Gelesen: »Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen« von Francesc Miralles


Erster Satz: »Noch einen Augenblick, und wieder würde ein Jahr zu Ende gehen und ein neues beginnen.«

Samuel –  kurz vor dem Sterben, denn alle seine Vorfahren werden nicht älter als vierzig, so redet er sich ein und mit einem (!) grauen Haar – lebt einsam und allein in seiner kleinen Wohnung in Barcelona. Er verlässt das Haus nur, wenn er zur Uni geht – Samuel arbeitet als Literaturdozent – oder zum Einkaufen. Er ist ein bisschen depressiv und vom Leben gelangweilt – es passiert ja auch nichts. Abgesehen von den seltenen und unangenehmen Besuchen bei seiner Schwester. Samuel hört gerne klassische Musik und liest – nicht nur berufsbedingt – viel.

Als sich eine Katze (die später auf Mishima getauft wird) in seine Wohnung verirrt, verändert sich sein Leben. Obwohl er Katzen hasst, bringt sein Verantwortungsgefühl ihn dazu, sich um das Tier zu kümmern.  Als Mishima eines Tages nicht wie gewohnt ihre Milch schlabbert, sucht Samuel nach ihr und findet die Katze bei dem über ihn wohnenden Nachbarn Titus, ein etwas kränklicher Sachbuchautor. Titus hält Samuel ziemlich auf Trab. Nun muss er nicht nur mit der Katze zum Tierarzt, nein, er soll auch noch Besorgung für Titus machen. Für einen sich der Einsamkeit und dem Selbstmitleid hingebenden Mann schwerwiegende Aufgaben. Wieder ist es die Verantwortung – oder vielleicht doch das »Heimweh nach der Zukunft« *–  die ihn dazu zwingen, nicht abzulehnen. Auf einem dieser Wege trifft er eine Frau,  die er als Gabriela wieder erkennt. Das Mädchen, von dem er seinen ersten Kuss bekommen hat.  Sein Herz flackert erneut auf. Aber da ist auch noch die attraktive Tierärztin.

Als sein Nachbar ins Krankenhaus kommt, soll Samuel dessen Auftragsarbeit beenden. Samuel sieht sich vor einem Abgrund stehen. Doch er wächst an seiner Aufgabe und an der Aufgabe mehr aus seinem Leben zu machen, als zur Uni zu gehen. Er lernt Valdemar kennen – ein Physiker, der ein Buch geschrieben hat und selbst eine eigene Geschichte zu erzählen weiß. Und plötzlich hat er ein Date nach dem anderen, trifft Menschen, als hätte es sie vorher nie gegeben und entdeckt das Leben völlig neu.

Süß, hilflos, ein bisschen »hihihi«, stark – daran muss ich denken, wenn ich in wenigen Worten »Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen« beschreiben soll.

Poetisch-philosophisch mit einer Prise Witz, so beschreibt Francesc Miralles das Leben Samuels, das mit einem Mal voller kleiner und großer wahrer Wunder wird. Zahlreiche Zitat, wunderschöne Sätze und Leseanregungen wie z.B. Kafkas »Das Schloss« runden die Geschichte ab, die viel mehr als nur ein Roman zu sein scheint.

»Samuel…« macht neugierig … neugierig auf das Leben und die kleinen Dinge dahinter, die wir so oft im stressig-langweiligen Alltag übersehen. Es macht schlichtweg Spaß an Samuels stetig wachsenden Leben und den teils so alltagstauglichen, teils etwas skurrilen Ereignissen teilhaben zu können, die trotzdem oder genau deshalb einem so nah sind.

*Zitat, S. 102: »Hast du Heimweh nach der Zukunft?«

Francesc Miralles
»Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen«
Ullstein List, 2006
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 9783471300046
302 Seiten
16,90 €

Das Buch ist auch als Taschenbuch für 8,95 € erhältlich.

© Text: Nicole Rensmann

© Cover: List Verlag

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