Kein Erfolg mit dem Debüt? Dauerhaft erfolglos!

Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einem Schriftsteller, der – so wie ich – in kleineren Verlagen veröffentlicht, jedoch in einem gänzlich anderen Genre. Natürlich wünschen wir uns eines Tages in einem Publikumsverlag unterzukommen oder noch erfolgreicher zu sein, wo auch immer.

Wir sprachen über Verlage, Lektoren und Agenten, vermischten unsere Erfahrungen und kamen letztendlich, auch weil genau nachfolgende Aussage von Lektoratsseite getroffen wurde, zu einem ernüchternden Schluss:

Wenn das Debüt nicht erfolgreich war, hast du keine Chance mehr auf dem Markt und giltst als gebranntes Kind. Die Verlage lassen dann lieber die Finger vom Autor, lesen meist gar nicht mehr die Manuskripte, auch wenn es noch so gut sein möge.

Und dabei ist es gleichgültig, ob das Manuskript vom Autor selbst oder über einen Agenten eingereicht wurde.

Ist das wirklich wahr?

Demnach hätte alles kämpfen keinen Sinn. Was nützen Schreibworkshops, Bücher über das Schreiben, Schreibtipps und Wettbewerbe, wenn ein Autor, dessen Debüt nicht auf den Bestsellerlisten landete, keine Chancen mehr eingeräumt bekommt?

Die einzige Möglichkeit, die bliebe, wäre ein Pseudonym.

Aber es gibt Schriftsteller und Schriftstellerinnen, deren Debüt erst erfolgreich wurde, nachdem das zweite Buch wie eine Bombe einschlug. Spontan fällt mir Frank Schätzing ein.

Weitere positive Beispiele werden herzlich in der Kommentarfunktion begrüßt. Widerlegen wir obige Erkenntnis mit Tatsachen!

Ich bin mir sicher, dass es auch anders geht!

 

18 Kommentare:

  1. Hallo allesamt,
    interessant an der Diskussion ist für mich, dass niemand der Tatsache, dass einem Debüt(roman) bei einem Publikumsverlag definitiv eine Anerkennung des Skripts vorausgegangen ist, eine Bedeutung beizumessen scheint. Eindeutig ein Tatbestand, den es erst einmal zu erreichen gilt.
    Ja und dann: ich glaube nicht, dass ein neuer Autor einen Vorschuss bekommt, die Argumentation Verlag hat Autor bezahlt, Buch läuft mies, zieht meiner Meinung nach deshalb nicht. Auch das Wort Bestseller in dieser Diskussion ist eigentlich fehl am Platze.
    Also, angenommen ich bin Schriftsteller, habe ein Skript, dass ich so gut vorbereitet habe, wie ich kann. Dann schicke ich das ab, und einer der ein Dutzend Publikumsverlage sagt, da machen wir ein Buch draus. Dann ist es deren Entscheidung, die sie auch ordentlich bewerben werden. Ich kann mir nicht ernsthaft denken, das man als Autor, erstmal so weit gekommen, wirklich keine Chance mehr hat. Weil die Verlage ja auch meistens nach mehr von einem verlangen, das sie dann auch in die Bewertung der Qualitäten einfließen lassen können.
    Der Flop, der angesprochene, wird meiner Ansicht nach eher aus anderen Ecken kommen, wie Selbstverlag, schlechtlaufender Kleinverlag oder gar Zuschüsser. Und bei der Beurteilung von Erfolg sind die Verlage sicher alle Profis. Da ist wie schon angesprochen, die Kritik wichtiger.
    Alles in allem, es läuft für einen kommerziellen Erfolg darauf hinaus, dass man die Lesegewohnheiten von Vielen trifft, oder zumindest die eines Lektors, der glaubt, das zu erkennen.
    Danke für Eure Aufmerksamkeit.
    Harald

  2. Die wichtigsten Punkte sind ja schon genannt worden:
    – Erfolg ist nicht zwingend ein Bestseller, sondern der Verlag will vor allem mal nichts drauflegen. Solange ein Buch also den Vorschuss einspielt, sollte man sich da keine Sorgen machen (denn der Verlag verdient dann auf jeden Fall an dem Buch).
    – Ein Debut im Kleinverlag dient den Publikumsverlagen vor allem mal als Beleg, ob ein Autor überhaupt einen Roman schreiben kann, der Mißerfolg dort ist komplett uninteressant.
    – Wer natürlich (aus welchen Gründen auch immer) fünfstellige Vorschüsse bekommt und dann nur vier- oder gar dreistellig verkauft, der ist schon eher in Gefahr von einem Verlag gemieden zu werden.
    Beste Grüße und Kopf hoch, Ole

  3. Danke, Kevin.

    Und Dirk hat sicherlich nicht Unrecht.

  4. Natürlich gerne. Hätte ich auch selbst daran denken können. 🙂

    Dort
    http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=5&t=4206

    und dort
    http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php?showtopic=8042&hl=

    Diboo hat sogar schon darauf geantwortet

    Gruß

  5. Also, wenn Verlage nur noch Autoren veröffentlichen würden, die mit ihrem Erstling ordentlich Erfolg hatten, wären die Verlagsprogramme verdammt dünn.

    Liebe Grüße
    Brigitte

  6. Vielleicht kannst du den Link dazu hier noch posten? Danke.

  7. Hab ich gerade getan.
    Danke!

  8. @Kevin – Kannst du gerne machen, mit entsprechendem Hinweis.

    @Corina – Vernetzt sind sie nicht, aber Lektoren wechseln von einem Verlag zu einem anderen und nehmen auch Erfahrungen mit den Autoren mit. DAS darf man nicht unterschätzen.

    Und wie du schon schreibst: Ein Neuanfang unter Pseudonym ist ja machbar, aber das würde ja genau dem entsprechen, was ich eingangs erzählt habe.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es da sehr massive Unterschiede bei den Verlagen, im Genre und natürlich bei jedem einzelnen Lektor gibt.

  9. Ich habe leider zu wenig Ahnung, um mir ein Urteil erlauben zu können.

    Vielleicht solltest Du diesen Betrag zur Diskussion bei SF-Fan oder http://www.scifinet.org ins Forum stellen. Mich würde dort die Meinung einiger Leute interessieren. Ich würde es selbst reinstellen, möchte Dir aber nicht vorgreifen.

    Gruß

  10. Keine gute Richtung, wenn man motiviert bleiben will. Das würde absolute Hoffnungslosigkeit nach einem schlechten Erstling bedeuten und so ist es nicht.
    Ich kenne Verlagshäuser, und die sehen es schon als Erfolg an, wenn man den Vorschuss rausholt und Plus macht. Das Programm besteht nicht nur aus Spitzentiteln, auch Bücher, für die weniger die Werbetrommel gerührt wird, tauchen auf und Autoren, die nie eine Bestsellerliste gesehen haben, kehren wieder.
    Außerdem gibt es auch Verlage, die einen als gut befundenen und vielleicht nicht so erfolgreichen Autoren unter Pseudonym „recyclen“. Es gibt besonders im historischen Bereich Bespiele, aber von denen ich weiß, dass sie früher einmal mit einem Namen erfolglos waren und mit dem Pseudonym durchstarten. Sarah Lark wäre eines davon.
    Einen dicken Vorschuss nicht mal ansatzweise rausholen zu können, ist natürlich ein Flop und der Agent muss sich für den Autoren eine gute Strategie zurechtlegen. Außerdem sind Verlage untereinander (wenn sie nicht zur gleichen Gruppe gehören) nicht so vernetzt, wie man vielleicht glauben mag. 😉

  11. Hallo Corina, ich sehe das so wie du und so wie alle anderen hier, denn das klingt logisch. Aber die Stimmen aus manchen Verlagshäusern (sicherlich nicht aus jedem) klingen anders. Ansonsten wäre ich – wären wir – überhaupt gar nicht auf die Idee gekommen, in diese Richtung zu denken.

    Aber es ist interessant zu lesen, dass wir Autoren alle gleich darüber denken. Wichtig wäre: Was sagen diejenigen, die Entscheidungskraft haben?

  12. Die Autoren, die mit ihrem Debüt wirklich zum Bestseller wurden, kann man an einen oder zwei Händen abzählen.
    Ich denke, dass ein Autor nur dann als gebranntes Kind gilt, wenn er die Erwartungen des Verlages nicht erfüllt hat. Hat ein Verlag einen sehr hohen Vorschuss gezahlt und der Spitzentitel floppt trotz viel Werbung, wird man von dem Autoren die Finger lassen, weil er dem Verlag geschadet hat.
    Bei kleinen Titeln, die nur einen geringen Vorschuss bekommen und diesen in kurzer Zeit wieder eingefahren bzw. Plus gemacht hat, wird man den Autoren auch weiterhin beschäftigen und weitere Bücher veröffentlichen. Natürlich nicht als Spitzentitel, aber den kann er sich mit wachsender Bekanntheit erwerben.
    Also liebe Autoren, lasst euch nicht ins Bockshorn jagen. Just my 2 cents.

  13. Klaus-Peter Hünnerscheidt

    Wenn ich das so lese, lasse ich mir mit meinem Debüt wohl noch etwas Zeit. Natürlich drängt etwas in mir, so bald wie möglich präsent zu werden, aber offensichtlich kommt es durchaus auf einen ersten guten Wurf an.
    Das bedeutet für mich: Text nochmal durchackern, Gegenlesen lassen, Grammatik-Wälzer wälzen, Wörter im Duden nachgucken, Korrektur lesen, im Gegensatz zu Herrn Triebel korrekte Groß- und Kleinschreibung beachten, Freunde lesen lassen und deren konstruktive (und nur die) Kritik einarbeiten und selber nochmal durchlesen (am besten laut von wem anders vorlesen lassen wie im Boom-Blog mal vorgeschlagen) …
    … möglichst ein paar Unikate selber drucken und binden … 🙁
    … und dann ein Exemplar an Wolfgang Hohlbein schicken …
    … und damit der das auch liest, zwischen jedes Blatt einen 5er legen, oder besser einen 10er (macht bei 125 Blatt à 5,-/10,- EUR dann 750,-/1500,- EUR, die sich dann aber bei dessen nächster Preisverleihung, ähem, amortisieren werden … ;-))

  14. Was heißt: nicht erfolgreich?
    Wer definiert die absolute Verkaufszahl, ab der ein Buch erfolgreich ist?

    Ein Buch aus einem Kleinverlag kann aus verschiedenen Gründen (die u.a. in den Regeln des Marktes liegen) nicht mit einem Publikumsverlagsbuch mithalten. Kleinverlage haben nicht die finanziellen Mittel, um Bestseller zu pushen – das sagt aber noch gar nichts über die Qualität des Inhalts aus.

    Da die meisten Autoren in irgendeiner Weise im Web präsent sind, kann man sich schnell auch einen ersten Eindruck verschaffen. Wie tritt die Person auf? Seriös, oder hat die Seite/der Blog/die Forenbeiträge viele Schreib- und stylistische Fehler? Wenn man Letzteres bejahen kann, liegt darin vielleicht auch die Begründund der geringen Verkaufszahlen. Andernfalls lohnt es sich vielleicht doch, sich noch einmal mit dem Autor zu beschäftigen – und auch mit dem Verlag, bei dem der vermeintliche Flop gelandet wurde.

    Ich wüsste eure These jedenfalls gern widerlegt – aber Zahlen hab ich keine …

    Viele Grüße,
    Frau Melle

  15. Nichts anderes habe ich verstanden, Claas! :-))

  16. alle nasen lang versuchen irgendwelche leute einem einzureden, unter welchen bedingungen man erfolglos ist. mich erinnert das an die typen, die in der schule immer aufgeregt im gang rumgelaufen sind und prophezeit haben „heute schreiben wir eine ex! heute schreiben wir eine ex!“ oder in der uni immer im voraus gehört haben „dieses mal kommt ganz was anderes dran als letztes semester“ und die nach der schulaufgabe oder klausur dann geheult haben und behaupteten, sie hätten alles falsch gemacht uswusf.
    ich habe mir seit langem angewöhnt dem keine beachtung mehr zu schenken.
    ich höre folgendes: ein flop sollte das debüt nicht sein. und ob etwas ein flop ist bemisst sich vor allem im abgleich zwischen aufwand und ertrag. bei einem kleinen verlag kann auch eine geringe verkaufszahl ein erfolg sein, die in einem großen verlag einen flop bedeuten würde etc.
    und wenn es sich nicht um einen faustdicken flop handelt, wird alles weitere ohnehin über kontakte entschieden und nicht anhand eines anonym eingesandten manuskripts.
    meinen kommentar möchte ich deshalb als widerlegung verstanden wissen 😉

  17. Richtig, denn ohne Kampf kein Gewinn oder zumindest kein Gefühl gewonnen zu haben! Und auch das zählt!

  18. ausprobieren konnte ich es bisher mit Büchern noch nicht.
    Aber eines ist klar. Wer nicht antritt, hat schon kampflos verloren…

    Wirtschaftlicher Erfolg ist dabei nicht mal das Primärkriterium. eingedenk Büchner, Kafka etc.

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