Wenn Andere deine Idee umsetzen, …

… klauen sie nicht immer oder grundsätzlich, sie haben manchmal schlichtweg die gleiche Idee zu einem anderen, früheren, gleichen oder späteren Zeitpunkt, sie sind besser was die Technik betrifft, sie haben mehr Glück und mehr Befürworter.

Als ich vor zehn Jahren meine ersten Kindergeschichten an Verlage schickte, erhielt ich allesamt Absagen, sehr häufig mit der Begründung, Geschichten über das Anderssein will keiner lesen.

Nur wenige Jahre später explodierte genau das Thema in Kinofilmen, Romanen und Kurzgeschichten. Meine Geschichten blieben bei kleinen Verlagen oder wurden in Tageszeitungen veröffentlicht. Es gab zahlreiche Leute (auch Websitebetreiber), die mich unterstützten (nach wie vor Danke dafür), aber keiner, der große Möglichkeiten hatte.

Als ich »Luzifee, das kleine Teufelsmädchen« erfand und diese Geschichte an Verlage verschickte, erhielt ich ebenso Absagen. Die Begründung: Niemand möchte über ein Mädchen mit Pferdehufen lesen.

Längst gibt es Geschichten, in denen Teufelsmädchen und Teufelsjungen für große und kleine Leser ihr Unwesen treiben. Luzifee mögen heute viele meiner Leser, aber es bleibt dabei: Sie kommt bei kleinen, sehr bemühten Verlagen heraus. Die großen wollen sie – wollen mich nicht.

Ich erinnere mich an meine »Wollmonsterchen«-Geschichte, die ebenfalls nicht bei einem Publikumsverlag angenommen wurde. Exakt die Geschichte wurde ein paar Jahre später bei einem großen Verlag publiziert. Nein … nicht die Geschichte, nur die Idee: Warum verschwinden die Socken aus der Waschmaschine?

»Anam Cara – Seelenfreund« hatte seinen Erfolg, auch – oder besser genau weil – der Roman beim DPP und dem DSFP jeweils auf dem 2. Platz landete. Das Buch über eine Seelenreise war erfolgreich – im Kleinen, bei einem Kleinverlag. Ähnliche Romane und Filme gibt es längst (und gab es mit Sicherheit in ähnlicher Form vorher). Was AC betrifft, würde ich sogar sagen, dass der Roman noch nicht für einen großen Verlag reif, und auf jeden Fall zu kurz war.

Danach schrieb ich vier Auftragsarbeiten, in denen ich meine eigenen Ideen mitverwirklichen konnte. Ich mag alle vier Romane, die Grundidee – der Auftrag – ist aber so allumfassend, dass dieses Gefühl, ich hätte jemandem die Idee genommen oder umgekehrt, nur gering vorhanden ist.

Als ich bei Twitter die Idee hatte, einen Account zu eröffnen, um einen MitmachRoman bei Twitter zu schreiben, wusste ich von Anfang an, es wird jemand kommen mit mehr Möglichkeiten und diese Idee entsprechend ausbauen. So ist es nun auch. Die Tweetstory.de ist ein MitmachRoman auf Twitter, die später auch als ebook oder Buch erscheinen soll – so wird es zumindest versprochen.

Ursprünglich sollte @WirSchreiben eigentlich @TwitterStory heißen. Doch Twitter im Titel war nicht erlaubt. Auf Tweet bin ich damals nicht gekommen. Und die technischen Möglichkeiten, wie sie bei der Tweetstory vorhanden sind, habe ich nicht. Shit happens. Lustig war es trotzdem.

Meine @NicolesStory gehört mir. Das wird auch immer so sein, obwohl andere Autoren diese Idee schon aufgegriffen hatten, teilweise vor mir (Verzeihung, ich wusste es vorher nicht, sonst hätte ich es erwähnt) wenn auch mit weniger Engagement – die Nachfolgenden mit mehr Erfolg, weil sie grundsätzlich erfolgreich sind, weil sie einen Namen oder einen Agenten haben, der sie unterstützt und promotet und auch, weil die Medien nicht mehr recherchieren, sondern das nehmen, was im E-Mailfach liegt und grundsätzlich über den berichten, der eh schon bekannt ist (eine Tatsache, die auch auf Twitter stark beobachtet werden kann).

Doch eine Idee allein reicht eben nicht, die haben viele, vor oder nach dir – selbst gehabt oder abgekupfert.

Du musst laut schreien und dich richtig vermarkten. Du brauchst nicht mehr als jemanden, der dich zu dem macht, was du vielleicht gar nicht bist  und dir den Weg weist, dann hast du Erfolg.

Ansonsten wirst du bei den kleinen, feinen, lieben, netten und stets bemühten Kleinverlagen bleiben.

Sagte ich schon, dass mein Kindergeschichtenband »Regenbogenläufer« bei einem kleinen Verlag erscheint? Ich habe den Drachenmond Verlag gezielt dafür ausgesucht.

Kleine Verlage sind oftmals der allgemeinen Zeit voraus, sie sind mutig und engagiert – und da passe ich ziemlich gut zu.

 

4 Kommentare:

  1. Hallo Karin,

    also ich glaube nicht, dass ein Kleinverlagsautor nur an die Grammatik denkt und auch nicht, dass den Großverlagen die Grammatik und die Rechtschreibung bei einem Manuskript egal ist.

    Aber ich stimme dir gern zu, wenn es um die Masse geht, die ein Großverlag ansprechen muss. Das ist auch ein vollkommen nachvollziehbarer Prozess, was aber mein Eintrag in keinster Weise angezweifelt hat.

    Beste Grüße, Nicole

  2. Das ist aber doch auslegungssache. Denn wenn Lübbe zum Beispiel einen Roman groß bewirbt, den manche dafür nicht für würdig halten, dann tut Lübbe dies, weil dieser Roman die Qualität, die Masse anzusprechen. Und nur darauf kommt es an. Kleinverlagsautoren machen sich oft darum keine Gedanken, sondern denken nur an Gramatik etc., aber das ist für einen Großverlag eher unwichtig.

  3. Hallo Karin,

    wenn du dich ein wenig im Literaturbetrieb auskennst, müsstest du wissen, dass deine Aussage nicht grundsätzlich den Tatsachen entspricht. Denn wir wissen, dass nicht jeder groß beworbene Roman, der bei einem Publikumsverlag erscheint, auch tatsächlich einer großen Werbung und eines großen Verlags würdig wäre. Und dass in kleinen Verlagen sehr wohl wunderbare Bücher veröffentlicht werden, die auch für ein großes Publikum geeignet sind.
    Nicht wahr?

    Beste Grüße, Nicole

  4. Hm, es kommt auch nicht nur auf lautes schreien an. Auch nicht darauf, ob die Idee gut ist. Am wichtigsten ist noch immer die Umsetzung. Die muss natürlich entsprechend sein, wenn man zu einem großen verlag will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.