Rezension: »Sommernachtsfrauen« von Keith Donohue

Donohue
Sein Debüt »Das gestohlene Kind« hat mich begeistert, darum interviewte ich den US-Autor 2009 für das Magazin phantastisch!. Sein zweiter Roman »Der dunkle Engel« – obwohl stellenweise etwas langatmig – wies interessante Aspekte der phantastischen Literatur auf, die mir gefielen. Könnte Keith Donohues dritter Roman »Sommernachtsfrauen« an meine Begeisterung über sein Debüt anknüpfen? Ich war gespannt.

Erster Satz: »Wir alle fallen mal!«

Der männliche Erzähler der Geschichte erwacht auf dem Fußboden seines Badezimmers. Er wurde nieder geschlagen. Eine blutende Kopfwunde und eine kurze Bewusstlosigkeit sind die Folge. Doch nicht nur das. Ein alter Mann – vielleicht sein toter Vater – (er scheint sich da nicht immer so sicher zu sein) sitzt nun neben ihm auf dem Badewannenrand, sieben Fahrräder liegen auf dem Rasen und acht (fast) nackte Frauen in seinem Bett. Alle Frauen haben eine Geschichte zu erzählen, nicht selten versuchen sie den noch namenlosen Protagonisten vorher zu töten. Sie beichten ihre Lebensgeschichte, in der ein Mann eine große Rolle spielt, selten jedoch eine gute. Alle Frauen stammen aus mehreren Epochen, und so verschieden stellen sich auch ihre Erzählungen dar. Der Leser bekommt ein Märchen über die Frau erzählt, die einen Mann liebte, der des Nachts zum Bär wurde, er taucht in die mittelalterliche Hexenverfolgung ein, geht mit einer Frau zur See, die sich als Mann verkleidet, schürft im amerikanischen Goldfieber mit oder muss sich mit dem Sklaven-Dasein auseinander setzen.  Alle Frauen tragen ein Schicksal und ein Geheimnis mit sich, dessen wahrer Zusammenhang sich erst am Ende des Buches offenbart.

»Sommernachtsfrauen« sind acht Geschichten über die Schicksale unterschiedlicher Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten. Acht Geschichten, eingewoben in eine Handlung, die so verworren und seltsam erscheint, das von Anfang an nur ein Ende vorgesehen sein kann. Diese acht Frauenschicksale, der teils sehr starke Erzählstil  und die Hoffnung, das Ende möge anders sein als vermutet, treibt den Leser zum Weiterlesen an. Das Buch beschäftigt einen, auch wenn es zugeklappt auf dem Tisch liegt.
»Sommernachtsfrauen« ist nicht unbedingt ein Frauenbuch, auch wenn der Titel dies vermuten lässt. Im Gegenteil, so empfand ich den Protagonisten nie als sympathisch, konnte mich aber auch nur selten mit den Frauen identifizieren. Zu Beginn wirkt die Handlung wie der erregende Wunschtraum eines Mannes und immer wieder stieß ich auf Ungereimtheiten im Handlungsablauf, die den Lesefluss hemmten. 
Die fast schon verrückt anmutende Story rund um die acht Frauengeschichten will einfach nicht so richtig passen. Außerdem fehlt dem Buch die Prämisse. Diese wird am Ende auf zwei Seiten kurz nachgeschoben, doch das war zu wenig, um aus dem Buch einen zusammenhängenden Roman zu machen. 

Keith Donohue erzählt die Geschichte von einem Mann und acht Frauen. Und auch wenn das Ende eine Erklärung für all diese Geschichten und die Zusammenhänge bietet, fehlt es den »Sommernachtsfrauen« an Entwicklung. Die acht Geschichten für sich alleine als Story-Band hätten, meiner Meinung nach, wunderbar funktioniert. Vor allem die erste Geschichte, die sehr märchenhaft daherkommt, gefiel mir sehr gut. Den Protagonisten, der am Ende Jack heißen wird, und sein wirres Dasein hätte es nicht gebraucht.

Fazit: Schön geschrieben, ziemlich wirre Handlung, aber durchaus mit einer interessanten Idee, die  mehr Logik verdient hätte.

Keith Donohue
»Sommernachtsfrauen«
Originaltitel: Centuries of June
Übersetzung: Sabine Herting
Hardcover mit Schutzumschlag
C. Bertelsmann Verlag, September 2013 
ISBN 978-3570011287
347 Seiten
19,99 €

Der Roman ist auch als eBook erhältlich.

 

Webtipps: 


Vielen Dank an C. Bertelsmann!

 

© Cover: C. Bertelsmann
© Text: Nicole Rensmann

Ein Kommentar:

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