Fortsetzungen sind blöd!? – Von Beweggründen und einem Schwur.

Ende_Artikel»Bücher mit offenem Ende und Fortsetzung finde ich doof.«
»Vier von fünf Sternen, weil eine Fortsetzung fehlt.«
So oder so ähnlich klingt es wiederholt in den Rezensionen über meine Bücher. Ich nehme mir das an, denke darüber nach – mit Herz, mit Seele und einem Ende.

Wie muss das Ende eines Buches klingen?

Bei einem Krimi ist es die Aufklärung eines Falls, das scheint eindeutig zu sein. Ein Sachbuch muss bis zum Ende aufklären und keine Fragen offen lassen, sofern es sich nicht um Esoterik, Magie oder Religion handelt. Ein Liebesroman braucht ein Happy End – ohne ist es kein Liebesroman – zwei treffen sich, verlieben sich, streiten sich, verlieren sich und finden sich am Ende wieder. So läuft das.

Ende gut – alles gut.

Klingt wie „Friede, Freude, Eierkuchen“, langweilig und erscheint dem Leben nicht angemessen. Aber will ich überhaupt in einem Buch eine Geschichte lesen, die – auch wenn sie phantastisch ist – dem realen Leben angemessen zu sein scheint?
Und wie soll das Ende bei einem Roman sein, der in keine Schublade passt, wie bei Science-Fiction, historischen oder phantastischen Romanen? Muss sich alles in Wohlgefallen auflösen oder in der totalen Zerstörung der Welt? Was ist das überhaupt? Ein Ende? Gibt es Richtlinien, Grenzen, Pflichten – das literarische Muss um ein Buch zu beenden?
Fragen – keine Antworten.

Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Also doch die atomare Zerstörung, die Übernahme der Erde durch Aliens, der gemeinsame Tod, Selbstmord, das eindeutige Ende mit dem neu begonnen werden kann? Nach einem Happy End lebt das Paar glücklich und zufrieden zusammen, und wenn sie nicht gestorben sind… und wenn doch? Wenn einer getötet wurde oder eine Krankheit überstehen muss? Dann beginnt Teil 2 – der Teil nach dem glücklichen gemeinsamen Ende. Es geht also immer weiter, aber dieses „Weiter“ möchte der Leser nicht wissen, das ist zu real. Ja?!
Bleibt nur der Weltuntergang, der den Tod der menschlichen Rasse und somit auch aller Protagonisten im Roman bringt. Dann endet jedes Buch in einer Katastrophe, aber es endet in jedem Fall. Bumm.
Ende tot – alles tot.

Ein Ende ist immer auch ein Anfang.

Das Ende einer Beziehung ist der Anfang einer neuen Freiheit.
Das Ende der Schulzeit ist der Anfang von Studium oder Beruf.
Das Ende eines guten Essens ist der Anfang eines Bauchansatzes.
Das Ende eines Happy Ends ist der Anfang einer Beziehung.
Und vermutlich ist das Ende eines Weltuntergangs der Anfang einer neuen Welt und einer neuen Spezies.

Bringt nur der Tod das Ende?

»Ein Ende ist immer auch ein Anfang.«

Hin und wieder stoße ich bei Rezensionen zu meinen Büchern auf die Aussage, dass das Ende zu offen sei. Kommentare derjenigen, die sich noch nicht selbst ein Urteil gebildet haben, lauten dann schon einmal so: »Ich mag keine Bücher, bei denen eine Fortsetzung geplant ist. « oder »Auch wieder so eine Geldmacherei.«

Falsch – zumindest bei mir.

Trotzdem entschuldige ich mich, liebe Leser, dafür, dass nicht alle meine Bücher mit einem eindeutigen Ende in sich abgeschlossen sind.

Ich verzichte nicht auf ein Ende, weil ich von vornherein eine Fortsetzung plane, denn auch ich bin kein Freund von Fortsetzungen, schon gar nicht von solchen, die nur aufgrund des Erfolgs entstanden sind. Ich bin eine kleine Autorin, im Kleinen erfolgreich, nicht im Großen. Offene Enden verfasse ich nicht bewusst, und schon gar nicht mit Hinblick auf die Tatsache, dass mich ein zweiter Band reich machen könnte. Das wäre nicht nur illusorisch, diese Art der Vorplanung wäre dumm.

Ich lese viel lieber Bücher, bei denen ich weiß, da kommt nichts mehr. Ich schreibe sie aber nicht gerne – zumindest scheint das in den letzten Jahren so zu sein.

Das ist kein Widerspruch in sich. Denn die Leserin Nicole Rensmann ist eine andere als die Autorin Nicole Rensmann.  Die Leserin Rensmann ist kritisch, aber nicht penetrant, sie ist anspruchsvoll, kann aber verzeihen, sie mag abgeschlossene Enden. Die Schriftstellerin ist kritischer, penetrant, ehrgeizig, verzeiht sich selbst keine Fehler, und hängt mit Herz und Seele an den Worten.
Aber enden meine Bücher wirklich offen – und wenn ja, warum?

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei …

Cover: CiaraAbgesehen von Anam Cara – Seelenfreund und den Kinderbüchern Die Staubfee und Die Hobbijahns, sowie die Auftragsarbeiten Mister Zed (Rettungskreuzer Ikarus) und Azaretes Weg (Atlan), das gebe ich zu, haben Firnis, Ciara und Niemand ein Ende, das eine Fortsetzung vermuten lassen könnte. Könnte, sonst nichts. Das sind drei Romane von – die Kinderbücher mitgezählt – acht. Eine Verallgemeinerung wäre unangemessenTitel_Hobbijahns. Und dennoch: Ich ziehe mir den Schuh an, er ist nicht gläsern, ich werde keine Prinzessin, aber er passt.

Auch Firnis und Ciara waren Auftragsarbeiten, die von den jeweiligen Verlagen an mich herangetragen wurden. Allerdings gab es kein starres Exposé, keine vorhandenen Figuren, keine Handlung, die weitergeführt werden musste, wie bei Azaretes Weg und Mister Zed. Ich hatte bei diesen beiden Serienromanen viel Freiraum, an ein paar Eckdaten musste ich mich natürlich halten.
Bei Firnis und Ciara hatte ich – bis auf wenige Vorgaben – alle Freiheiten, aber vielleicht zu wenig Zeit, die ich intensiver hätte nutzen müssen, und auch zu wenig Seiten, die gefüllt werden sollten, in jedem Fall noch nicht ausreichend Erfahrung. Denn eins ist bei diesen Büchern der Fall gewesen: Ich konnte mich am Ende nicht von den Protagonisten trennen. Im Laufe des Schreibens waren sie mir zu wichtig geworden. Ein Ende, ein wirkliches Ende, hätte nur der Tod bedeuten können. Andere Autoren mögen das belächeln, aber ich schreibe mit Herzblut und Bauchgefühl. Ein starrer Plot schränkt mich ein und dämmt meine Kreativität. Ich bin Idealist. Vielleicht sogar Individualist. Möglicherweise werde ich so nie eine reiche Autorin, aber eine zufriedene.
Aber es gibt bei diesen beiden Romanen noch einen anderen Grund: Firnis und Ciara entstanden für Verlage. Eine Fortsetzung hätte ich sehr gerne geschrieben – Gespräche gab es dazu -, sie wurden von den Verlagen aber leider nicht verlangt. Ich bitte um Verzeihung!

"Niemand" von Nicole Rensmann / Cover-Gestaltung: Timo KümmelBleibt noch eins: Niemand. Diese Geschichte entstand zunächst nur für mich. Niemand ist anders, in jeder Hinsicht. Seit Niemand da ist, hat sich für mich viel verändert. Das hängt nicht allein mit Niemand zusammen, sondern auch mit weitgreifenden Lebensumständen. Und eins ist klar: Niemand wird fortgesetzt, so oder so. Auch ohne Verlag, denn heute gibt es eBooks.

So ist das. Nicht anders. Kein Kommerz, kein Gedanke daran, mehr Geld zu verdienen. Nur ein Herz, eine Seele und die Lust am Fabulieren, immer weiter!

Fazit: Nicht immer steckt hinter einem offenen Ende auch eine geldgierige und boshafte Absicht! Nicht bei mir. Versprochen!

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