Ein Tag im Trödel

Alle paar Jahre wagen wir uns nicht als Käufer, sondern Verkäufer auf den Trödelmarkt, stets mit unserer Familienfreundin A.

Es ist immer ein Erlebnis in mehrfacher Hinsicht.

Um kurz vor sechs klingelte das Telefon, A. hatte verschlafen. Machte aber nichts. Wir gingen schon mal los. Ja, wir gingen, denn nur mein Mann fuhr, da alle anderen Plätze im Wagen mit Kartons besetzt waren. Morgens um kurz nach sechs durch die Stadt zu gehen, hat etwas von Ruhe und Reinheit. Nirgends ist jemand zu sehen, kein Auto ist unterwegs, Geräusche schlafen – wie auch die Menschen und Maschinen, die sie verursachen. Erst als wir in die Straße einbogen, die zum Trödelmarkt führte, begegneten uns ein paar wenige Autos. Auf dem Platz selbst herrschte schon reges Treiben. Tische wurden ausgeklappt, Zelte aufgebaut und die ersten Geschäfte abgeschlossen.

Die Anzahl unserer Kartons weiß ich nicht mehr, aber es waren sehr viele. Also so richtig viele. Kleidung, Geschirr, Gläser, Spielzeug … alles, was im Laufe der Jahre aussortiert wurde. Unsere Preise waren gut, weil trödelbedingte Kleinpreise. Ich halte nichts von Überteuerung auf dem Trödelmarkt, auch wenn viele genau das machen. So macht das aber keinen Spaß. Außerdem wollten wir das Zeugs ja nicht wieder mit nach Hause nehmen.

Es gibt Käufer, die handeln gar nicht und manche so dreist, dass ich hart bleiben musste. Manche Menschen sind sympathisch, andere habe ich eher als Sandsack betrachtet, aber nicht verwendet – ich hatte keine Handschuhe dabei. Viele kaufen und erzählen ihre Lebensgeschichte dabei. Eine Dame kaufte alles, wo eine Katze drauf war und dazu erhielten wir dann die Geschichte, wie sie zu ihren beiden Katzen gekommen war, inklusive Fotomaterial. Meine Freundin A. hört sich das immer gern an, sie kann perfekt auf die Menschen eingehen. Ich schweige lieber – und nein, ich habe auch nicht erwähnt, dass wir sieben Katzen haben, ich wollte die Dame doch nicht schocken oder die Anzahl ihrer Katzen klein wirken lassen. Nein, ganz sicher nicht.

Der Gentleman schweigt und genießt… oder so ähnlich.

Auch die Krankengeschichte eines Herrn durfte sich A. anhören, ich hatte keine Zeit, kümmerte mich derweil um den Verkauf. Arbeitsteilung muss sein. Wir waren natürlich nicht allein, Trödelmarkt ist Familientag. Die Kinder verkauften fleißig mit. Mein Mann sorgte stets dafür, dass alles gut verpackt wurde, wenn er nicht selbst das Geld entgegennahm. 

Wir hatten verdammtes Glück mit dem Wetter. Obwohl Regen angesagt war, blieben wir bis 14.00 h verschont. Aber wir hatten ja noch ein Ass im Ärmel: Denn wir hatten eh vor einen Ausverkauf zu starten und waren bereits vor dem Regen dran, die Tische umzudekorieren. Alles was auf der rechten Seite stand, kostete 10 Cent, auf der linken Seite 50 Cent und nur das, was auf dem Extratisch platziert worden war, sollte für 5,- € den Besitzer wechseln. Als es zu regnen begann, starteten wir richtig durch. Mein Sohn malte ständig neue Plakate, da die aufgeweichten ausgewechselt werden mussten. Und wir restlichen vier verkauften. Es war der Hammer.

Wir waren der einzige Stand, trotz starken Regens, an dem Leute standen … Menschentrauben würde ich es fast bezeichnen. Es war geil. Es war anstrengend, aber wir haben so richtig viel Platz bekommen und eine Menge Zeugs unter die Leute gebracht.

Um drei leerte sich dann der Marktplatz – nur die Pfützen füllten sich. Und wir packten ein. Zahlreiche Kartons blieben leer und wurden entsorgt. Und der Rest Trödel? Den haben wir zum Tierheim gebracht, wo er ebenfalls verkauft und der Erlös den Tieren zugute kommt.

Ich bin mir sicher, dass wir wieder genug zusammen bekommen, wenn wir wieder Lust haben einen Tag auf dem Trödelmarkt zu verbringen.

Danach fühlen sich die Füße wie offene Wunden an, der Rücken schmerzt und wir sind nur müde. Aber es hat sich gelohnt. Der Keller ist leer und darum ging es uns.

 

 

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