Im Gespräch mit David Grashoff zu “Disturbania”

In der 31. phantastisch!-Ausgabe stellte ich die Anthologie „Disturbania“ vor. Der Herausgeber David Grashoff beantwortete zudem einige Fragen:

»Autoren wollen auch gelesen werden.«

Im Gespräch mit David Grashoff von Nicole Rensmann

DISTURBANIA – Was wie der Titel einer TV-Serie klingt, ist eine Urban-Fantasy-Anthologie, in der sich – neben etablierten, auch „kleinere“ Autorengrößen der phantastischen Szene vereint haben. Der 1973 in Wuppertal geborene David Grashoff fungiert hier als Herausgeber dieser Geschichtensammlung, die seit April dieses Jahres erhältlich ist.

Es waren nicht die Autoren, die Verleger Guido Latz dazu bewogen, dieses Projekt zu unterstützen, denn diese standen zu Beginn noch nicht einmal fest.
»Es war das Konzept. Vielleicht auch dann in Verbindung mit dem ersten Cover-Entwurf von Manfred Fischer« , erklärt er. »Da war dann wie immer die Frage: Würde _mich_ als Leser _, wenn sie auf einem Con vor mir auf dem Tisch liegen würde, interessieren, würde ich sie eines Blickes würdigen? Oder ist das der gleiche Käse wie all die anderen Anthos, die landauf, landab erscheinen? Ich würde das Buch in die Hand nehmen, es hörte sich für mich nicht nach den üblichen Anthos an, für die krampfhaft Autoren gesucht werden, die dann irgendwas einreichen, bloß um endlich die erste Story veröffentlicht zu haben. Dass dann _diese_ Autorenliste dabei heraus kam. Nun.«

Cover: DisturbaniaUnd die kann sich durchaus sehen lassen: Christoph Marzi, Christoph Hardebusch, Markus K. Korb, Tobias Bachmann, Daniel Mayer, Torsten Sträter, Fabian Mauruschat, Marcus Richter, André Wiesler, Oliver Plaschka, Christian Endres, Tobias Bachmann, Nina Horvath, Torsten Scheib, Aino Laos, Andreas Melhorn, Michael Schmidt.

Und David Grashoff selbst, den – wie er sagt – ständig Zweifel an diesem Projekt hegten.

»Ich gehöre zu den Leuten, die bei jedem Projekt das Gefühl haben, dass ihnen alles über den Kopf hinaus wächst. Inzwischen habe ich gelernt, damit umzugehen und nutze diese Momente des Zweifelns sogar um mich zu motivieren, um mir selber zu beweisen, dass ich das trotz aller Bedenken schaffe.«

»Disturbania« ist lieferbar, aber Anthologien stehen in der Kritik, nur von den darin enthaltenen Autoren gekauft zu werden. Wie bist Du, David, auf die Idee gekommen, »Disturbania« aus der Taufe zu heben?

Autoren wollen nicht nur veröffentlichen, sie wollen auch gelesen werden. Um jungen, unbekannten Schreiberlingen (wie ich selbst einer bin) das zu ermöglichen, musste ich einen anderen Weg einschlagen, als die meisten Anthologie-Verlage. So kam die Idee, eine Phantastik-Anthologie zu schaffen, in der sowohl gestandene als auch unbekannte Autoren zu finden sind. Durch die bekannten Namen spricht man einen Kundenkreis an, den man nur mit unbekannten Autoren niemals hätte erreichen können.

War der Atlantis Verlag Deine erste Wahl?

Allerdings. Ich kannte den Verlagsleiter Guido Latz, weil ich für die ersten beiden Ausgaben der Phase X geschrieben habe (ein Phantastik Magazin des Atlantis-Verlags). Ausschlaggebend war die Tatsache, dass das Thema von »Disturbania« gut zum Programm des Verlags passt und natürlich auch, dass Guido interessiert war. Ich habe diese Entscheidung zu keinem Zeitpunkt bereut, weil die Zusammenarbeit mit Guido sehr gut funktioniert hat und er mich – immerhin ein Neuling auf diesem Gebiet – nach besten Kräften unterstützt hat. Mein Dank geht auch an die Autoren, die Lektoren und unseren Grafiker, die durch ihre engagierte Mitarbeit »Disturbania« zu einem klasse Buch gemacht haben.

Waren alle Autoren, die Du gefragt hast, sofort Feuer und Flamme oder gab es auch Ablehnung, Skepsis und sogar Absagen?

Die meisten Autoren waren erstaunlicherweise recht schnell für das Projekt zu begeistern. Natürlich gab es auch einige Absagen, aber auf Ablehnung bin ich nicht gestoßen. Andreas Eschbach, den ich in einem wahnwitzigen Anfall von Optimismus angefragt habe, hat sehr nett und mit Hinweis auf eine eigene, bald erscheinende Kurzgeschichten-Sammlung abgesagt.

Auffallend bei der Autorenliste ist es, dass sich kaum Frauen darunter befinden. Glaubst Du, dass Männer die besseren Phantastik-Autoren sind?

Ich glaube nicht, dass man die Qualität eines Autors an seinem Geschlecht festmachen kann. In »Disturbania« sind mit Aino Laos und Nina Horvath zwei sehr talentierte Autorinnen dabei, die sich vor keinem ihrer männlichen Kollegen verstecken müssen. Mit Aino Laos findet sich auch das Ausland vertreten.

In einem Interview erzählt Christoph Marzi, dass er eine Geschichte von Aino Laos übersetzt und sie auch zusammenarbeiten. Der Kontakt ist, nehme ich an, über Christoph Marzi entstanden?

Christoph war es, der mir Aino Laos empfohlen hat und wer bin ich, dass ich nicht auf den Rat eines Herrn Marzi höre. Wenig später hatte ich die englische Version von »Tranquil Gardens« in meinem virtuellen Briefkasten. Die Geschichte gefiel mir und ich wollte sie für die Anthologie haben. Christoph hat sich dann der Übersetzung angenommen. Dank Aino ist »Disturbania« zu einem Hauch internationalen Flairs gekommen.

Planst Du weitere Anthologien dieser Art?

Die Arbeit an hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe auch schon ein paar Ideen für weitere Anthologien. Bevor ich etwas in diese Richtung plane, möchte ich erst einmal schauen, ob und wie »Disturbania« von den Lesern aufgenommen wird.

Wie sieht es mit Deinem eigenen Projekt aus: Du wolltest 2008 einen Roman schreiben?

Durch die Anthologie hat sich mein eigenes Roman-Projekt ein wenig nach hinten verschoben. Ich bin zuversichtlich, dass ich es bald schaffe, die Idee, die mir seit Monaten im Kopf herumschwirrt, in ein Exposé und eine Leseprobe zu bannen. Dann beginnt der schwere Weg der Verlagssuche. Immerhin kann ich dabei auf das Können und die Erfahrung der Literaturagentur Schmidt & Abrahams zurückgreifen, bei der ich seit einiger Zeit unter Vertrag stehe.

Diverse
DISTURBANIA
Anthologie
Atlantis-Verlag, April 2008
Paperback, 220 Seiten
Titelbild: Manfred Fischer
ISBN 978-3-936742-46-6
12,90 €

Die Reihenfolge der Autoren mit ihren Geschichten im Buch:

Markus K. Korb – Das neugierige Herz
Daniel Mayer – Samstag
Torsten Sträter – Sportsfreund
Fabian Mauruschat – Sendersuchlauf
Christoph Marzi – Die träumende Stadt
Marcus Richter – Menschenmüll
André Wiesler – Hand drauf!
David Grashoff – Seelenlos
Oliver Plaschka – Solets Stimme
Christian Endres – Feuerteufel
Tobias Bachmann – Hybris
Nina Horvath – Zukunftsauge
Christoph Hardebusch – Zeitenwechsel
Torsten Scheib – Gute Ansätze
Aino Laos – Tranquil Gardens
Andreas Melhorn – Ansichtssache
Michael Schmidt – Oststadt-Silbermond

Webtipps:

 

© Nicole Rensmann / phantastisch!

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