Gelesen: »Der Schatten des Windes« von Carlos Ruiz Zafón

Cover: Schatten des WindesErster Satz: »Ich erinnere mich noch genau an den Morgen, an dem mich mein Vater zum ersten Mal zum Friedhof der vergessenen Bücher mitnahm.«

Zehn Jahre, so erzählt Carlos Ruiz Zafón in einem Interview, habe er an »Der Schatten des Windes« geschrieben, und das ist dem Roman deutlich anzumerken. Die Geschichte reift mit ihrem Protagonisten und dem, der beides erschaffen hat: seinem Autor.

Stilistisch ist das Buch poetisch, philosophisch, manchmal umwerfend oder einfach nur schön. Dass der Autor am Ende in einem längeren Abschnitt in einem Perspektivenwechsel einen – wie ich es empfand – Fehler macht, fällt vermutlich nur wenigen Lesern auf und ändert nichts an seinem tollen Schreibstil.

Obwohl ich das 564 Seiten starke Buch aus Zeitmangel über mehrere Wochen hinweg las, fand ich stets zurück nach Barcelona zu Daniel, Femír, Bea, Julián und all den Anderen, die »Der Schatten des Windes« zu dem machen, was es ist: Zwei Lebensgeschichten, die von Anfang an miteinander verknüpft sind.

Sie beginnen in dem Moment, als der mutterlose Daniel von seinem Vater in ein Geheimnis eingeweiht wird.

Er zeigt ihm eine Bibliothek – den Friedhof der vergessenen Bücher. Daniel darf sich ein Buch aussuchen und wählt »Der Schatten des Windes« von Julián Carax. Der 11-jährige Junge ist so fasziniert von der Geschichte, dass er mehr von dem Autor lesen möchte und seinen Vater, ein Buchhändler, um Hilfe bittet. Doch der kennt keine anderen Bücher dieses Autors, weist Daniel den Weg zu Don Gustavo Barcélo, der ihm das Buch jedoch abkaufen möchte. Dort lernt Daniel die doppelt so alte und blinde Clara kennen, in die er sich verliebt. Auch sie war begeistert von Julián Carax, ein Buch besitzt sie nicht mehr. Einst kam ein Fremder und stahl alle Bücher des Autors aus allen Buchläden und Bibliotheken und vernichtete sie – bis auf dieses eine, das Daniel beschützen muss.

Wer ist dieser Fremde, der auch Daniel auflauert? Und warum interessieren sich plötzlich so viele für dieses Buch und seinen Autor? Daniel kommt nicht mehr davon los, und die Suche nach Julián Carax, seine Vergangenheit und Gegenwart nimmt nicht nur sein Leben, sondern auch die komplette Handlung des Romans ein.

Dabei trifft Daniel im Laufe der Jahre noch viele Menschen, die ihm mehr über Julián Carax erzählen, der von einem seltsamen Geheimnis umwoben wird. Lügen und Morddrohungen, Prügel, Schüsse, Folter, Unterstützer und Liebende finden sich genauso wie neue Fragen und schließlich Antworten.

Ein phantastisch-mystischer Faden webt sich kontinuierlich durch die Geschichte – nur dünn, kaum sichtbar –, und am Ende wird klar, dass es nur die Verwirrungen an sich waren, die phantastisch sind.

Das Buch »Der Schatten des Windes« gerecht zusammenzufassen, wäre wie eine Sonnenblume im Winter in den Garten zu pflanzen.

Ich habe mich bemüht und kann nur eine Leseempfehlung aussprechen.

Carlos Luiz Zafón
Der Schatten des Windes
Übersetzung: Peter Schwaar (aus dem Spanischen)
Insel Verlag, 2003
ISBN 3458173307

Gebundene Ausgabe
25,00 €

Der Roman ist auch als Taschenbuch (9,90 €) und gekürzte Ausgabe als Audiobook (19,90 € bzw. als Sonderausgabe für 10,00 € ) bei amazon erhältlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.