Das Aschenputtel-Syndrom

J. K. Rowling verkörpert das lebendig gewordene Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär. Wer wünscht sich nicht so eine Karriere? Als allein erziehende Mutter, abhängig von Sozialhilfe, schrieb sie Zeilen von Harry Potter auf die Serviette in einem Café, so erzählt die Presse und J. K. Rowlings Marketingabteilung. Nun ist sie die reichste Schriftstellerin weltweit. Der Konsument steht auf diese kleinen oder großen Tragödien, erträumt er sich doch selbst in die Aschenputtel-Rolle. Dabei ist das nichts anderes als eine clevere Verkaufsstrategie auf Kosten der Tränendrüsen. Das haben die Medien, Manager, Agenten und Produzenten längst erkannt. Auch das Fernsehen: Mehrzad Marashi einstiger Hartz IV – Kandidat wurde zum Superstar 2010 (DSDS, RTL) und kann endlich seine Familie ernähren.

Doch wenn die Werbetrommel rund um die hochgepushten Menschen so laut geschlagen wird, dass mein Trommelfell platzt, drehe ich mich gerne weg von diesem unglaublich tollen Werk, egal ob gesungen oder geschrieben, warte ab, bis wieder ein bisschen Ruhe einkehrt, um objektiv daran zu gehen. Oft ist  es gut. Marashi singt toll, Harry Potter ist klasse.

Aber Hype? Selten meins.

Denn mal ehrlich: Als ich alleinerziehend und leider Gottes von Sozialhilfe abhängig war, konnte ich es mir nicht leisten mit meinem Kind in ein Café zu gehen. Und wenn ich es gekonnt hätte, dann hätte ich die Serviette mitgenommen, um zuhause an Tempos oder Klopapier zu sparen.

Allerdings hätte ich auch jede Chance genutzt, um reich und berühmt zu werden, doch ergab sich diese Möglichkeit gar nicht erst – nicht, weil ich nicht gut singen kann (das kann ich nicht, aber das ist ein anderes Thema) – sondern, weil ich mich um mein Kind kümmerte, wie hätte ich da wochenlang an einem anderen Ort sein sollen? Hätte ich gar nicht gewollt.

Viele Menschen blicken auf eine bewegte Vergangenheit zurück, einige davon haben ein Meeting mit Zufall und Glück und werden reich und berühmt… oder einfach nur glücklich. Andere strampeln sich ab und bleiben auf der Stelle stehen. Nur mal ehrlich – wer will von denen etwas lesen oder hören?

Ich!

Ich mag die „Kleinen“ dieser Welt, und ich wünsche Ihnen, dass sich das Abstrampeln lohnt, auch wenn nur Wenige davon erfahren, weil es keine Schlagzeile wert ist und somit auch kein Geld bringt. Aber was wären wir ohne sie?

Warum dieser Eintrag? Ich habe schlichtweg keine Ahnung. Ich wollte das einfach nur mal gesagt haben. Es muss ja nicht hinter allem eine Prämisse stecken, womit wir wieder beim Schreiben wären …

2 Kommentare:

  1. Danke, Du hast mir aus der Seele gesprochen, was – leider – sehr selten passiert…

  2. Nein, es liegt vor allem auch daran, wo die selbst gesetzten Prioritäten stehen und ob der „innere Schweinehund“ zu sehr an einem klammert. Vieles ist möglich, manchmal viel viel mehr, aber doch eben nicht immer alles, wobei das schon wieder eine Einschränkung ist, die vermutlich vom „Schweinehund“ gesprochen wurde! 🙂

    Gruß, Nicole

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