In Gedenken: Dirk Bach *23.04.1961 – 01.10.2012

Dirk Bach ist tot.

Eine Meldung, die mich schockt, die mich fassungslos auf den Bildschirm starren lässt, Tränen in den Augen. Ich gebe es zu. Dann sind es Worte, die hinaus wollen, wie immer, wenn ich traurig bin oder die Welt nicht verstehe. Ich verstehe die Welt nie.

51 Jahre ist er alt geworden, nicht viel. Er hat viel erreicht, längst nicht genug, und ist viel gewesen, für viele Menschen – hoffentlich hat er das zu Lebzeiten gewusst. Ich wünsche es ihm.

Seine Webseite ist karg, ein Foto, eine Adresse – mehr nicht. Eine Facebook-Seite besaß er nicht, keine große, nur einen kleinen Eintrag, ich habe diese kleine Seite gern »geliked« – von Anfang an. Ich habe auch die in wenigen Minuten nach der Nachricht, er sei gestorben, eingerichtete »R.I.P. Dirk Bach«-Fanseite in meinen »Gefällt mir« – Links. Mir gefällt die Seite nicht. Aber jetzt hat er eine Facebook-Fanseite und eine fünfstellige wachsende Schar, die ihm folgt. Der Ruhm eines toten Promis.

Wenn Prominente sterben, dann – ich weiß nicht, wie es euch da geht – aber ich finde es dann: „Schade!“ oder „Es tut mir leid für die Hinterbliebenen!“ oder „Er war schon sehr alt und hatte ein ausgefülltes Leben!“ oder „Ach du Scheiße, schlimm!“

Bei Dirk Bach bin ich entsetzt und spüre da eine Lücke. Wie mag es nur all seinen Freunden gehen? Kaum vorstellbar.

Dirk Bach hat mich durch eine TV- und Theaterzeit begleitet. Ich mochte diesen dicken lustigen Knubbel gern. Ich sehe ihn neben Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder. Ich erinnere mich an Serien – nicht immer gut, aber oft. Ich fand ihn groß.

Ich mochte die Art wie er die Bücher von Walter Moers vorlas und nicht nur die. Mir gefiel seine Version von »Ich bin eine schlechte Idee« aus dem Musical von »Die 13 ½ Leben des Käpt`n Blaubär«, nach dem gleichnamigen Roman von Walter Moers. In der Sesamstraße wurde er zum Zauberer. Und mit Sonja Zietlow moderierte er das Dschungelcamp – das Dreamteam. Ohne ihn unvorstellbar. Diese buntschillernde, quietschvergnügte Kugel wird fehlen.

Nur wegen Dirk Bach wollte ich mir das Musical »Kein Pardon« von Hape Kerkeling ansehen. Doch seine Rolle hatte jemand anderer übernommen. Wir kauften keine Karten. War er krank?  In diesem Jahr und erst vor Kurzem, wirkte er bei einer Show blass und nicht bei sich. Und ich erinnere mich, dass ich sagte: »Der Dirk Bach sieht aber schlecht aus.« Vielleicht Zufall, jeder sieht schon mal schlecht aus.

Wenn ich schreibe, dann sehe ich Bilder vor meinem Auge, ein Film läuft in meinem Kopf ab, manchmal ein Bühnenstück, Actionszenen, Romantik. Personen verkörpern Wesen. Wer ist was? Der Trauerkloß und der Drecksack – nicht der am Anfang – der später (ihr wisst schon), das war für mich Dirk Bach.

Vielleicht, Hoffnung braucht jeder, vielleicht würde er »Niemand« so toll finden, dass er »Niemand« als Hörspiel aufnehmen würde. Eine verrückte Idee. Noch besser: Ein Theaterstück, so wunderbunt wie einst »Käpt’n Blaubär«. Dirk Bach hätte perfekt dazu gepasst. Nicht alle kleinen Ideen sind schlecht, aber sie sind alle verrückt. Jetzt will ich kein Theaterstück mehr.

Vor wenigen Wochen schickte ich ihm eine signierte Ausgabe von »Niemand«. Signiert – nebensächlich – aber mit einer Widmung, die über eine Seite lang ging. Ich widmete »Niemand« Dirk Bach, der im Wahn einer Niemand-Autorin, mir – nicht nur dem Drecksack, sondern auch dem Trauerkloß ein Gesicht gegeben hatte. Er wusste es nicht, ich versuchte es ihm zu erklären. Wie erkläre ich einem Mann, dass ich in ihm ein Drecksack sehe? Im Niemandsland ist nichts wie es heißt und doch genau das. Ich weiß nicht, ob er das Buch bekommen hat, ob er es überhaupt angeschaut oder eine Zeile darin gelesen hat. Ich weiß nicht, ob Niemand seinen Humor getroffen hätte, aber ich wollte ihm damit einfach zeigen: „Hey, ich finde deine Arbeit toll!“

Das habe ich noch nie vorher gemacht und nun habe ich ein komisches Gefühl und zugleich bin ich sehr froh, dass ich ihm mein Buch – mein Märchen – geschickt habe.

Phantasie und Hoffnung sind das Fundament eines Märchens und die Gedanken des Schriftstellers und Künstlers.

Nun ist Dirk Bach tot. Der Trauerkloß ist gestorben. Ich bin traurig.

Möge er in Frieden Ruhen und sein Werk ewig leben!

Mein Beileid aus vollem Herzen seinen Freunden, seiner Familie, seinem Ehemann!

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Copyrights, Fotos: Dirk Bach, Piper-Verlag
 
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