Schnitzler, Bachmann, Döblin, Tucholsky oder Rensmann – das ist hier die Frage!

Logo: blog.Nicole.Rensmann.deDie FAZ bietet einen stilechten Schreib-Stiltest mit anschließender Zertifikatvergabe. Ist natürlich alles Blödsinn, aber Herr Blöd und Frau Sinn haben einen herrlichen Humor und darum musste ich den Stiltest durchführen.
Mit einem kleinen Ausschnitt – und zwar einem schrägen G-Kapitel aus „Niemand“ habe ich meinen Stil getestet. Die FAZ bescheinigt mir folgendes:

Arthur Schnitzler

Ihr seid zwar nicht die FAZ, habt aber auch die Leseprobe verdient. Der Ausschnitt stammt aus Kapitel 2 von „Niemand“ (Atlantis Verlag 2012):

[Leseprobe Anfang] Gemeinsam eilten sie durch das hohe Gras, ohne zu bemerken, dass sie verfolgt wurden. Wer würde sich außer den Goldgelockten-Giganten-Greislingen anmaßen, dem Herrscher hinterherzuschleichen?

Goldgelockte-Giganten-Greislinge gehörten zu den gefährlichsten Geschöpfen der gesamten Gegend. Ihre Gier war gigantisch, die Gefräßigkeit gammamäßig groß, ihr Gebaren nach einem guten Gusto wurde gern mit Gleichgesinnten gestopft – was grundsätzlich gänzlich ganzjährig geschah. Goldgelockte-Giganten-Greislinge gab es – Gerüchte geben es gern gund … kund – in großzügiger Gesamtheit. Gleichwohl ein Greisling genügte, so grausam war die Gier nach golden glitzernden Gegenständen. Geraume Geologenzeit gelüstete den Goldgelockten-Giganten-Greislingen nach dem großen, glühenden Gestirn. Und gleich wer, der Gefallen an dem goldenen Gestirn kundgab, der ein glückliches Gemüt, gelbgoldene Haare – so wie Nina –, ein goldiges Grinsen oder gar ein glänzendes Gesicht hatte, wurde von den Goldgelockten-Giganten-Greislingen in Gefangenschaft genommen, zum G-Punkt gebracht und gefoltert. Güte gab es grundsätzlich gar nie! Die größte der gelbgoldenen Glut sollte ihnen gehören.

Sie galten als Gauner von gar grausigstem Gemüt, deren Gesellschaft unbedingt gemieden werden sollte. Wer ihnen gegenübertrat, Gründe galten nicht, sollte Gas geben, als sei Gevatter Tod geradewegs hinter ihm. Gleichwohl dieser gegenüber den Goldgelockten-Giganten-Greislingen gar nicht grausig genug war. Neben Gold galt das G als gigantisch grandios. Die Goldgelockten-Giganten-Greislinge giggelten gerne G-Wörter, wer das G vergaß, wurde getötet. Die Goldgelockten-Giganten-Greislinge gehörten zu den grausamsten, gefährlichsten, gefräßigsten, gierigsten, geizigsten, gruseligsten und gewissenlosesten Greislingen. Glücklicherweise gab es die Goldgelockten-Giganten-Greislinge im Niemandsland nicht mehr. Es sei denn, irgendwer hatte sie hereingelassen. [Leseprobe Ende]

Nun ist dieses Kapitel ja sehr schräg und so schreibe ich ja nicht immer. Also habe ich mir ein Stück aus dem Prolog von „Niemand Mehr“ (Arbeitstitel) kopiert. Ich wollte es jetzt wissen. Unbedingt.  Und was sagt die FAZ?

Ingeborg Bachmann

Und das klingt dann  so:

[Lesprobe Anfang – unveröffentlicht]
Der Schrottmann.
Er war nicht alt, er war nicht jung. Keiner wusste wie viele Jahre er schon lebte, woher er kam oder wann er die Gegend wieder verlassen würde. Nur wenige hatten ihn bisher gesehen, aber diejenigen sprachen gerne darüber, rühmten sich mit Mut und der Tatsache dem Schrottmann von der rostigen Schippe gesprungen zu sein. Und so wussten alle, dass seine Arme hervor schnellten wie die Zunge einer Kröte und sich seine Finger wie die Schreitbeine eines Krebses bewegten – sechs besaß er davon an jeder Hand, kalkweiß, lang und dünn, als hätte er sie Hibbel abgetrennt – nur die der Linken. Die Finger an seiner rechten Hand bestanden aus Osmium, mit Fingernägeln aus Diamantensplitter, schärfer wie die Krallen eines Tigers.
Mit seinen Zähnen aus rostigem Stahl köpfte er Nägel zum Frühstück. Die Schneidezähne des Schrottmanns, waren weiß wie neu gefallener Schnee, so eckig, wie ein gleichschenkliges Dreieck
und so spitz, als gehörten sie einem Vampir. Geschichten besagten, er habe sie Dracula gestohlen. Doch Geschichten wurden viele erzählt, hier im Land der Phantasie. Hier in dem Land, das Niemandsland geheißen hatte.
Jeden Tag fuhr der Schrottmann durch das Land, das einst von Niemand regiert werden sollte.

Vom Marktplatz klaubte er Piercings und Ohrringe, goldfarbene mit Patina, manche verbogen, alle blutig und mit grünem Glibber überzogen. Im gesamten Land entdeckte er Taler und Ketten, allesamt aus Gold. Er nahm sie mit. Der Schrottmann räumte auf. Das konnte er gut.
Gab es keinen greislingslosen, goldigen Goldgelockten-Giganten-Greislings-Schmuck, grapschte er grinsend großzügige Goldmengen gern gewalttätig ab. [Leseprobe Ende]

 Aber es geht noch weiter, gebe ich einen Ausschnitt von „Die Krammetsvögel“ ein – eine meiner historischen Kurzgeschichten, die ich sehr mag, heißt es:


Alfred Döblin

Und jetzt wirds albern, denn ich habe das 1. Kapitel von „Die Staubfee“ eingegeben – ein Kinderbuch, das ich vor mehr als zehn Jahren geschrieben habe.

Kurt Tucholsky

Hier musste ich doch sehr lachen. Mein Schreibstil scheint ja sehr vielseitig zu sein. Ob diese Zertifikate zukünftig bei der Verlags- und Agentursuche behilflich sind, vage ich zu bezweifeln, aber lustig ist der Stiltest auf jeden Fall. Und wie schreibst du?

 

© Texte: Nicole Rensmann

3 Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    ich habe eine Episode meines „Mygnia-Beitrages“ eingefügt.
    http://myheinrich.jimdo.com/episoden/zwischenfall-an-der-porta-westfalica/
    und habe als Ergebnis bekommen, dass ich wie Uwe Tellkamp schreibe.

    Dann habe ich noch eine Episode eingefügt
    http://myheinrich.jimdo.com/episoden/justiz-und-andere-irrt%C3%BCmer/
    und nun schreibe ich wie Uwe Johnson.
    Auch in meiner „Herbert-Geschichte“ http://myheinrich.jimdo.com/eine-geschichte/
    Wechseln sich Absatz für Absatz Uwe Tellkamp und Uwe Johnson ab.
    Also auf jeden Fall wie ein Uwe, nicht wie Heinrich oder Fritz. nein – wie UWE!

    Ich werde keinen weiteren Tests machen – nachher kommt heraus, dass ich wie Uwe Seeler schreibe. 😉

    Gruß Heinrich

    • Hallo Heinrich!

      Ich hoffe, es geht Ihnen und Ihrer Lieben gut?

      Ein Uwe zu sein ist vermutlich nicht schlecht, lässt sich auf jeden Fall viel besser merken. Und wer weiß, vielleicht hat Uwe Seeler ja ungeahnte schriftstellerische Talente! 😉

      Herzliche Grüße, Nicole

  2. Pingback: geekchicks.de » geekchicks am 12.07.2013 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre

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