Interview Uschi Zietsch, Juli/2008

Cover: phantastisch! 31Das Interview mit Uschi Zietsch erschien in phantastisch! 31 im Juli 2008.

»Zu wenig Arbeit werde ich in der nächsten Zeit bestimmt nicht haben.«

Interview mit Uschi Zietsch von Nicole Rensmann

Das Faible für die Natur wurde ihr zur Geburt am 03. August 1961 geschenkt, denn Uschi Zietsch wuchs am Stadtrand von München auf, mitten im Wald.

Heute lebt sie auf einem alten Bauernhof im Unterallgäu, in einem 150-Einwohner-Dorf mit ihrem Mann Gerald, zwei Pferden, zwei Hunden, zwei Katzen, einem Leguan und Fischen. Doch auch menschliche Gesellschaft hat sie oft, denn sie vermietet nicht nur an Urlauber, sie lässt auch schon mal die Besucher ihres RanchCons auf dem Dachboden übernachten. Uschi Zietsch, auch bekannt unter ihrem Pseudonym Susan Schwartz, erzählte schon mit drei Jahren Geschichten und mit elf schrieb sie ihren ersten Roman, der aber nie veröffentlicht wurde.

1986 erschien ihr erster Roman im Heyne Verlag unter der Redaktion von Wolfgang Jeschke: »Sternwolke und Eiszauber«. Doch trotz guter Kritiken wurde das Programm für deutsche Autoren gekürzt, weitere Bücher sollten also nicht mehr im Heyne Verlag publiziert werden und Uschi Zietsch gründete kurzerhand einen eigenen Verlag. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann Gerald Jambor und so wurde 1988 der Fabylon Verlag geboren.

Neben ihren eigenen Werken produziert sie dort Anthologien, Romane von Fremdautoren und rief Ende 2006 die Serie »Sunquest« ins Leben, an der Ernst Vlcek, Markus Wittmann, Stefanie Rafflenbeul, Jana Paradigi, Roman Schleifer, Wolfgang Oberleithner, Michael H. Buchholz, Andreas Adamus, Rüdiger Schäfer, Robert Straumann, Volker Ferkau, Kurt Neubauer, Michael Markus Thurner, Uwe Anton, Stefan Lechner und sie selbst mitschreiben.

1991 knüpfte sie zunächst weitere Kontakte und schrieb zwei Bände für »Das schwarze Auge« und 64 Hefte für »Perry Rhodan«. Fortan kann sie sich vor Arbeit kaum retten und wagte 1996 den Schritt, als freiberufliche Autorin zu arbeiten. Sie schrieb bei weiteren Serien mit wie »Bad Earth«, » Maddrax«, »Ren Dhark«, »Raumschiff Promet«, »Coco Zamis«, »Das Volk der Nacht«. Außerdem arbeitete sie fürs Fernsehen, verfasste TV-Romane für Serien wie z. B. »Hinter Gittern«, »GZSZ« oder »Verbotene Liebe«, außerdem Kurzgeschichten für Zeitungen und Anthologien und konzipierte auch die Kinderreihe »Tiere – Freunde fürs Leben«, die im Dino-Verlag veröffentlicht wurde.

Sie hat nicht nur mit Verlagen wie Blitz, Zaubermond, Dino, VPM, Bastei, Knaur, Ullstein, Heyne und Panini zusammengearbeitet, sondern auch mit zahlreichen Autoren und verfügt somit über einen großen Erfahrungsschatz, den sie in ihren Schreibkursen vermittelt.

2003 schied sie aus dem Perry Rhodan – Team aus. Vom Schreiben verabschiedete sie sich damit aber nicht. Drei Jahre später startete sie voll durch.

So verfasste sie die Trilogie »Shaikan Zyklus«, die bei Panini Books erschien. Der erste Band »Mondflüsterer« kam im April 2006 in den Buchhandel, »Erben der Finsternis« folgte im Dezember des gleichen Jahres und im Frühjahr 2007 schloss sie die Serie mit »Sturm auf Shaikur« ab.

In diesem Jahr erscheinen alle drei Teile von »Die Chroniken von Waldsee« von April bis September 2008 im Abstand von je drei Monaten beim Bastei Verlag. Außerdem ist seit Juni der erste Band des Vierteilers »Elfenzeit – Der Hauch der Anderswelt« beim Bertelsmann Verlag erhältlich.

Dass diese derart ausgezeichnet werden wie »Der Traum der Wintersonne«, der 1989 den Kurd-Lasswitz-Preis erhielt, oder »Der künftige Mord«, 2005 mit dem Preis des Filmmuseums Berlin gekürt, davon sind Uschi Zietschs Fans überzeugt.

Es ist über zwanzig Jahre her, dass Dein erster Roman erschien. Damals hattest Du gehofft, es würde ein weiterer Roman bei Heyne veröffentlicht werden. Doch für deutsche Autoren war kein Platz mehr, und so hast Du mit Deinem Mann zusammen Fabylon gegründet. Hattest Du zuvor für Deinen damals aktuellen Roman noch bei anderen Verlagen angeklopft oder kam dies nicht für Dich infrage?

Ich habe keine anderen Verlage angefragt. Zunächst war das Manuskript nach einer euphorischen Lektoratsbesprechung bei Heyne sozusagen schon angenommen. Als dann überraschend wegen Programmkürzung das Aus kam, wollte ich mich nicht wieder auf das ewige Warten einlassen, ob das Manuskript einen anderen Verlag findet. Die Situation war damals bei allen Verlagen dieses Genres gleich – nach der Überflutung des Marktes mit größtenteils niveaulosen Buchlizenzen, vor allem im Bereich der Fantasy, wurden die Programme massiv gekürzt und der Focus verstärkt auf eingefahrene Serien gesetzt. Es war also kein guter Zeitpunkt, als nahezu unbekannter deutschsprachiger Autor auf weitere Veröffentlichung zu hoffen. Mein Mann und ich haben überlegt, wie es weitergehen soll, ob ich wieder die Klinkenputzerei anfangen will und möglicherweise Jahre auf eine weitere Veröffentlichung warten muss, oder ob ich nicht besser die beginnende Bekanntheit meines Namens ausnutzen sollte und auf Risiko einen eigenen Verlag starten. »Sternwolke und Eiszauber« hatte sich über 8.000 mal verkauft, und das ohne Werbung als Erstveröffentlichung – das war kein schlechter Start, den ich nicht verspielen wollte. Hinzu kam aber auch, dass ich mit weiteren Autoren im Programm einen Kontrapunkt zu den Lizenzmassen setzen wollte, um den Ruf deutscher Autoren zu verbessern und aufzuzeigen, dass auch im eigenen Lande gute Geschichten erzählt werden können. Und es reizte mich ungemein, schöne Bücher zu produzieren.

Dennoch warst Du bei unzähligen Verlagen vertreten. Deine Chronologie endet scheinbar 2003. Drei Jahre später startest Du richtig durch. Eigene Serien – Trilogien – bei Bastei, Panini und nun sogar ein Vierteiler beim Bertelsmann Verlag. Gab es tatsächlich eine Pause und wenn ja, hatte diese einen bestimmten Grund? Eine Art schöpferische Erholung vor dem großen Sturm?

Ich hatte keine Pause, denn Ende 2003/2004 war ich noch an der Atlan-Serie als Autorin und LKS-Redakteurin beteiligt, dann habe ich in den nächsten Jahren für Bastei geschrieben – Bad Earth, MADDRAX, auch Hardcover, ein TITAN-Abenteuer, Kurzgeschichten für Magazine, die SpellForce-Trilogie nahm ihren Anfang, ich war bei Schreibwerkstätten dabei, übernahm später die Leitung und zuletzt auch die Verantwortung als Veranstalter, und noch so einiges mehr. Lediglich von Mitte September bis Ende Oktober 2003 habe ich zum ersten und einzigen Mal seit mehr als 30 Jahren nicht eine einzige Zeile geschrieben. Ach ja, und 2006 wurde auch Fabylon mit zwei neuen Titeln reaktiviert, das Konzept für SunQuest wurde entwickelt, was vorher und im Folgenden viel Arbeit mit sich brachte.

Deutsche Autoren sind wieder gefragt. Das zeigen nicht nur Deine aktuellen Projekte, sondern auch die Verlagsprogramme. Wie erklärst Du Dir diese Welle? Siehst Du einen weiteren Aufwärtstrend oder geht diese Begeisterung an deutschen Autoren wieder zurück?

Na ja, »wieder« gefragt würde ich so nicht sagen. Was die Phantastik betrifft, sind überhaupt zum allerersten Mal deutschsprachige Autoren »gefragt«. In den 70er Jahren gab es die meisten Veröffentlichungschancen im Heftromanbereich, sei es bei Serien, oder bei z. B. TERRA ASTRA und dazu gehörenden Taschenbüchern. In den 80ern wurde zwar mit Star Wars, Conan und dem ersten Herrn der Ringe-Hype in den USA eine Fantasy-Welle ausgelöst, die auch zu uns herüberschwappte, aber den deutschsprachigen Autoren kaum bessere Chancen bot. Wolfgang Hohlbeins Durchbruch kam durch den Literaturpreis für »Märchenmond«. Der Ruf deutschsprachiger Autoren bei Verlegern und Lesern verbesserte sich jedoch nicht. Ich erlebte es selbst, als ich –zig Manuskripte hoffnungsvoller Jungautoren angeboten bekam. Ich fragte dazu z. B. auf Symposien oft: »Was lesen Sie?« und bekam stets die Antworten »keine deutschen Autoren«. Dazu sagte ich: »Und wieso erwarten Sie dann, gekauft zu werden?« Bizarr, oder? Alle wollten in Deutschland veröffentlicht werden, aber nichts von Deutschen lesen.

Ich habe nie übersetzt, sondern immer als Autorin mein Geld verdient, und arbeite seit über zehn Jahren freiberuflich. Es war eine äußerst harte Zeit, auch wenn ich teilweise supergute Auflagen mit bis zu 70.000 Stück erreichen konnte. Ein Trend, wie er jetzt entstand, war lange nicht absehbar.

Man kann viel darüber spekulieren, wodurch die Wende für deutsche Autoren kam. Ein Grund mag sein, dass die Verlage erkannt haben, dass Lizenzen unterm Strich doch teurer sind als Originalausgaben und anfingen, sich nach Talenten im eigenen Land umzusehen. Darüber freue ich mich jeden Tag, und ich hoffe natürlich wie jeder andere deutschsprachige Autor, dass dieser Trend noch lange anhält – aber eine Prognose stellen kann und will ich nicht. Das ist das Schöne am Buchgeschäft: Niemand weiß, wie sich der Markt entwickelt, und niemand weiß, wer der nächste Bestsellerautor wird. Das gibt jedem die Hoffnung auf die Chance, eines Tages den Durchbruch zu haben, nichts ist von vornherein aussichtslos.

Du hast früher hauptsächlich an Serien mitgearbeitet. Jetzt schreibst Du Deine eigenen Zyklen, nicht nur die aktuellen bereits angesprochen. Mit »Sunquest« hast Du eine Serie ins Leben gerufen, an der zahlreiche Autoren mitarbeiten. Die Idee dazu hatte Dein Mann. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Wer schreibt die Exposés? Nach welchen Kriterien suchst Du „Deine“ Autoren aus?

Die Zusammenarbeit ist sehr gut, sowohl zwischen mir und meinem Mann, als auch im Team. Mein Mann vertraut mir, wenn ich ihm sage, dass die eine oder andere Idee nicht realisierbar ist, wohingegen ich so viel wie möglich von seinen Wünschen berücksichtige. Das Team ist sehr, sehr engagiert, egal ob nun Autor, Illustrator, Layouter oder »helfende Hände«. Für den ersten Zyklus habe ich ein Rahmenexposé für den Handlungsfortlauf geschrieben, der Schauplatz samt Szenario aber oblag den jeweiligen Autoren, die ihr eigenes Exposé dazu verfassten und uns vorlegten, bevor es ans Schreiben ging. Nur so konnten wir dieses abwechslungsreiche und phantasievolle Ambiente schaffen – alle Beteiligten durften sich »austoben«. Was die Autoren betrifft, so habe ich eine Liste aufgestellt und der Reihe nach angeklopft. Alle waren sofort mit Begeisterung dabei.

Du hast mit den verschiedensten Autoren zusammengearbeitet. Mit welchem Autor, welcher Autorin könntest Du Dir eine Zusammenarbeit noch vorstellen? Hättest Du da Wunschkandidaten?

Oh ja, einige! Aber über ungelegte Eier spreche ich nicht gern, deswegen möchte ich hier keine Namen nennen. Für mich ist erst dann etwas spruchreif, wenn der Vertrag unterzeichnet ist.

Es ist schon eine Weile her, dass Du bei Perry Rhodan aufgehört hast. Über die Gründe wurde viel spekuliert und dabei soll es auch bleiben. Entscheidend ist: Die Leser wollen Dich zurück, was eine Bestätigung und sicherlich eine Ehre für Dich sein dürfte. Würdest Du wieder ins Perry Rhodan Team einsteigen? Wie stehen Deine Kollegen von VPM dazu?

Ich liebe die Abwechslung und neue Herausforderungen, und ich hatte nie den Wunsch aufgegeben, eines Tages wieder eigene Projekte zu realisieren. Es gibt so viele Geschichten zu erzählen, und ich habe so viele Ideen, die ich alle verwirklichen möchte! Deshalb verließ ich das Team, und ich nahm mir eine Auszeit von Perry Rhodan und allem Drumherum, bis zum Frühjahr 2007, als Klaus N. Frick mit dem Projekt »Elfenzeit« an mich herantrat, das genau einer Idee entsprach, die ich gerne mal realisieren wollte, deshalb sprang ich sofort darauf an. Der Gastroman 2412 kam völlig überraschend dazu und stürzte Klaus und mich gleichermaßen in einen Gewissenskonflikt, ob die Geschichte in der kurzen Zeit mit all den anderen drückenden Terminen zu schaffen war. Aber ich wollte mir die Aarus nicht nehmen lassen, und Klaus ließ sich auf das Wagnis ein. Es hat geklappt, und das Lob zum Roman freut mich natürlich ungemein. Ich fühle mich nach wie vor wohl im Kreis der Fans und Leser von Perry Rhodan, und ich gestehe auch ganz offen, dass ich die Autorenkonferenzen mit meinen Kollegen und der Redaktion heute noch sehr vermisse. Wie meine Kollegen dazu stehen, weiß ich nicht. Aber für mich ist die Ära Perry Rhodan abgeschlossen. Gegen einen gelegentlichen Gastroman ist nichts einzuwenden, doch fest ins Team kehre ich nicht mehr zurück.

Unter Deinem Pseudonym Susan Schwartz erscheint seit Kurzem die Serie »Elfenzeit – Der Hauch der Anderswelt« im Bertelsmann Club, zunächst als Vierteiler. Was genau erwartet den Leser inhaltlich, und in welchem Zeitrahmen wird dieser Zyklus erscheinen?

»Elfenzeit« ist eine moderne Fantasyserie – hauptsächlich für Frauen konzipiert, aber auch Männer lesen sie mit Vergnügen, wie ich immer wieder bestätigt bekomme –, die ich als Chefautorin im Auftrag von VPM kreiere. Das heißt, ich habe das Rahmenkonzept erstellt, schreibe die Exposés und bin auch als Autorin beteiligt, derzeit mit Band 1 und 4. Band 2 wurde von Michael Marcus Thurner verfasst, Band 3 ist eine Erstveröffentlichung von Verena Themsen. Die Bücher erscheinen als wunderschön gestaltete Hardcover exklusiv im Bertelsmann Buchclub, zunächst besagte vier Ausgaben, die bis Februar oder März 2008 komplett sein dürften, aber die Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende – sie fängt vielmehr erst so richtig an. Zu dem Zeitpunkt, wenn das Interview erscheint, hat sich vermutlich entschieden, ob die Serie fortgesetzt wird und monatlich ein Hardcover herausgegeben wird. Auch hierfür erstelle ich dann die Exposés. Die Romane werden im Team geschrieben, denn monatlich ein umfangreiches Hardcover von einem einzigen Autor ist doch nicht ganz zu schaffen, auch wenn man wie ich schnell schreiben kann.

Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit und beginnt in Paris, aber es werden noch weitere Städte mit all ihren Reizen, dunklen Seiten und Mythen präsentiert, wie etwa Venedig in Band 4. Je nachdem, wie lange die Serie laufen wird, werden wir nicht nur in Europa bleiben. Historische und mythologische Elemente werden miteinander verknüpft, es wird auch Ausflüge in die Vergangenheit geben, und vor allem immer wieder phantastische Reisen in die Anderswelt. Für Romantik und ab und zu einen grusligen Schauder wird ebenfalls hinreichend gesorgt.

Zum ersten Mal seit vielen Jahrhunderten werden Menschen und Elfen sich wieder näherkommen, denn die Zeit hat in der Anderswelt Einzug gehalten und nähert die Welten einander an, was möglicherweise zum Untergang beider führt. Die dunkle Königin des Schattenlandes verlangt zudem nach der Herrschaft über alle Welten und schickt unheimliche und mächtige Gestalten aus, die Stützpunkte in der Menschenwelt errichten sollen.

Heldin der Geschichte ist die junge lebensfrohe Journalistin Nadja, die von dem griesgrämigen Reporter Robert begleitet wird. Beide finden heraus, dass sie »Grenzgänger« sind, denn sie sind in der Lage, Elfen zu erkennen. Die Elfen wiederum, ein junges Zwillingspaar und zwei Helfer, lernen auf der Suche nach dem Quell der Unsterblichkeit die Menschenwelt kennen, was sie manchmal vor schier unlösbare Probleme stellt und sowohl komische als auch gefährliche Situationen herbeiführt.

Durch den Bezug zur Gegenwart schaffen wir mit Elfenzeit den »magischen Realismus«, eine Welt, die vertraut erscheint, in der Märchen aber wahr sind.

Du bist gleichermaßen bekannt unter Deinem bürgerlichen Namen Uschi Zietsch, als auch unter Deinem Pseudonym Susan Schwartz. Und Du schreibst auch heute noch unter beiden Namen. Worin unterscheiden sich die Bücher von Uschi Zietsch zu den von Susan Schwartz?

Ich habe nie einen Hehl aus meinem Pseudonym gemacht, weil ich es nur zur Abgrenzung meiner Arbeit erschaffen habe. (Es gibt andere Pseudonyme, die nicht bekannt sind, die ich in anderen Genres benutze.) Ursprünglich war Susan Schwartz für reine Auftragsarbeiten gedacht, und Uschi Zietsch für die eigenen Projekte. Doch inzwischen ist Susan Schwartz in der SF bekannt und Uschi Zietsch in der Fantasy, sodass es auch hier eine Unterscheidung gibt. »Elfenzeit« ist demnach ein Grenzfall – im Grunde meine eigene Serie, und Fantasy, aber da ich für VPM arbeite und hier Susan Schwartz die Bekanntere von uns beiden ist, habe ich den Künstlernamen gewählt. Naja, ein bisschen verwirrend ist es schon, zugegeben.

Deine Kinderserie im Dino-Verlag erschien 2001 das letzte Mal. Wird es von Dir in diesem Genre auch wieder etwas Neues geben?

Nein, derzeit nicht – ich bin voll mit Projekten im Fantastik-Genre ausgelastet.

Gibt es schon weitere Pläne nach den erwähnten Zyklen?

Allerdings! Ich arbeite aktuell mit Alisha Bionda an einem gemeinsamen Fantasy-Projekt, das ein Jugendbuch werden soll. Im Mai erscheint außerdem der erste Band »Dämonenblut« meiner Fantasy-Trilogie »Die Chroniken von Waldsee« bei Lübbe, die anderen beiden Bände jeweils zwei Monate später. Hier schreibe ich als Uschi Zietsch, es ist ein ganz eigenes Projekt, an dem mir viel liegt. Es spielt im selben Universum wie »Sternwolke und Eiszauber« und auf derselben Welt wie »Der Stern der Götter«. Eventuell geht es wie gesagt auch mit »Elfenzeit« weiter, und ich habe noch diverse Ideen, die ich im Laufe des Jahres konzipieren möchte. Zu wenig Arbeit werde ich in der nächsten Zeit gewiss nicht haben, abgesehen vom Verlag …

Reisen gehört, so wie Reiten und Tiere, zu Deinen Hobbys. Wo warst Du noch nie, möchtest Du aber unbedingt noch hin?

Ach, fast in die ganze Welt. Manches kann ich aus Gesundheitsgründen nicht realisieren, aber trotzdem bleibt immer noch genug übrig, was ich unbedingt einmal sehen will. Ganz oben stehen Yucatan, Neuseeland, Madagaskar und Costa Rica. Für »Tiernarrische« wie meinen Mann und mich gibt es bei den beiden Letztgenannten wunderbare geführte Touren. Ansonsten lieben wir es, in Ruinen herumzukraxeln und jeden Stein umzudrehen. Je älter, desto besser!

Und welchen bleibenden Eindruck hast Du von einer Deiner Reisen mitnehmen können?

Die Wüste. Ein Teil von mir ist noch immer dort.

Du hegst jedoch auch eine starke Verbindung zu Wien und besuchst die österreichische Hauptstadt mehrfach im Jahr. Was fasziniert Dich so an dieser Stadt? Könntest Du Dir Wien als Wohnort vorstellen?

Wir hatten schon mit dem Gedanken geliebäugelt, nach Wien umzuziehen, doch dann hat sich der kleine Hof hier im Unterallgäu ergeben. Krasser Gegensatz, ich weiß, aber meine Interessen sind sehr breit gefächert, nicht nur beim Schreiben. Ich liebe Wien, wie es heute ist, mit seinem Charme und Flair, den Prachtstraßen, der wiederaufgelebten Kaffeehauskultur, der Kultur an sich, dem herrlichen Essen, dem hervorragenden öffentlichen Verkehrsnetz, dem ruhigen Gangwerk bei allem Business. Wien hat es geschafft, den Zauber der Vergangenheit in die Moderne zu übertragen. Ansonsten leben dort meine Freunde und Kollegen zentral, sodass ich sie alle auf einmal zu fröhlichen Abenden treffen kann, wenn ich nach Wien fahre. In Deutschland leben wir alle sehr weit auseinander, sodass man sich nur selten sieht, und in der Mehrzahl nur auf Cons.

Ich habe mir sagen lassen, dass Du Comics sammelst und mittelalterliche Schriften, außerdem alte Gefährte wie Kutschen, Mofas etc.

Das sind sehr umfangreiche und platzintensive Hobbys. Auf welche Stücke bist Du besonders stolz?

Ich bin auf alles stolz, jedes einzelne Stück ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe eine umfangreiche Märchensammlung, schöne Bücher und Faksimiles, Lexika, Historie und Bildbände. Das steht alles zusammen mit den Comics in meinem Büro, ich sehe es jeden Tag und freue mich daran; abgesehen davon, dass Wikipedia zwar toll ist, aber so ein Buch aufzuschlagen und nachzulesen und den Duft des Papiers und Staub der Vergangenheit einzuatmen, ist eben doch etwas anderes. Mein Büro hat übrigens keine Tür, damit ich immer alle Bücher sehen kann. Ich habe auch eine Sammlung von Kladden, weil ich an keiner Papeterie vorbeigehen kann, und haufenweise seltsamen Krimskrams, der zu nichts gut ist und von dem wir nicht immer wissen, was er darstellt. Das mit den Kutschen hat sich zufällig ergeben, und die Zweiräder … tja, das fing vor 27 oder 28 Jahren mit der NSU 251 OSL meines Schwiegervaters an, und dazu eine NSU Quickly meiner Schwiegermutter, die mein Mann beide zu sich nahm und restaurierte, und dann wurde es allmählich immer mehr, und auch wenn ich mangels Zeit und Talent nicht herumschraube, freuen mich diese Teile, und es ist ein unglaubliches Gefühl, auf einem Oldtimer über kleine Straßen zu knattern.

Eine letzte Frage: Was ist für Dich Glück?

Das zu schätzen, was ich habe. Und sei es nur der erste Sonnenstrahl nach langem Nebel.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die kommenden Projekte.

Webtipps:

© Nicole Rensmann / phantastisch!

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