Interview mit Daniela Dreuth – Lektorin mit Ehrenamt

»Man gibt viel, aber man bekommt auch viel zurück.«

Interview mit Daniela Dreuth von Nicole Rensmann

Bild_Daniela_InterviewZu wenig Menschen sind bereit ihre Freizeit für eine ehrenamtliche Tätigkeit zu opfern, dabei sind sie es, die etwas bewirken, die helfen, unterstützen, neue Ideen einbringen, Schulen und somit die Schüler und die Zukunft fördern. Doch davon gibt es viel zu wenig. Meist wird hinter ihrem Rücken noch gelästert, weil sich die Ehrenämter Bekleidenden stets in den Vordergrund zu drängen scheinen.

Daniela Dreuth, geboren 1968, seit 1993 verheiratet und Mutter von zwei Söhnen hat gleich mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten – nicht zuletzt, weil sie sonst keiner übernehmen möchte.

Dein beruflicher Werdegang zeigt innerhalb von zehn Jahren einige Wechsel an, aus denen du vermutlich sehr viel Erfahrung mitgenommen hast. Obwohl du deine Ausbildung im öffentlichen Dienst absolviert, danach als Personalsachbearbeiterin zunächst in Darmstadt, später in Frankfurt und abschließend als Übersetzerin gearbeitet hast, arbeitest du nun, nach einer 9jährigen Arbeitspause, als freiberufliche Lektorin.

Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich hatte eine volle Stelle als Personalsachbearbeiterin, wollte dann aber gerne studieren. Also bin ich nach Frankfurt gewechselt, weil ich dort die Möglichkeit hatte, halbtags zu arbeiten und nebenher zu studieren (Anglistik und Romanistik). Seit 1995 mein erster Sohn geboren wurde, bin ich im Erziehungsurlaub bzw. beurlaubt gewesen, habe aber trotzdem weiterstudiert. Nebenher habe ich für eine Firma übersetzt, um den Babysitter für die Unizeiten bezahlen zu können. Nach meinem Studienabschluss sind wir nach Thüringen umgezogen, wo mein Mann damals schon einige Jahre arbeitete. Als mein zweiter Sohn auf die Welt kam, habe ich das Übersetzen aufgegeben.

Als die Kinder dann älter waren, wollte ich gerne wieder arbeiten, habe aber keine Stelle gefunden. Ich habe ziemlich lange überlegt, ob ich mich selbstständig machen soll, und wenn ja, ob ich eher in Richtung Übersetzen oder Lektorat gehen sollte. Die Entscheidung zum Lektorat war eine reine Gefühlssache. Ich hatte einfach Lust darauf!

Ich denke, die Entscheidung war richtig, es macht mir viel Spaß und ist abwechslungsreich.

Auf deiner Website weist du noch auf einen Blog hin, der aber nicht mehr funktioniert. Warum hast du das Bloggen aufgegeben? Aus Zeitmangel?

Ich bin am Anfang mit viel Elan an den Blog gegangen und habe fünf oder sechs Artikel geschrieben, teilweise über Themen, die ich schon sehr lange im Kopf hatte. Dann fiel mir nichts mehr ein, von dem ich dachte, dass es wirklich viele andere Leute interessieren könnte. Gut, dass ich keine Autorin bin! Ich fand es dann eher peinlich, einen Blog zu haben, in dem es seit einem Monat keinen neuen Eintrag gab, und habe ihn kurzerhand gelöscht.

Fünf auf einen Streich, das könnte dein Motto sein. Denn du stehst für fünf ehrenamtliche Tätigkeiten zur Verfügung. Was genau ist das alles?

Warum übernimmst du so viele Tätigkeiten? Aus Selbstbestätigung, Freude oder schlichtweg, weil es sonst keiner macht?

1.  Ich bin – noch – Vorsitzende des Schulfördervereins. Mein jüngerer Sohn hat inzwischen die Grundschule verlassen, im November stehen Wahlen an, bei denen ich nicht wieder kandidieren werde. Ich fand es damals selbstverständlich, Mitglied zu werden. Als ich dann gefragt wurde, ob ich Interesse am Vorsitz hätte, habe ich nach kurzer Bedenkzeit zugesagt. Das war, abgesehen vom Elternbeirat, mein erstes Ehrenamt. Ich habe das nun 6 Jahre lang gemacht und bin stolz darauf, dass wir einiges erreicht haben. Beispielsweise wurde eine Schülerbibliothek eingerichtet – mir war es sehr wichtig, dass ALLE Kinder Zugang zu Büchern haben.

2. Ich bin Elternsprecherin in der Klasse meines älteren Sohnes. Ich wollte das damals nicht machen, weil ich fand, ich hätte schon genug Ämter. Als fünf Minuten vor Schluss des Elternabends immer noch niemand gewählt war, habe ich mich gemeldet. Und ehrlich gesagt: Ab und zu mal einen Elternstammtisch organisieren, vielleicht noch eine Klassenweihnachtsfeier – die Zeit könnte wirklich JEDER aufbringen. Bei Problemen wenden sich die anderen Eltern sowieso direkt an die Lehrer, wenn nicht gar gleich an die Schulleitung.

3. Ich bin Mitglied im Ortsteilrat – ich finde es wichtig, zum eigenen Wohnort eine Beziehung aufzubauen, nicht einfach nur irgendwo zu wohnen, sondern auch mitzugestalten. Beispielsweise organisieren wir jährlich ein Fest, um alteingesessene und zugezogene Einwohner zusammenzubringen.

4. Ich bin Mitglied im Gemeindekirchenrat. Ich hatte mich schon mehrere Jahre in der Kirchengemeinde engagiert, da war es eigentlich ein logischer Schritt, auch in die Entscheidungen eingebunden zu werden. Ansonsten helfe ich, wo Hilfe gebraucht wird, vor allem, wenn es um die Arbeit mit Kindern geht: Vorbereitung und Durchführung des Kinderfests, der Kinderfreizeit, des Schulgottesdienstes, des Gemeindefests…

5. Bis Juni habe ich, zusammen mit einer Freundin, die kirchliche Krabbelgruppe geleitet. Wir haben das sechs Jahre lang gemacht und viel Zeit und Energie investiert, aber auch viel zurückbekommen von den Müttern (gelegentlich auch Vätern) und Kindern. Diese Zeit hat mir viel gegeben. Meine Freundin hat im April wieder angefangen zu arbeiten, ich habe mich im Mai selbstständig gemacht. Eine Nachfolgerin haben wir nicht gefunden. Es hat mir weh getan zu sehen, dass das, was wir aufgebaut haben, nun nicht weitergeht.

Zu allen Tätigkeiten kann ich sagen: Das Dasein als Nur-Hausfrau fand ich langweilig. Natürlich habe ich über die Ehrenämter auch Selbstbestätigung gefunden. Das hätte mich aber kaum bewogen, so viele Ämter anzunehmen. Ich finde das, was ich mache, wichtig. Es hat vielleicht keine großen Auswirkungen, aber hier und da ändert sich doch etwas. Es ist ein tolles und sehr befriedigendes Gefühl zu sehen, dass man als Einzelner bzw. in einer überschaubaren Gruppe doch einiges erreichen kann – das wird ja von vielen negiert. Außerdem macht es viel Spaß – natürlich nicht immer, manchmal häufen sich die Sitzungen oder die vorzubereitenden Feste und ich habe keine Lust, aber da muss man dann durch.

Was auch wichtig für mich war: Ich kannte als jemand, der neu ins Dorf gezogen ist, kaum Leute. Jetzt sind zehn Jahre vergangen, und ich habe eine Menge netter, interessanter Leute kennen gelernt. Ich denke, ich bin hier gut integriert und würde nicht mehr wegziehen wollen. Ich habe auch sehr viel gelernt, über die verschiedensten Dinge – von Basteln bis Buchhaltung.

Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich ein Mensch bin, der nicht gut Nein sagen kann – wenn ich sehe, dass etwas gemacht werden muss, und keiner will es tun, dann melde ich mich eben.

Man gewinnt Freunde, man gewinnt Erfahrung, man erlebt viele schöne Momente gemeinsam mit anderen Menschen. Man gibt viel, aber man erhält auch viel zurück – eigentlich sollte jeder ein Ehrenamt ausüben!

Bleibt dir ab und an auch mal Zeit nur für dich zu sein, nur dich selbst zu verwöhnen?

Ein Abend mit einem Buch, eine entspannte Stunde in der Badewanne, ab und zu ein Kaffeeklatsch mit Freunden, dann bin ich schon zufrieden!

Wenn du nicht arbeitest, ehrenamtlich unterwegs oder für die Familie da bist, womit beschäftigst du dich dann? Gibt es diesen Moment eigentlich?

Natürlich gibt es solche Momente. Ich lese gerne, reise (natürlich mit der Familie, alleine würde es auch wenig Spaß machen). Vor einiger Zeit hatte ich eine Puzzle-Phase (vielleicht im Winter wieder). Im Moment vertrödele ich meine Zeit auch gerne bei Twitter…

Eine Lektorin sollte bekanntlich auch viel lesen. Welche Autoren bevorzugst du? Gibt es ein Buch, das du unbedingt empfehlen kannst?

Im Moment stelle ich fest, dass ich, wenn ich den ganzen Tag Korrektur gelesen habe, abends keine Lust auf besonders anspruchsvolle Bücher habe. Ich lese zurzeit gerne Krimis. Ich mag Kathy Reichs, Elizabeth George, Patricia Cornwell, Tess Gerritsen, die skandinavischen Krimiautoren. Im Urlaub habe ich alle drei Eragon-Bände verschlungen. Die beiden Romane von Khaled Hosseini haben mich beeindruckt. Sehr gut fand ich auch Irene Dische »Großmama packt aus« und Boyne »Der Junge im gestreiften Pyjama«. Ich mag Carlos Ruiz Zafón, Ildefonso Falcones und Carme Riera. Eine kürzliche Entdeckung: »Der Bogen des Cellisten« von Andromeda Romano-Lax. Darüber hinaus lese ich Sachbücher, z. B. »Deutschlands vergessene Kinder«. Und beim Bügeln höre ich gerne Hörbücher!

Das ist typisch für mich: Auf ein Buch könnte ich mich nie festlegen!

Ich danke dir, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.


Daniela Dreuth im Web:

Website http://optimumtext.de

Xing  https://www.xing.com/profile/Daniela_Dreuth

Twitter: @optimumtext

Vorgeschlagen von Daniela M.
Twitter @Donny1307

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