NIEMAND stellt vor: Die Niemandsburg

Wir hatten bereits das Haus der Laberköppe und das Haus vom Nikolaus. Aber natürlich muss Niemand auch irgendwo wohnen. Das ist seine Burg. Die Niemandsburg. Eigentlich gehört sie ihm nicht und er lebt auch gar nicht gerne dort.

„Niemand Sonst starrte aus einem der Burgfenster seines Zimmers. Der Vater des Herrschers sollte ein herrschaftliches Schloss besitzen, aber sein architektonisches Wissen hatte nur für eine Burg gereicht. In den unzähligen labyrinthartig angelegten Gängen verlief er sich mindestens einmal in der Woche, aber davon hatten seine Untertanen keine Ahnung, und wenn sie es wussten, schwiegen sie, denn sie fürchteten sich vor Niemand Sonst, wie sonst vor niemandem. Sein Besitz verfügte über mehrere Verliese, die jedoch meist unbesetzt blieben. Auch die Räume füllte er nicht mit Leben, danach strebte Niemand Sonst nicht. Besucher und Gefangene brachten Unruhe, Arbeit und Dreck. Weitere Kinder blieben ihm, den Stinkstiefeln sei Dank, erspart. Er hatte diese Burg kurz nach Niemands Geburt errichten lassen, es war ihr Wunsch gewesen. Nicht, dass er Wünsche erfüllte, dafür fühlte sich Fräulein Klimper verantwortlich. Aber er sah im Erbauen seiner Burg den angenehmen Reiz, sich die Zeit zu vertreiben.“

Auch dieser Textausschnitt stammt natürlich aus „Niemand“ (Nicole Rensmann, Atlantis Verlag 2012) und die Grafik von Timo Kümmel!

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