Berufsbezeichnung?

Werde ich nach meinem Beruf gefragt, stehe ich vor einem Problem. Denn eine ehrliche, exakte Antwort ist nicht mit einem Wort erledigt. Muss ich Formulare ausfüllen und soll meinen Beruf angeben, ist die Zeile nie ausreichend. Kürzlich habe ich, nach einem Lachanfall – etwas hysterisch zugegebenermaßen – „Autodidakt“ angegeben. Ich habe eine Ausbildung als Büroangestellte.  Das war der Grundstock für vieles, das ich heute noch praktiziere. Irgendwann danach begann ich mit dem Schreiben. Ich wollte aber nicht nur vor mich hinschreiben, ich wollte damit Geld verdienen. Das ist machbar, es reicht nur nicht fürs Leben. Trotzdem: Ich bin Schriftstellerin. Ich stelle meine Schriften der Öffentlichkeit vor und erhalte dafür Geld.

Viele Jahre – bis 2010 – habe ich auch zahlreiche Interviews geführt und Rezensionen geschrieben, Artikel verfasst und Recherchen durchgeführt. Ich bin in den Journalismus eingetaucht und war dabei vermutlich ehrlicher als so manch einer, der die Journalistenschule besucht hat. Fällt aber weg, denn davon habe ich mich zur Ruhe gesetzt.

Ich führe seit einem Jahr Kreative Schreibkurse durch. Als Lehrer möchte ich mich aber nicht bezeichnen. Wenn Zeit vorhanden ist und das Geld knapp, schreibe ich für Agenturen Content-Texte, die von anonymen Auftraggebern gefordert werden.

Außerdem betreibe ich mit meinem Mann zusammen einen PC&Büro-Service. Dafür mache ich natürlich den kaufmännischen Kram, ich suche nach Problemlösungen oder vergleiche neue PCs für Kundenangebote, ich setze Webseiten um, erstelle Flyer, führe Schulungen durch – alles, was rund um PC und Büro anfallen könnte und das ist oft überraschend neu. Auslernen gibt es nicht. Wir ergänzen uns gut, können aber auch den Job des Anderen übernehmen.

Außerdem ist da noch GPS2all – das kleingroße Anhängsel des PC-Services – die Satellitenortung für Personen, Tiere und Fahrzeuge.

Werbung, Entwürfe, Bürokram, Buchhaltung, Steuer … mache ich.

Gestern waren wir auf einer Messe zum Thema Demenz und haben das System vorgestellt. (Rumstehen schmerzt).

Ansonsten habe ich Kinder. Nur zwei. Und Tiere. Nur zehn. Ich kann auch noch Haare schneiden. Für eine Zottelfrisur reicht es. Zum Friseur gehe ich selbst schon lange nicht mehr. Was mir fehlt? Tanzen. Und einmal wieder Urlaub am Meer. Aber dafür ist keine Zeit.

Ehrenamtlich engagiere ich mich zurzeit für unsere Kirchengemeinde. Das ist, wie alles andere, eine sehr interessante und neue Erfahrung, auch für den Geist.

Vor vielen Jahren sagte mir der deutsche Schriftsteller Uwe Anton: „Es ist immer gut, als Freiberufler zweigleisig zu fahren.“

Ich fahre mehrgleisig. Ich bin  kein Workaholic, sondern Überlebenskünstler.

Ja, ich glaube, das wäre die richtige Bezeichnung – aber ob das bei Versicherungen oder beim Finanzamt gilt? Ich kann es ja mal ausprobieren. Bei „Autodidakt“ hat sich auch keiner beschwert! 🙂

Und wenn ich demnächst einen Bestseller landen würde? So einen richtigen, mit 500.000 Verkäufen und darüber hinaus? Dann gäbe es nur noch die „Schriftstellerin“. Das wäre einfach – aber nicht so vielseitig.

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