Gefördert wird, wer einen kennt?

Das Land NRW bietet jährlich vielschichtige Förderprogramme, Preise und Stipendien für Kulturschaffende. Das ist wichtig. Überhaupt gibt es viele Wettbewerbe und Ausschreibungen für künstlerisch Ambitionierte – mit Einschränkungen. Natürlich.

Wer älter als 35 Jahre alt ist, schon ein Buch veröffentlicht hat oder noch nie eins bei einem Verlag publiziert hat, wer eine Frau ist oder ein Mann, hat – je nach Ausschreibung – Pech. Aber so sind in diesen Fällen die Regeln, und Grenzen muss es geben. Verständlicherweise.

Anders sieht es bei den Förderprogrammen und Preisen aus, bei denen Eigenbewerbungen ausgeschlossen sind, der Künstler kann sich mit seinem Werk also nicht selbst bewerben. Der Verlag oder Illustrator darf es aber auch nicht. Wer soll dann den Künstler vorschlagen?

Eine Persönlichkeit! Ein Jemand! Ein Etwas!

Was aber, wenn der Künstler keine Persönlichkeit, keinen Jemand und überhaupt sonst keinen kennt, der vorschlagen darf und würde?

Dann hat er eben auch Pech gehabt.

Förderung bedeutet, so der DUDEN, Aufbau, Beistand, Fürsprache, Gönnerschaft, Hilfe, Protektion, Unterstützung.

Gefördert sollen Menschen werden, die in einer Situation schwächer sind. Die Förderprogramme fördern Künstler, die den Sprung in die große Welt und an eine breite Öffentlichkeit noch nicht geschafft haben und ein bisschen Unterstützung bedürfen. Aber nur diejenigen, die jemanden kennen, der vielleicht einen kennt, der sie vorschlägt.

Der kleine Autor des kleinen Verlags muss also hoffen, dass der Verlag jemanden kennt oder der wiederum jemanden kennt, der jemanden kennt oder dass irgendwo da draußen einer lebt, der ihm wohlgesonnen ist, der eine Bewerbung einreichen kann und will.

Große Verlage warten nicht. Vielleicht?! Erkaufen Sie sich den Wohlgesonnten, wie einen Präsentationstisch im Buchhandel (ja, so ist das heute)? Oder gibt es dafür spezielle Abteilungen in den Verlagen, die zuständig dafür sind, die Bücher entsprechend vorzuschlagen?

Empfehlen sich Autoren mit großem künstlerisch-journalistischem Umfeld gegenseitig, so wie sie sich gegenseitig auch schon mal positive Rezensionen schreiben (wird gemunkelt)?

Möglicherweise genügt es auch über ausreichend Frechheit zu verfügen, das Werk von seiner Oma einreichen zu lassen oder sich selbst neu zu erfinden.

Ich weiß es nicht.

Eigenbewerbungen sind problematisch und gehören somit nicht zu den Wettbewerbsbedingungen. Nachvollziehbar. Aber wenn nicht der Verlag und auch nicht der Autor selbst sein Buch vorschlagen kann, der Geldbeutel für Zufallsspenden zu klein, das Vitamin B auf der Strecke geblieben ist, die regionale Presse müde ist über Neuerscheinungen der regionalen Autoren zu berichten und unbekannte Autoren, wie der Name sagt, eher unbekannt sind –  wer soll dann das Buch einreichen?

Vielleicht ist es schlecht, das Buch. Vielleicht ist es das wirklich. Obwohl – und das wissen alle längst – Bekanntheit und Erfolg nicht immer mit Können verknüpft sind und – umgekehrt – Erfolglosigkeit und künstlerische Anonymität nicht mit minderwertiger Werksqualität zusammenhängen muss.

Aber wie sollen Entscheidungsträger, die vom großen Wettbewerb des  literarischen Marktes mehr abhängig zu sein scheinen, als von der Qualität jedes einzelnen Künstlers, alle Bücher erhalten, wenn nicht jeder sie einreichen darf. Wer darf überhaupt? Wer ist dieser Wer?

Wer soll  wissen – oder sich selbst ein Bild darüber machen können –, ob das Buch gut oder schlecht ist, wenn es auf dem Markt nicht mal präsent sein kann, weil der Verlag sich keinen Präsentationstisch in der Buchhandlung leisten kann? Wer soll ein Buch einreichen, wenn der Autor sich weigert mit Mr. Vitamin B zu arbeiten und sowieso keinen kennt, der einen kennt, der eine Persönlichkeit ist, die ihm wohlgesonnen sein könnte?

Wie soll ein Förderpreis fördern, wenn nur diejenigen gefördert werden, die schon jemanden kennen, der sie fördert?

Wenn ihr einen kennt: Reinschauen, bewerben, mitmachen, weitermachen!

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