Gelesen: »Todeszeit« von Dean Koontz

koontz_todeszeit-189x300Auf dem 445 Seiten Taschenbuch klebt ein Aufkleber mit dem Hinweis: Bahn und Buch, Mit Lesezeichen und großem Gewinnspiel, Heyne < DB Bahn.

Ein Lesezeichen. Fein, denke ich und hoffe – als Bibliophile – auf ein kleines Schmankerl. Leider wurde ich enttäuscht. .

Es ist zusammengeklappt. Innen befindet sich Werbung zu den ICE-Bestsellern (dabei wurden doch erst kürzlich 70 ICEs von den Schienen genommen) und das besagte Gewinnspiel. Und auf der Rückseite steht ein bisschen Bahn-Werbung.

Gewinnspiel? Ja! Lesezeichen? Nur bedingt. Ich habe es zwar als dieses verwendet, aber schön isses nicht.

lesezeichen-todeszeitAuch  das Cover ist wieder – wie die letzten deutschen Dean Koontz-Ausgaben – mit einem Insekt verziert (oder verunstaltet). Da in dem Buch symbolisch ein Insekt verwendet wird, hätte man dieses vielleicht als Bezug zum Roman nehmen können.

Aber gehen wir zum Inhalt über:

Der erste Teil stellt die Frage:

Was würdest du aus Liebe tun?

Eine Frage, die vermutlich jeder anders beantworten würde. Aus Liebe kannst du verzichten, gehen lassen, hassen, verzweifeln, kämpfen, stehlen, lügen. Und töten.

Mitch ist Gärtner aus Berufung und arbeitet für die Reichen. Und während er feststellt, dass er sich zwar in den Straßen, in denen er arbeitet, kein Haus leisten kann, aber ein sehr glückliches Leben führt, erhält er einen Anruf von seiner Frau, die ihm nicht mehr sagen kann, als dass sie ihn liebt. Dann wird sie vom Telefon weggerissen und – so wie es sich anhört – geschlagen. Die Forderung der Entführer: 2 Millionen Dollar.

Und obwohl Mitch beteuert, er sei nur Gärtner und einer der Männer meint, er wisse das, bestehen sie auf das Lösegeld und natürlich keine Polizei, ansonsten stirbt Holly.

Um ihre Drohung zu unterstreichen erschießen sie einen Spaziergänger, der nur ein Stück weit mit seinem Hund entfernt, ging.

Mitch ruft die Polizei, denn ihm ist klar, dass er nicht einfach verschwinden kann, wenn vor ihm eine Leiche liegt. Jeder in der Straße würde ihn wieder erkennen. Doch er merkt, dass die Polizei in ihm mehr als einen Zeugen sieht und der hartnäckige Lieutenant Taggert heftet sich an seine Fersen. Oder ist er ein Komplize der Männer, die Holly entführt haben und die von ihm schier Unmögliches verlangen? Mitch erwähnt nichts von der Entführung, hält sich an die Regeln. Schnell stellt er fest, dass er beobachtet und abgehört wird und das man ihm – sollte er einen Fehler machen – den Mord an seiner Frau in die Schuhe schieben will. Er hat es mit Profis zu tun, doch wieso haben sie sich ausgerechnet ihn ausgesucht?

Für Mitch beginnt ein Kampf gegen sich selbst, gegen die Zeit und gegen Gegner, die er aus dieser „Ecke“ nicht erwartet hätte. Und er beantwortet die Frage: »Was würdest du aus Liebe tun?«, nicht mit einem Wort, sondern mit sich stets steigernden Taten. So wird aus dem ruhigen Gärtner, der glücklich verheiratet ist und gerne mit Holly eine Familie gründen möchte, ein gerissener Killer, der auch nicht davor zurückschreckt die Polizei zu Fall zu bringen.

Doch wird die Liebe reichen, die er für Holly empfindet, um sie zu befreien? Denn längst hat er nicht nur die Entführer gegen sich aufgebracht, auch der misstrauische Taggert scheint das kleinste Problem zu sein …

Wendungen und Action gibt es in »Todeszeit« genauso viele wie akribische Beschreibungen, wie Mitch von A nach B kommt. Während jedoch die unvorhersehbare Handlung und die Spannung das Buch tragen, wirken sich die ausufernden Schilderungen, die aus Mitchs Sicht und Gedanken entstehen, eher negativ auf die Geschichte aus. Man möchte rufen: »Das interessiert doch nicht, mach weiter ….«

Aber Koontz lässt den Leser an jedem Griff, jeden Schritt, jeden Gedanken teilhaben. Es wird unendlich viel gedacht, nachgedacht, philosophiert, überlegt, beschrieben, manchmal wiederholt. Und selbst der Zufall als dieser beschrieben.

Wenn er zu Holly wechselt, dann wechselt er auch von Vergangenheit in Gegenwart, was zunächst ein bisschen befremdlich wirkt. Warum macht er das? Koontz ist ein routinierter Autor, er wird sich etwas dabei gedacht haben.

Mit »Todeszeit« geht Dean Koontz einmal mehr von seinen phantastischen Roman zum Thriller über – ein Katz- und Mausspiel mit einer Maus die zum Löwen wird.

Fazit: Spannend!

Erster Satz: «Bereits im Augenblick seiner Geburt fängt der Mensch an zu sterben.«

Der Anhang bietet eine Leseprobe von Dean Koontz nächsten Roman »Schattennacht«, dem dritten Band zu Odd Thomas, der bereits im November 2008 als Hardcover erscheint.

.

Dean Koontz
Todeszeit
(Originaltitel: »Husband«)
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Heyne Verlag, Oktober 2008
Taschenbuch
445 Seiten
ISBN 9783453265523
8,95 €

.

Webtipps:

© Text: Nicole Rensmann
© Cover: Heyne Verlag

Diese Rezension steht auch auf www.schreib-lust.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.