Gelesen: »Tausend kleine Schritte« von Toni Jordan

Erster Satz: »Alles zählt.«

272 Seiten, 4 Buchstaben im Vornamen Toni, 6 im Nachnamen Jordan, 5 im Verlagsnamen Piper und viel zuviel Apfelsinen-Wirrwarr auf dem Cover. Unzählbar! Letzteres würde der Hauptperson Grace sicherlich nicht gefallen, denn Zahlen sind ihr Leben. Sie zählt und vermisst alles, was zählbar ist, inklusive der Mohnstreusel auf dem Kuchen, den Borsten an ihrer Zahnbürste oder die Länge der Finger. Diese Art der Bewältigung eines traumatischen Erlebnisses treibt sie soweit, dass sie ihren Job als Lehrerin verliert und schlimmer: Die kleinste Abweichung ihres sekundengenauen Rhythmus mit den Zahlen wirft sie aus der Bahn.
Dann lernt sie einen jungen Mann kennen. Er ist fasziniert von der attraktiven, geheimnisvollen Frau. Doch weil er sie so liebt, will er hinter ihr Geheimnis kommen und ihr schließlich helfen. Ein großer Fehler.

Die australische Autorin Toni Jordan erzählt von den großen und kleinen Macken, die der eine als Zwangsneurose bezeichnen würde, ein anderer schlichtweg als Spinnerei. Und das gelingt ihr fabelhaft. Die Hauptperson erobert nicht nur das Herz von Seamus, sondern auch das des Lesers und zwar wegen ihres Zählticks, den sie mit Witz, Charme und Selbstironie darstellt. Toni Jordan gelingt es sowohl Grace in ihrer Zählhochphase treffsicher zu beschreiben, als auch die Grace, wie sie auf Drogenwolken ihre Veränderungen mit wenig Wohlwollen, dafür aber einer fast schon übertriebenen Portion Sarkasmus, wahrnimmt. Zudem bietet »Tausend kleine Schritte« kleine Überraschungen und Wendungen, die der Leser erhofft, denn mitzählen kann fast entspannend sein!
»Tausend kleine Schritte« bietet einen tiefen Einblick in die Welt einer Person, die sich an Zahlen hält, um zu überleben. Und zeigt, dass auch Macken individuell und liebenswert sein können und dürfen!

Fazit: Ein tolles Buch!

Toni Jordan
Tausend kleine Schritte
Piper Verlag
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN 9783492259637
9,95 €

Das Buch ist auch als Hardcover für 16,95 € erhältlich.

© Cover: Piper Verlag

© Text: Nicole Rensmann

3 Kommentare:

  1. Hallo und guten Morgen Heinrich

    Leider hab ich das Buch noch nicht, erstens ist mein SuB noch relativ gross und hab grade den Kopf zumlesen nicht so frei, hoff das ändert sich bald wieder und meine wunschliste ist so gross (854) da geht das mit dem Abbauen nicht so schnell *lach*

    Das mit dem Helfen, lernt man dann ganz schnell wenn man dazu verdammt ist nur zu zu sehen. Und ja, manchmal ist nicht helfen die grössere Hilfe.

    Andere Menschen ändern, ne das kann und will ich auch nicht. Nur wenn ein Mensch nicht ändert, das wünsch ich keinem, denn das würde heissen das er sich nicht mehr weiter entwickelt. Aber sonst, ja, den anderen so akzeptieren wie er ist, oder die Konsequenzen ziehen.

    Tja, würden wir das schnell umsetzen können, all das, bräuchten wir nicht auf die Welt kommen 😉 Einiges können wir ändern, anderes gelingt nicht immer und wiederum anderes, an dem arbeiten wir das ganze Leben lang.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

  2. Ich kenne das Buch nicht. Wenn ich mal über dieses Buch stolpere, liebe Alexandra, dann reiche ich es an Sie weiter. 😉 Aber vermutlich haben Sie es inzwischen. Denn Wunschlisten werden mal schneller mal langsamer abgearbeitet. Würden sie nie abgearbeitet, verblassen die Wünsche oder reihen sich bei den Träumen ein.

    und ihr schließlich helfen. Ein großer Fehler.

    Dieser Satz hat Erinnerungen geweckt und lässt Vermutungen aufkommen, die meine Erfahrungen bestätigen, dass „Hilfe“ ganz oft versagen kann und manch gut gemeinte Hilfe sogar Schaden anrichten kann.
    Hilfe will gelernt sein. Ein Helfersyndrom qualifiziert ganz und gar nicht, einem Menschen in Not wirklich zu helfen. Hilfe kann sehr schmerzhaft sein – für beide.

    Eigentlich will ich so etwas gar nicht mehr lesen, dass etwas nur noch schlimmer wird, dass Hoffnungen geweckt werden, die nicht erfültt werden können, oder dass ein Mensch einen anderen Menschen „ändern“ will, was niemals funktioniert. Ein „geänderter“ Mensch wäre ein anderer Mensch. Leichter ist es zu versuchen, einen anderen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist. Und wenn dieser Mensch SELBST sein Verhalten oder seinen Lebensweg änderen möchte, um gesund oder zufrieden zu werden, dann kann man ihm dabei sehr gut helfen, wenn man das mit allen Kräften unterstützt und akzeptiert.

    So denke ich mir das. Aber ich habe es noch nie geschafft! 🙁
    Diese Fähigkeit steht noch unerfüllt auf meiner Wunschliste.

    Gruß Heinrich

  3. Liebe Nicole

    Dieses Buch hab ich schon ne ganze Weile auf meiner Wunschliste. Aber leider hatte ich noch nicht das Glück über dieses Buch zu stolpern *gg* Aber nach deinem beitrag hoff ich umsomehr das ich es mal in die Hand bekomme 😉

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    Alexandra

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