Gelesen: »Drachenglut« von Jonathan Stroud

Cover: Drachenglut

Cover: Drachenglut

Als Jonathan Strouds Trilogie »Bartimäus« für begeisterte Schlagzeilen von Lesern und Kritiken sorgte, verschmähte ich die Bände. Ich hatte keine Lust auf Fantasy und alles, was zu viel Hype auslöst, löst bei mir erst einmal Skepsis aus.

Doch dann empfahl mir Brigitte Melzer »Spur ins Schattenland« und ich war von diesem Roman, Jonathan Strouds zweites Werk, begeistert. Darum las ich seinen aktuellen Roman »Valley«, der mir ebenfalls sehr gut gefiel. Und so wollte ich mehr von Jonathan Stroud lesen. »Die Eisfestung«, die der Autor parallel zum ersten »Bartimäus«- Band geschrieben hat, fand ich Mittelmaß. Trotzdem wagte ich mich an sein Debüt »Drachenglut« und fühlte mich bestätigt in der Annahme, dass manche Romane erfolgreicher Autoren erst dann – und nur deshalb – veröffentlicht werden, weil sie erfolgreich sind.

»Drachenglut« ist kein schlechter Roman, er hat Potenzial, aber es fehlt der Geschichte an Reife, obwohl Jonathan Stroud sehr viel Zeit darin investiert hat, wie er in einem Interview erzählt: »Für den ersten Entwurf habe ich etwa sechs Monate gebraucht. Zwei Jahre später habe ich noch einmal intensiv daran gearbeitet und ihn umgeschrieben – das hat noch ein paar Monate gedauert. Zwischen den ersten Anfängen und dem Erscheinen des Buchs lagen etwa vier Jahre.« Die Arbeit merkt man dem Roman durchaus an, dennoch ist es eine nicht ganz zusammenhängende Geschichte mit zu viel Handlung, oftmals fehlenden Bezügen und kleineren stilistischen Patzern.

»Drachenglut« spielt in einem kleinen Dort und handelt von einer alten Sage und einem mächtigen, schlafenden Drachen, ein altes Kreuz, das bei Ausgrabungen hinter der Kirche entdeckt wird und viele Rätsel aufwirft. Es geht um Magie und Macht, vier besondere Gaben, die jeder nur dann erlangt, wenn er auf dem Berg, dort wo der Drache schläft, gewesen ist. Hexenverbrennung,Religion, Bruderschaft, Abhängigkeit und den üblichen Kampf Gut gegen Böse finden sich ebenfalls in »Drachenblut« als Thema wieder.

Der Prolog ist beinahe poetisch und klingt vielversprechend, leider bleibt es nicht dabei. Die Charaktere sind nicht stimmig, wirken teilweise oberflächlich, die Dialoge sind gestelzt. Die Handlung scheint noch nicht ausgereift, so gibt es stilistische Patzer oder Hinweise auf Textstellen, die nicht vorhanden sind. Ein Stilmittel vielleicht, das bei mir jedoch dazu führte, immer wieder ein paar Seiten vorzublättern, um mich zu vergewissern, ob ich den entsprechenden Hinweis überlesen habe. Die Spannungsmomente sind etwas holprig geschrieben und machen deutlich, dass es sich hier um ein Erstlingswerk handelt.

»Drachenglut« ist das Debüt eines heute, verdientermaßen, erfolgreichen Autors und zeigt, das sich auch Schriftsteller weiterentwickeln. Eine Geschichte mit zahlreichen Elementen, die nicht nur in der Fantasy, sondern auch im Horrorgenre angesiedelt sind, die jedoch einige Schwächen aufweist.

Nun werde ich mich an die »Bartimäus«-Trilogie begeben und hoffe, dass ich hier wieder so begeistert bin, wie das bei »Spur ins Schattenland« und »Valley« der Fall war.

Erster Satz: »Zusammengerollt und verborgen von Winternebeln und Sommersonne, liegt in einer Höhle unter dem Hügelgrab des alten Königs ein Drache.«

Jonathan Stroud
Drachenglut
(Originaltitel: Buried Fire, 1999)
Übersetzung: Nina Schindler
Boje Verlag, 2007
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 9783414820273
314 Seiten
15,95 €

Der Roman ist auch als Taschenbuch und Audio-CD erhältlich.

 

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