Interview Uwe Gerritz – Oktober 2001

Bei der letzten Aufräumaktion stieß ich auf ein Interview, das ich bereits im Oktober 2001 mit dem Schauspieler Uwe Gerritz per E-Mail führte. Obwohl das Interview auf stephen-king.de zu lesen ist, soll es hier noch archiviert werden. Uwe Gerritz spielte im Jahre 2001 den Autor Paul Sheldon in Frankfurt auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“.
Paul Sheldon dürfte Stephen King Lesern aus dem Roman »Misery« bekannt sein, der von seinem Fan Nummer Eins entführt und gezwungen wird, einer Geschichte ein anderes Ende zu geben, als ursprünglich erdacht. Zusammen mit seiner Kollegen Stefani Kunkel spielte Uwe Gerritz dieses Zwei-Mann-Stück über das ich ihn anlässlich der Premiere im Oktober 2001 befragte. Uwe Gerritz, geboren 1965, ist bekannt aus TV-Serien wie »Verbotene Liebe«, »Die Kommissarin«, »Ein Fall für Zwei« und Filme wie z. B. »Schwarz greift ein.«

Das von Simon Moore inszenierte Bühnenstück von »Misery« war seine erste Produktion mit dem Theater »Die Traumtänzer«.

Uwe GerritzIhre Schauspielkarriere, so wie die Ihrer Kollegin Stefani Kunkel, deutet auf eine Menge Erfahrung hin. Doch ist es bei einer 2-Personen-Bühnenaufführung nicht besonders schwer, Spannungen, Gefühle, Ängste auf Dauer zu halten und an das Publikum weiterzugeben?

Sie sprechen da gleich zu Beginn die wahrscheinlich größte Schwierigkeit der Aufführung an, zumal sich die Verhältnisse im Laufe des Stückes allmählich umkehren, und man sich zu jedem Zeitpunkt erneut bewusst machen muss, wie sich das Machtgefüge zwischen den beiden Charakteren gerade darstellt. Aber wir haben das oft und lange geprobt, und ich denke, dass wir gut vorbereitet sind.

Wie sind Sie an die Rolle gekommen, wie sind Sie zu Paul Sheldon geworden?

Die Idee zu dem Stück hatte Stefani Kunkel. Da wir schon vorher zusammen gearbeitet hatten und ich auch Jörg Zick noch aus „Schmiere“-Zeiten kenne, war ich gleich als Paul Sheldon im Gespräch. Ich hatte den Film „Misery“ schon einige Male gesehen und war sofort Feuer und Flamme.

Können Sie sich mit diesem zuerst etwas arroganten, später gepeinigten Schriftsteller identifizieren?

Ich hoffe, dass sich meine Arroganz einigermaßen in Grenzen hält. Und was das Gepeinigtsein betrifft: Stefani und Jörg tun alles, um mir die Identifizierung da so einfach wie möglich zu machen. 😉

Mussten Sie sich auf die Rolle des Paul Sheldon besonders vorbereiten?

Ich musste einige Kitsch-Romane schreiben. Nein, im Ernst: Jede Rolle erfordert bestimmte Vorbereitungsweisen. Wichtig ist für einen Schauspieler aber immer, dass er aus seinem (Lebens-)Erfahrungsschatz schöpft. Es gibt in „Misery“ durchaus einige Situationen, die mir aus meinem eigenen Leben bekannt sind. Weniger die Abhängigkeit von chemischen Substanzen, aber hilflos und ausgeliefert hat sich wohl jeder schon mal gefühlt. Sich daran zu erinnern und das gezielt bei einer Aufführung einzusetzen, das ist der „Trick“.

Haben Sie ein besonderes Vorher/Nachher – Ritual, wenn Sie spielen, bzw. gespielt haben, so wie Paul Sheldon es mit einem Glas Dom Perignon und einer Zigarette nach der Fertigstellung eines Romans handhabt?

Eigentlich bin ich Weintrinker, aber vor jeder Aufführung (jugendliche Leser bitte weiterblättern) trinke ich 1 Flasche Bier. Das ist tatsächlich zu einem Ritual geworden.

Gibt es eine Lieblingsszene, eine besonders schwere oder / und unangenehme Szene in diesem Stück, die Sie spielen?

Wenn Paul unter Todesangst alle seine Kräfte zusammenreißt, um einen Weg zur Flucht zu finden – das zu spielen finde ich sehr reizvoll. Unangenehm – hm, fragen Sie mich nach der Premiere noch mal.

Sicherlich wird es einige witzige Momente bei den Proben zu Misery gegeben haben! Können Sie uns von einem besonders heiteren „Missgeschick“ erzählen?

Das „Missgeschick“ (bitte die Anführungszeichen beachten) fand schon vor der ersten Probe statt: Stefani Kunkel wurde unerwartet schwanger. Sie hat sich aber entschieden, die Rolle trotzdem zu spielen und dafür zolle ich ihr größten Respekt. Ansonsten haben wir trotz aller Ernsthaftigkeit bei den Proben viel Spaß. Einmal brach mein improvisiertes Bett zusammen. Das hätte böse ausgehen können, aber ich muss dabei ein so dämliches Gesicht gemacht haben, dass wir eine Viertelstunde lang nichts anderes tun, konnten als lachen.

Dürfen Sie bereits verraten, ob Sie sich an die Drehbuchvorlage von Simon Moore vollkommen gehalten haben, oder ob das Drehbuch ein wenig entschärft wurde?

Einige redundante Passagen wurden aus Zeitgründen zusammenkürzt, vor allem, wenn Paul aus seinem neuen Manuskript vorliest, aber am Inhalt hat sich eigentlich nichts geändert (so weit ich das verraten darf).

Ich selbst konnte Misery bereits in meiner Heimatstadt miterleben. Dort wurde das Bühnenbild mit Licht- und Audioeffekten untermalt, um Spannung durch Schatten und Geräusche zu inszenieren. Wird etwas in der Art den Zuschauer auch in Frankfurt erwarten oder bleibt das ein Geheimnis?

Wir sind froh, dass wir Martin Grieben, Sänger von Jay und Songwriter für Ina Deter, für die Musik und die akustischen Effekte gewinnen konnten. Ich denke, das wird viel dazu beitragen, die Spannung rüberzubringen. Auch visuelle Effekte wird es geben, aber dazu kann ich im Moment nichts sagen.

Kannten Sie die Romane von Stephen King bereits, bevor Sie das Drehbuch gelesen haben? Was halten Sie von dem amerikanischen Schriftsteller?

Ich hatte bereits einige King-Verfilmungen gesehen, darunter wie erwähnt eben auch Misery. Die fand ich immer spannend oder auf sonst eine Art und Weise sehr unterhaltend. King-Fans sagen mir allerdings immer wieder, dass die Bücher die Filme noch bei Weitem übertreffen. Vielleicht sollte ich wirklich mal eines lesen.

Wenn Sie Stephen King lesen, gibt es ein Lieblingsbuch oder auch einen Lieblingsfilm, der auf seinen Erzählungen basiert?

„Die Verurteilten“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, und ich habe ihn jetzt schon drei- oder viermal gesehen. Er wird oft im Fernsehen gezeigt (gerade diese Woche lief er wieder) und das ist einer der wenigen Fälle, wo ich mich nicht über ständige Wiederholungen ärgere.

Welchen Protagonisten von Stephen King würden Sie gerne einmal spielen, sei es vor der Kamera oder auf der Bühne?

Anni Wilkes. Aber nur wenn Stefani Kunkel Paul Sheldon spielt. Dann könnte ich es ihr endlich mal heimzahlen.

Vielen Dank für dieses Interview und Toi, toi, toi für die Premiere und natürlich alle weiteren Aufführungen!

Ich habe zu danken.

P.S. Uwe Gerritz hat sich auch mit einem Beitrag an der Anthologie »Gedanken im Sturm« beteiligt.

© Foto: Uwe Gerritz


 

Ein Kommentar:

  1. Pingback: Rezension: »Finderlohn« von Stephen King – Nicole RensmannNicole Rensmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.