Ein Gedicht – Für Sandra

Keine literarische oder lyrische Meisterleistung, nur ein Gedicht aus alten Tagen, an das ich mich erinnerte, nachdem meine liebe Freundin mir ein Bild quasi auf den Frühstückstisch schickte. Das Bild erspare ich allen, die an einer Phobie leiden. Ich leide nicht darunter, muss aber solche Bilder von „bewundernswertverhassten“ Tieren auch nicht zu oft sehen! 🙂

Eine Hommage an ein „bewundernswertverhasstes“ Tier

Wenn du den Schicksalsfaden durchtrennst
wird sie tiefer und tiefer fallen
und auf den tödlichen Asphalt knallen.
Dass du dich jetzt nicht bekennst,
Ist klar, doch pass auf, dass du dich nicht verrennst,
gar verstrickst, so wie ihre Werke aus den Ecken wallen.

Warum Angst haben vor der Schönheit?
Bei jeder Wahl schafft sie den 1. Rang,
Die Beine, geschwungen schön und lang.
Der Haarglanz dank Sauberkeit,
Sie ist stets als echtes Top Modell bereit.
Von der Natur geschaffen, wippender Gang.

So manchen Mann bringt sie um den Verstand,
Wickelt ihn elegant und spielerisch ein.
Wie ein Geschenk verpackt glitzert er fein,
Manch einer, getötet nach dem Hochzeitsband
Oder getrieben bis an des Wahnsinns Rand.
Ich möchte hier niemals ein Männlein sein.

Doch: Lass sie ihres Weges gehen!
Sie fürchtet sich mehr als du vor ihr.
Rennt panisch fort mit Beinen zwei mal vier.
Sie kann dich nicht mal richtig sehen.
Nur fühlen und doch niemals verstehen,
in ihrer nie enden wollenden Gier.

Wenn das Wetter seine Pubertät auslebt,
beginnt sie tödliche Fallen zu bauen
Wie das manchmal so ist, bei den Frauen.
In der Hoffnung, dass jemand dran klebt
Wird mit Müh und Eleganz ein Netz gewebt!
Bist du ´ne Fliege, kann sie dir den Tag versauen.

Graziös wippt sie in der Sonne
An ihrem Silberglitzer-Seilchen
Zwischen duftenden, lilafarbenen Veilchen,
aber auch mit angenehmer Wonne
an der stinkenden Aschetonne
und bleibt dort für ein kleines Weilchen.

Sie ist die Top Killerin der Welt,
doch niemand steckt sie in den Knast.
Denn nach ihrer Tat, eilt sie stets mit Hast
In ihr Versteck, wie ein einsamer Held.
Wird sie erblickt, ein kreischender Schrei meist gellt
Unbeirrt arbeitet sie weiter, macht niemals Rast.

Du solltest sie schätzen, vergöttern gar
Sie zaubert Kunstwerke in den Morgentau
Ist immer ordentlich, ob Mann, ob Frau
Ihre natürliche Eleganz ist rar
Sie ist hilfsbereit, auch das ist wirklich wahr.
Ihr Haar ist seidig weich, schwarz, selten grau.

Ein Opfer von Gräueltaten, weniges Feine.
Von Jungen, die nicht sind bei Sinne,
Wurde sie geschmissen in die Rinne,
Bekam sie ausgezupft die Beine.
Du hast längst erkannt, wen ich hier meine.
Natürlich, ist doch klar: Es ist die Spinne!

Ach, dies einzigartige Getier,
Es besitzt Respekt, findet Anklang.
Doch plötzlich wird mir furchtbar Bang:
Ich fleh dich an, bleib weg von mir!
Es kreucht auf mich zu, hinfort mit dir!
Zwischen Angst und Ekel ein großes Gerang.

Nur schreien kann ich noch ganz laut,
Mich packt das Entsetzen, schüttelt der Graus,
Oh, wäre es doch nur eine Maus!
Wie sich das Vieh vor mir aufbaut.
Oh, Spinne, geh weg, wie es mir graut!
Erst erstarrt, dann lauf ich panisch raus.

© Nicole Rensmann
Remscheid, April/Mai 2000

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