen mit den nackten Füßen genieße ich nun und die der anderen stören mich nicht. Ich freue mich, schwitzen zu können und akzeptiere den Geruch – meinen, so wie den der anderen – denn eine Dusche wartet auf mich. Das Händeschütteln, das bei uns beiden Neueinsteigern erst nach dem vierten Mal Training praktiziert wurde, gibt nun ein Gefühl von »Ihr gehört dazu!«

Ich kämpfe immer noch für mich alleine, mit meinem Partner. Das ist schön. Ich habe festgestellt, gestern, dass Kickboxen zwar Boxen sein kann, aber es wird auf entsprechenden Körperschutz wert gelegt. Und ich weiß – etwas, was mir von vornherein klar gewesen ist –, dass ich auf Semikontakt hin arbeiten werde. Meine Technik ist noch weit davon entfernt gut zu sein, meine Reaktion ist viel zu langsam.

Aber das macht nichts, denn es lacht dort keiner.

Und das Beste an Allem? Die Kraft und die Erkenntnis, die ich daraus für den Alltag und vor allem fürs Schreiben und den Literaturbetrieb ziehe.
Und weil ich wissbegierig bin, werde ich auch bei Karate und Taekwon-Do reinschnuppern, um festzustellen, ob der Schweiß dort genau so riecht!

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