Wohnzimmerlesung mit Marcel Feige alias Martin Krist: Zwischen Lagerfeuerromantik und Tupperparty

Es war meine erste Wohnzimmerlesung. Weder als Autorin, noch als Zuhörer hatte ich bisher das Vergnügen. Und wie wir feststellten, war diese Wohnzimmerlesung am 31.10.2012 für alle Anwesenden eine Premiere.

Marcel Feige alias Martin Krist verloste auf Facebook im Rahmen der Marketingaktionen zu seinem Roman »Die Mädchenwiese« (Ullstein-Verlag, 2012) eine Wohnzimmerlesung. Wer eine Rezension auf amazon, in seinem Blog oder auf einer anderen Plattform postete, landete im großen Topf. Knapp 50 Rezensionen kamen so zusammen, 50 willige Wohnzimmerspender und Feige-Krist-Fans. Ich kannte nur eine Person davon persönlich – diese eine und Marcel Feige.

Diese eine Person – Sandra Frenzel – gehört seit fast 25 Jahren zu meinem kleinen Kreis bester Freundinnen. Diesen Status haben bei mir nur zwei Frauen, denn beste Freundschaft ist was sehr besonderes. Nun, wie dem auch sei. Wir giggelten vor der Entscheidung herum, standesgemäß zum Thema Schreiben: Was wäre wenn…

Marcel Feige kenne ich seit 1998/99. Damals besuchte er schon einmal Remscheid, weil er meinen Mann und mich zum Thema Stephen King befragte – ein Thema in dem wir Insiderwissen besaßen. Für Marcels »Das große Lexikon über Stephen King« (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1999) durften wir einige Infos liefern. Danach folgten weitere Zusammenarbeiten, auch im Rahmen des Portals »Mr. Fantastik«, das Marcel ins Leben rief und für das ich Rezensionen und Artikel schrieb.

Der Roman "Die Mädchenwiese" - Das Corpus Delicti, sozusagen. Im Oktober 2005 nahm Marcel dann bei der Lesenacht im Rahmen der »Nacht der Kultur« wieder in Remscheid teil, zu der ich verschiedene Autoren (z.B. Uwe Anton, Thomas R.P. Mielke, Frank Rehfeld) zur Lesung in die Klosterkirche einlud.
»Mr. Fantastik« starb, schon vor einer Weile. Marcel und ich gingen unserer Wege, jeder für sich, mit losem Kontakt.

Ihr wisst es längst: Sandra Frenzel gewann die Wohnzimmerlesung.

Und Marcel musste das dritte Mal ins Bergische Land fahren!

Wäre dieses zufällig anmutende Zusammentreffen in einem Roman geschehen, hätte es herbeigeschrieben ausgesehen. Ein schlechter Trick des Autors. Klischee behaftet und langweilig. Im wahren Leben war es lustig. Wir giggelten nicht mehr, wir lachten uns Bauchschmerzen an.

Kurz vor sieben traf ich am Halloween-Abend bei Sandra ein, die mich mit den Worten empfing: »Du kannst ja auch lesen. Marcel steht im Stau.« Doch Marcel kam nur kurze Zeit später.
Wir haben gegessen, viel gelacht, geredet und erzählt. Noch bevor es losging, tauschten Marcel und ich Buch gegen Buch – Mädchenwiese gegen Niemand –, signiert hinter den Buchdeckeln. Das hatte etwas von einer literarischen Tupperparty – allerdings deutlich besser, und es machte auch nicht »ffft«, wenn die Luft durch den Deckel raus gelassen wurde, die blieb drin – spannungsgeladen.

Dann sollte es aber auch bitte mal losgehen:
Marcel, perfekt platziert im Schaukelstuhl, las Ausschnitte aus »Die Mädchenwiese« auf seinem iPad. Bei dem mit Kerzenlicht beleuchteten Raum hatte die Technik Vorteile. Er hatte ausreichend Licht, die Zuhörer das entsprechende Ambiente.

Wir lauschten gespannt. Eine Stunde lang, ohne Unterbrechung. Gute Zuhörer.
Danach ergab sich eine sehr interessante Gesprächsrunde, nicht nur über »Die Mädchenwiese« oder das Schreiben im Allgemeinen, sondern auch über alltägliche Geschehnisse, den Wahnsinn im Menschen und die Tatsache, dass Thriller gar nicht so grausam sein können wie die Realität es manchmal ist.

Während Lesungen in Buchhandlungen, Schulen oder fremden Räumlichkeiten zwar oft wie ein Event anmuten, ein bisschen zurückhaltend, aber doch Großartigkeit verleihen, war diese Wohnzimmerlesung angenehm heimelig.

Lagerfeuerromantik mit Kerzenschein, spannende Geschichte, gutes Essen, feine Getränke.

Vielen Dank für die Möglichkeit, dabei gewesen sein zu dürfen. Mir hat es sehr gut gefallen, und  aus der Autorensicht interessante neue Aspekte gebracht. Wann kommt die nächste Lesung? Ich will mehr!

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