Klau mir nicht meine Kinderträume!

Es scheint ein neuer Trend im Buchsektor umzugehen: Idole aus Kindertagen bloß zu stellen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das möchte.

Der US-Autor Brom haut Peter Pan mit »Der Kinderdieb« in die Pfanne. Kein Märchen mehr, sondern ein gefährliches Abenteuer, so steht es auf dem Klappentext. Ich mag Abenteuer, aber ich liebe Märchen. Das Buch liegt noch auf meinem Lesestapel. Und eben habe ich per Fax eine Buchankündigung vom Knaur Verlag erhalten:

Angus Donald stellt in seinem Roman »Der Barde« klar, wer Robin Hood wirklich war. Und auch wenn wir ahnen, dass es vielleicht einen Helden, der für die Armen stahl, niemals gab: Wer will das denn wissen?

Gut, das sind nur zwei Bücher, und vielleicht ist es zu früh von Trend zu reden, andererseits bin ich mir sicher, dass es noch mehr Romane dieser Art gibt oder bald geben wird.

Ich darf gar nicht darüber nachdenken, dass ein Autor meine Biene Maja als stechwütiges, bösartiges Insekt in eine Welt voller Horrorameisen steckt. Oder dass mein John Boy – mein Schriftstelleridol aus den Waltons – zu einem stets betrunkenen, seine Familie tyrannisierendes Arschloch in einer vermüllten Vergangenheit wird.

Ich möchte auch nicht lesen, dass Alice – meine Alice im Wunderland – als egoistische Sumpfkuh das Wunderland mit Füßen tritt. Und was, wenn meine süße Heidi, die in jeder Sendung das gleiche Kleid trug, sich in einen in den Farbtopf gefallenen Vamp entpuppt, die den Peter als stinkenden Ziegenhirt beschimpft?

Oh, und der Prinz aus »Drei Nüsse für Aschenbrödel« ist ein Schuhfetischist, will Aschenbrödel aber gar nicht heiraten?

Hanni und Nanni sind zickige Anführerinnen einer Gang? Die Drei ??? lösen keine Kriminalfälle, nein, sie produzieren sie, weil sie böse sind, aber das weiß keiner?

Blitz, der schwarze Hengst war gar nicht schwarz? Und ein Hengst war er auch nicht? Oh, nein!

Denkt nicht einmal daran, mir den Mythos der Drei Musketiere zu nehmen. Nein, ich will nicht wissen, dass »Einer für alle und alle für Einen« sich nur auf einen Humpen Bier bezog.

Das würde mir meinen Glauben an meine Helden aus Film und Buch zerstören.

Und wenn, dann schreibe ich dieses Buch mit all MEINEN und DEINEN Helden in einer verkehrten Welt. Und wage es nicht, das hier zu klauen, du … sonst schicke ich dir Pippi Langstrumpf vorbei und die ist verdammt stark. Ja, das ist sie nämlich wirklich! :-p

9 Kommentare:

  1. Heiko Bernhörster

    @Nicole: Na, das sieht doch schonmal gut aus! Danke!

    Heiko

  2. Dein Wunsch war mir Befehl. Funktioniert es denn auch?

    Gruß, Nicole

  3. @Heiko – Daran habe ich auch schon gedacht… ich guck mal, ob es da was gibt.

  4. Heiko Bernhörster

    @Karla: Jaa, Captain Future war auch ein Held meiner Kindheit.

    Friedrich und Friedrich würde ich immer noch schauen. War aber auch in Lucy verknallt 😉

    @Nicole: Deinem Blog fehlt eine „Mail wenn Kommentar-Funktion“!

  5. @Heiko…. um Gottes Willen, DAS wäre ja furchtbar! 😉

    @Karla – Natürlich geht es nur darum. Sonst nichts. Ich bin eben eine sentimentale, teilskonservative Olle. 😉
    Naja, Die Waltons, Heidi oder Die Biene Maja finden unsere Kids heute doch auch grottenlangweilig.

  6. Heiko Bernhörster

    …und am Ende sollen Friedrich und Friedrich nur Knetgummifiguren sein? Welch grauenhafter Vorstellung…

    Heiko

  7. Ach so, darum gehts! 😉 Wenn ich sentimental werde – ja, an Heidi dürfte bei mir auch keiner Hand anlegen. Und auch nicht an Captein Future! Oder Flipper!

    Friedrich und Friedrich sind übrigens ganz schön heftig! Sowas würde heute kein TV-Sender mehr poduzieren. Ein kleines Mädchen, das den ganzen Tag allein zu Hause ist und von den Kids im Viertel zum Klauen gezwungen wird?! Aber ich habs geliebt als Kind!

  8. Hallo Karla,

    „Schneewittchen“ kenne ich natürlich und ich finde schon, dass sich der Film recht gut an die Vorlage hält. Natürlich gibt es viele Märchen, die in verschiedenen, anderen Versionen auftauchen – je nach dem finde ich das klasse und mache es ja auch selbst. Aber manche Helden möchte ich nicht entzaubert wissen.

    Weißt du, ich mag den Zuckerguss auf den Märchen, obwohl ich auch die Grimmschen Märchen besitze, die über alles andere als Süße verfügen – das sind eher die unbekannteren Storys, die Vorgänger des Horrors sozusagen! 🙂

    Natürlich kehren mythische und mystische Themen stets zurück, sonst gäbe es heute keine Vampirromane mehr! 😉
    Aber es kommt eben auf das Gewand an. Und – das sagte ich ja eingangs – zum Inhalt kann ich noch nichts sagen und will den Beitrag auch keinesfalls abwertend wissen. Es ist lediglich mein persönliches Leseempfinden, dass ich meine Helden aus Kindertagen nicht entzaubern lassen möchte. Ein bisschen Sentimentalität – mehr nicht!

    Beste Grüße, Nicole

  9. Liebe Nicole,

    Der „Kinderdieb“ ist ein ziemlich gutes Buch.
    Es geht nicht darum, Mythen zu entzaubern, denke ich. Es geht um einen Wahrheitskern darin, um eine dunkle Seite, die in Peter Pan von Anfang an auch drin steckte. Disney hat das zwar erfolgreich mit Zuckerguss verziert, aber das muss ja nicht die einzige Interpretation dieses Stoffs bleiben, der ja doch auch schon älter ist.

    „Alice“ gibt es übrigens als düster-brutales PC-Adventure. Auch hier funktioniert das nur, glaube ich, weil das Schräge von Anfang an drinsteckte in der Geschichte. (Sicher weißt Du, dass Lewis Carrol Päderast war?)

    Robin Hood hat ähnliches Potential. Letztlich ist es sehr leicht, ihn sich als Anführer einer klassischen Räuberbande in einem gefährlichen Wald vorzustellen.

    Es gibt auch einen großartig düsteren „Schneewittchen“-Film mit Sourney Weaver, und nicht zu vergessen diese freudianisierte Version des Rotkäppchens, „Zeit der Wölfe“.

    Das alles sind jedoch Geschichten, die das Schräge und Böse bereits in sich tragen. Was man von Bine Maja, Hanni und Nanni oder den Waltons ganz sicher nicht sagen kann.
    Also denke ich, Du musst Dir wahrscheinlich wenig Sorgen machen, dass sich jemand daran vergreifen wird. 😉

    Zudem: Bestimmte mythische Stoffe und Themen kehren immer wieder, in den verschiedensten Gewändern. Ich finde das eigentlich begrüßenswert.

    Liebe Grüße, Karla

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