LOST – episch, phantastisch und ein bisschen wahnsinnig

LostLOST ist für mich in vieler Hinsicht eine Premiere. Als die US-Serie das erste Mal im Fernsehen lief, gab es schon vorher zahlreiche Spekulationen und positive Stimmen über diese neue Serie.  Und nachdem Buffy oder Akte X längst beendet, aber in meinen Augen kein würdiger Nachfolger auf dem TV-Serien-Markt zu finden war, freute ich mich auf LOST. Und ich sollte es nicht bereuen. 6 Staffeln lang, die über sechs Jahre bis 2010 ausgestrahlt wurden, zeigte LOST die Geschichte zahlreicher authentischer Charaktere, die sich auf unterschiedliche Art nach einem Flugzeugabsturz entwickeln. So schien es in der 1. Staffel, doch schnell wurde klar, dass die Insel, auf der die Überlebenden gestrandet waren, ihre eigenen Geheimnisse birgt. Zufälle werden zum Schicksal. Die „Anderen“ –  erfahrene und dummerweise auch bewaffnete Bewohner der Insel, helfen den Gestrandeten nicht, sondern töten und kidnappen ohne Skrupel. Der Grund für ihr Verhalten wird erst im Laufe der Staffeln erläutert. Teilweise.
Luken werden entdeckt, Tode weisen Wege auf, ein Eisbär wird erschossen, ein seltsames Monster jagt über die Insel, eine Initiative verübte menschliche Experimente, eine verrückte Französin, ein U-Boot, ein Fl0ß, eine Zeitreise und ein – oder auch zwei, drei –  Spinner. Nicht zu vergessen die seltsame Zahlenfolge. Und da wäre ja noch eine Taste. Nur Schlagwörter, die versuchen, die Vielfalt von LOST zu verdeutlichen. Hass, Liebe, Wahnsinn, Mut und Verzweiflung. Gefühle gibt es ebenso reichlich in LOST. Auch Manipulation und fehlende Entscheidungskraft, Heldentum und Macht fehlen natürlich nicht.

Zahlreiche Fäden werden begonnen und miteinander verknüpft. Nach der 6. Staffel wird es einige offen Fragen geben, aber das macht nichts, denn LOST ist – so phantastisch die Story auch präsentiert wird – ein bisschen wie das wahre Leben.

Bisher habe ich mir noch nie eine Serie auf DVD geholt. Bei LOST war das anders. Das Besondere am erneuten Ansehen war ein Gefühl von Zurückkommen, ein Wiedersehen mit den Charakteren. Die 6 Staffeln musste ich nun nicht mehr auf 6 Jahre verteilen, es waren keine zwei Monate, und durch das intensive Schauen sind mir nun zaghafte stilistische Highlights aufgefallen, die dem Ganzen noch ein „Großartig“ drauf setzen. Die kleinen logischen Fehler kann ich übersehen.

Die 6. Staffel fällt zumindest am Anfang zu den vorherigen Staffel deutlich ab. Dafür ist das Ende nicht nur so, wie ich es von der ersten Folge an erwartet habe, sondern so emotional, dass die Papiertaschentuchindustrie ihre wahre Freude daran gehabt haben dürfte.

Was macht LOST aus?

Die Hauptcharaktere – und zwar alle Hauptcharaktere, die Bösen, die Guten, die vorher böse waren, die später böse wurden. Und auch die, die im Laufe der Handlung sich zum Guten wenden. Denn LOST zeigt, dass jeder Mensch eine gute und auch eine böse Seite in sich hat. Und jede Seite kann die Überhand gewinnen, wenn es die Situation erfordert oder die Verführung zu groß ist.

Die vielen Rückblicke, denen sich der Zuschauer ausgesetzt sieht, bringen die einzelnen Charaktere noch näher und zeigen deutlich, wie sie in den neuen Extremsituationen ähnlich oder auch völlig anders reagieren.

Ob Jack oder Kate, Sahid oder Hurley, Sun und Jin oder Locke – sie allen stecken in einem ständigen Zwiespalt mit sich selbst, hadern, zögern, preschen vor, sind überzeugt und müssen feststellen, dass sie falsch – oder auch richtig  – liegen.

Ich bin kein Serienjunkie und kann darum kein allumfassendes Urteil bilden. Aber von den Serien, die ich komplett gesehen oder – wegen nicht gefesselt worden sein – abgebrochen habe, gehören die Charaktere in LOST zu den in meinen Augen authentischsten. Selbst Sahid, der vor dem Absturz einen Job hatte, der ihn als skrupellos und empathielos ausweist, wird zum überzeugenden Herzensbrecher.

Mein Lieblingsprotagonist: Hurley. Der ist einfach klasse, Alter. Was die weiblichen Darsteller betrifft, mag ich Sun besonders. Auch wenn nicht sie es ist, die auf Jagd geht, Fährten sucht und Lösungen findet, so ist sie ein sehr starker und vielschichtiger Charakter. Das beste Paar sind natürlich Rose und Bernard. Ach, und überhaupt passen sie alle irgendwie miteinander zueinander. Denn bei LOST stimmen Gesamtbild und -handlung einfach richtig gut.

Und ich gebe es zu. Ja, auch ich habe damals und diesmal Lotto gespielt, auch etwas, was ich sonst nie mache. Welche Zahlen habe ich wohl verwendet?

4  8 15 16 23 42 

Gewonnen? Habe ich nicht. Ist vielleicht auch ganz gut so – nicht wahr, Alter?

Eine Empfehlung spreche ich nicht aus. Wer aber tolle Charaktere, eine verzwickte Handlung, interessante Wendungen, verrückte Ideen und eine Prise epischen Wahnsinn mag, für den ist LOST ein MUSS. Viel Spaß dabei!

LOST zum Nachlesen im Web: Lostpedia (in englisch)

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