E-Mail erhalten: „5000 € für mein Manuskript? Das kommt mir komisch vor.“

Heute bekam ich folgende E-Mail, die sehr gut in meine FAQ passt, denn es geht um den Literaturbetrieb, das erste Manuskript und wie an einen Verlag zu kommen ist. Da die E-Mail aber sehr lang ist und meine Antwort auch nicht kurz ausfiel, gibt es sie diesmal hier im Blog:

Mein Name ist XXX. ich bin 32 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern.
[…] Als Kind schon habe ich auch angefangen mir immer wieder Geschichten auszudenken, vor allem in schwierigen Zeiten und Situationen, um mir die Welt ein wenig schöner und vor allem leichter zu machen. Vor einiger Zeit habe ich einem Freund davon erzählt und er meinte ich solle diese Geschichten einfach Mal aufschreiben. Das habe ich getan und musste feststellen, wie schwierig es ist, diese Geschichte auf ein Blatt Papier zu bekommen. Dennoch habe ich es mehr oder weniger geschafft. Es ist nicht perfekt, das ist mir klar und es benötigt große Hilfe, um es perfekt zu machen. Dennoch habe ich auf Anraten meines Freundes das Manuskript an einige Verlage geschickt und bisher zwei Zusagen bekommen. Der XXXX Verlag würde das Manuskript mit allem drum und dran für 5000 Euro veröffentlichen, der XXXX Verlag ist etwas günstiger mit 2000 Euro. Dennoch hat es mich stutzig gemacht und ich habe ein wenig im Internet gesucht und bin auf eine Seite mit einem Beitrag von Ihnen gestoßen. Dort stand, dass kein Autor für sein Werk bezahlen sollte.

Jetzt stelle ich mir die Frage, ob mein Manuskript wirklich so schlecht ist, dass es sich gar nicht lohnt, es zu veröffentlichen, wenn ich nur Angebote bekomme, in denen ich so horrende Summen zahlen soll. Mal abgesehen davon, dass ich sie gar nicht bezahlen kann. Oder gibt es auch Verlage, die sich die Zeit und die Mühe machen und die Manuskripte noch mal überarbeiten, die einem sagen was verändert werden muss oder wie man besser schreibt und dann auch bereit sind, dieses Werk zu veröffentlichen?
Nach all diesen Monaten in denen ich versucht habe in diese Autoren-Welt abzutauchen, das schreiben, das mir so viel Spaß gemacht hat, dass ich bereits an der zweiten Geschichte sitze, habe ich eines auf alle Fälle gelernt, wenn es auch schon nicht das perfekte Schreiben ist, ich ziehe den Hut vor jedem Autor, der es geschafft hat.*

Zunächst: Das erste Werk eines Autors wird nur in seltenen Fällen veröffentlicht. Lassen Sie sich von der Werbung nicht blenden: „Debüt des Autors XY wird zum Welterfolg.“ Schreiben ist ein ständiger Lernprozess. Vermutlich hat dieser Autor schon einige Manuskripte in der Schublade liegen, die vorher nicht veröffentlicht wurden, aber dies zu erwähnen verkauft sich nicht so gut. Die Verlage wollen und müssen, die von ihnen angekauften Manuskripte entsprechend vermarkten, damit die Produktionskosten wieder reinkommen und der Autor – und letztendlich der Verlag natürlich auch – gut daran verdient. Denn, wie Sie richtig erfasst und gehandelt haben: Ein Autor wird für seine Arbeit bezahlt.

So romantisch das Schreiben manchmal auch sein mag, es ist harte Arbeit, die über einen langen Zeitraum stattfindet und das wird von seriösen Verlagen auch entsprechend honoriert.

Ein Verlag wird sich nur in wenigen Fällen die Mühe machen, zusammen mit Ihnen an Ihrem Manuskript zu arbeiten, dann vermutlich, wenn er glaubt, Sie seien ausbaufähig. Die Arbeit muss sich für den Verlag lohnen. Ich kann Ihnen nur raten: Überarbeiten Sie Ihr Manuskript. Lassen Sie es ein paar Monate liegen und nehmen Sie es wieder zur Hand, informieren Sie sich auf den zahlreichen Plattformen im Internet, die sich mit dem Thema Schreiben auseinandersetzen, vielleicht wollen Sie auch dort in einem der Foren Ihr Manuskript vorstellen, aber denken Sie daran, dass die Kritik vernichtend sein kann und auch nicht immer ehrlich ist. Keiner schreibt heute ein Buch und veröffentlicht es morgen, das dann übermorgen auf der Bestsellerliste steht. Selbst J. K. Rowlings „Harry Potter“ erschien zuerst bei einem kleinen Verlag, bevor es viele Jahre später zum Welterfolg wurde.

Und dieser Erfolg wiederum ist ein Einzelfall. Viele Autoren können nicht vom Schreiben leben, denn sie müssen schon entsprechend viele Bücher im Verkauf haben, die sich dann auch entsprechend gut verkaufen, um wiederum entsprechend gut daran zu verdienen.

Sehen Sie, ich habe einen dicken Leitzordner voller Absagen, wobei ich sehr viele Schreiben und Mails gar nicht mehr abgeheftet habe. Ich bin keine Bestsellerautorin, auch ich kämpfe jeden Tag, um eine neue Veröffentlichung. Aber ich habe nie aufgegeben und ich fürchte, ich kann es auch nicht.

Wenn Ihnen wirklich etwas am Schreiben liegt, dann arbeiten Sie an Ihrem Text, legen Sie ihn zu Seite und schreiben Sie einen neuen. Schreiben lernen wir nur, in dem wir schreiben und den Text und uns hinterfragen – immer und immer wieder.

Viel Erfolg!

Weitere Fragen zum Literaturbetrieb und meiner Arbeit, die mich per E-Mail erreichen unter FAQ.

Lesen Sie auch: „Nein, wir zahlen nicht!

*Text mit freundlicher Gehemigung der Autorin veröffentlicht.

2 Kommentare:

  1. Hallo Michaela,

    und deine Antworten, wie diese hier, helfen mir ebenso dabei weiterzumachen. So ergänzen wir uns! Find ich schön. Also treten wir uns einfach mal weiter zum Erfolg! 🙂

    Beste Grüße, Nicole

  2. Hallo Nicole,
    ich weiß es ja, doch ist es gut es immer mal wieder gesagt zu bekommen -die Realität. Ich bin ständig am schreiben, ja ich bin so weit meine andere „große Liebe“, das Reiten, noch weiter zurück zu nehmen.
    Natürlich hätte ich es gerne, wenn ich mit meinem Erstlingswerk schon Erfolg hätte. Es ist ein Traum und ich arbeite daran. Wenn nicht mit dem Ersten (ist selten aber auch noch nie nicht vorgekommen) dann mit dem nächsten oder dem darauf folgenden Buch. An seinem Traum arbeiten, aber immer realistisch bleiben – dein Blog und deine tweets helfen dabei.
    Danke
    Gruß aus dem kalten, regnerischen Taunus
    Michaela

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