Interview: »beSchreibBar«, 2004

Großes Blog-BildDieses Interview sollte im Juni 2004 im Magazin »beSchreibBar« erscheinen. Da es die Webseite dazu nicht mehr gibt und ich nie ein Beleg erhalten habe, weiß ich nicht, ob es jemals erschienen ist.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Schon als Kind habe ich gern und viel gelesen. Ich erinnere mich, dass ich bei einem Buch gedacht habe: »Das möchte ich auch können.« Doch diesen Wunsch verdrängte ich, so dass ich als Teenager lediglich Gedichte und Limericks gesammelt und selbst geschrieben habe.

Erst als ich 1993 in den deutschen Stephen King Fanclub KRAG eintrat und begann, u.a. für das Magazin, das wir herausgaben, zu schreiben, erwachte nicht nur von Neuem der Wunsch, sondern auch die Leidenschaft. Ich sprudelte über vor Ideen und verfasste Unmengen von Gedichten und Kurzgeschichten. 1995 schrieb ich dann meine erste Novelle: »Die Hobbijahns«, nach einer Idee meiner damals drei Jahre alten Tochter. Das Manuskript ist aber bis heute unveröffentlicht, so wie auch mein erster Krimi, was ich speziell in letzterem Fall heute für besser erachte.

Was schreibst Du bevorzugt und was am häufigsten? 

Gedichte schreibe ich seit Jahren nicht mehr. Ich habe mich auf den Phantastischen Bereich spezialisiert. Dieses Genre, sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene, liegt mir – und ich brauche meiner Phantasie keine Grenzen zu setzen. Allerdings recherchiere ich auch ausführlich für eine Geschichte, so dass durchaus Fakten darin vorkommen. Ferner arbeite ich seit 2002 als freie Mitarbeiterin für das Print Magazin phantastisch!, für das ich Interviews mit nationalen und internationalen Autoren und Schriftstellerinnen führe. Anfang dieses Jahres heuerte mich Marcel Feige für das Online-Magazin Mr. Fantastik an. Auch dafür schreibe ich Artikel und führe Interviews. Dieser journalistische Bereich ist sehr Recherche aufwendig, aber auch lehrreich. Ich versuche jedoch, das Schreiben von Erzählungen und das von Porträts und Artikeln die Waage halten zu lassen. Denn völlig ohne Geschichten zu erfinden, geht es nicht.

Worin siehst Du Deinen größten Schreiberfolg? 

Diese Frage musst du mir in 50 oder 60 Jahren nochmal stellen, wenn meine Hände so sehr zittern, dass ich die Tasten der Tastatur nicht mehr gezielt treffen kann, mein Gehör die Worte eines Lesecomputers nicht mehr vernehmen können und mein Augenlicht hinter dickem Brillenglas verschwunden ist.

Jetzt sehe ich jeden Ideenfunken, jede ausgearbeitete Spekulation und auch neue Veröffentlichung als Erfolgsmoment. Nach einer gewissen Zeit – in der ich mich weitergebildet und weiterentwickelt habe-, empfinde ich meine alten Geschichten jedoch als stilistisch unrein. Meine dazugelernten Erkenntnisse verpacke ich dann in einen neuen Roman. Ich freue mich das Erlernte anzuwenden, Sätze neu zu formulieren, bis sie sicher klingen und kein überflüssiges Wort mehr vorhanden ist.

Beschreibst Du uns kurz den Weg zu Deinem ersten Buch? 

Wie oben schon erzählt, schrieb ich mein erstes Buch »Die Hobbijahns« aufgrund der imaginären Freunde meiner Tochter. Danach folgte ein Krimi – für die Schublade – und anschließend schrieb ich »Philipp und Melanie«, ein Jugendroman, dem schon im Vorfeld der Veröffentlichung großes Interesse, vor allem aber auch böswillige Kampagnen zuteil wurden. Denn »Philipp und Melanie« ist zwar eine phantastische Erzählung, jedoch geht es darin auch um Kindesmissbrauch. Ich habe dieses Buch bei allen großen Verlagen angeboten und bekam relativ viel Resonanz, nicht die üblichen Standardabsageschreiben, aber auch keine Zusage. Schließlich klapperte ich im Internet die Kleinverlagsszene ab und landete bei dem Taschenbuchverlag von Gerald Meyer, der mir per E-Mail mitteilte, dass Philipp und Melanie für eine Veröffentlichung in Frage kommt. Damals hatte ich nur eine vage Ahnung von Verträgen und kannte mich in der Szene auch noch nicht aus. Ich besprach den Vertrag mit Uwe Anton, den ich aus meiner Zeit bei dem Fanclub gut kannte, ließ einiges neu eintragen und anderes streichen. Schließlich passte es – und so kam ich zu meiner ersten Buchveröffentlichung, die einige Probleme nach sich zog. Allerdings habe ich keinen Zuschuss bezahlt, wie die internetläufige Meinung an manchen Orten zu sein scheint. Doch der Verlag arbeitete leider nicht so, wie es zu wünschen gewesen wäre, so dass ich – nachdem die Erstauflage verkauft war – die Rechte an der Geschichte zurückverlangte. Das sind jedoch Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, die mich auch weiterbrachten.

Danach erschienen zwei Kinderbücher bei der K&C Buchoase, einem kleinen Verlag in Solingen. Und – nach einigen Umwegen – der Roman »Anam Cara – Seelenfreund« beim Atlantis Verlag.

Zwischenzeitlich erscheint im Januar 2005 mein fünftes Buch beim  Festa-Verlag: »Ciara« ist ein Vampirroman, weit entfernt vom klassischen Dracula, sondern nah dran am Vampirmythos.

Woher nimmst Du Deine Ideen?

Ideen liegen in der Gosse, hängen in den Bäumen, fliegen durch die Luft oder sitzen auf einer Wolke, schwimmen in einer dreckigen Pfütze. Ich greife nur nach ihnen, lasse sie mit meiner Phantasie verschmelzen und werfe das Ergebnis aufs Papier, feile und forme daran, bis ich sie dann einem Verlag vorlege.

Wer ist Dein/e Lieblingsautor/In?

Bis vor Kurzem habe ich stets Stephen King und Dean Koontz angegeben, deren Bücher ich bereits seit über 19 Jahren lese und keines ausgelassen habe. Und obwohl mir die neueren Werke von Stephen King (bis auf wenige Ausnahmen) nicht mehr so gefallen oder die Romane von Dean Koontz oft zu langatmig sind, lese ich sie nach wie vor.

Dazu bevorzuge ich sehr viel Sachliteratur und die Autoren, über die ich ein Interview ausarbeite, so wie derzeit Frank Schätzings »Der Schwarm«. Oder zuletzt »Der letzte seiner Art« von Andreas Eschbach und »Tintenherz« von Cornelia Funke. Bücher von Jonathan Carroll habe ich neu entdeckt. Aber es liegen auch noch die Bände des deutschen Fantasy-Epos »Die Gezeitenwelt« auf meinem Nachttisch.

Welches war in Deiner Jugend Dein Lieblingsbuch? 

Da fällt mir so spontan keins ein. Ich habe viel gelesen, alles was die Bücherei hergab und mir zu Weihnachten oder Geburtstag viel gewünscht, speziell Wolfgang Ecke und andere Kinderkrimis oder Detektivgeschichten.

Wie sieht Dein Schreibtisch/Arbeitsplatz aus? 

Nun, ich sitze an einem alten Schreibtisch, der vermutlich so aus dem Jahre 1940 stammt. Ganz links stehen zunächst mehrere Bücher über das Schreiben, zum Beispiel von Sol Stein oder James N. Frey und Ray Bradbury, außerdem ein Buch der Frankfurter Buchmesse mit allen Adressen der Verlage, sowie »Meine Rechte als Urheber« und »Die Steuern des Künstlers.« Daneben befindet sich ein Stapel Unterlagen zu meinem in der letzten Überarbeitungsphase befindenden Roman »Ciara«. Und da sind wir auch schon in der Mitte des Schreibtisches angelangt, wo der Bildschirm steht. Darunter liegen diverse Mineralien und Figuren, die ich von meinen Kindern oder guten Freunden geschenkt bekommen habe. Die Tastatur ruht auf einer beschreibbaren Schreibtischunterlage, die meist mit Notizen voll geschrieben ist. Rechts neben dem Bildschirm steht mein Drucker, auch daran kleben gelbe Haftzettel.  Daneben reihen sich diverse Sachbücher auf: unterschiedliche Lexika zu Fremdsprachen, Synonymlexika, Fremdwörterlexika, neue deutsche Rechtschreibung, Runenalphabete, 100-jähriger Kalender, Vornamenlexikon etc. Außerdem eine Box mit Stiften und eine weitere mit Zetteln.

Die Wand rechts neben mir ist komplett aus Kork, so dass daran Papierschnitzel, Bilder, Kalender und Informationen – sowohl privater, als auch beruflicher Natur – Platz finden.

Hinter mir steht ein Tischchen mit Ordnern und Ablagefächern. Der Schrank, der bis unter die Decke und ringsherum gebaut wurde steht zu einem Drittel ebenfalls voll mit Ordnern, Faxgerät, Drucker, Scanner etc.

Bei Recherchen ziehe ich ins Wohnzimmer um, weil dort doch der Großteil der Bücher sortiert lagert.

Wann schreibst Du und was brauchst Du um befriedigend schreiben zu können? 

Ich schreibe in jeder freien Minute. Morgens, wenn die Kinder weg sind, abends, an Wochenenden und Feiertagen oder wenn mein Mann frei hat.

Der Familienalltag ist oft unregelmäßig und stressig, so dass ich gelernt habe, sobald ich an meinem Schreibtisch sitze – oft mit Tee neben mir, dessen dampfende Aromen mir Ruhe spenden, angezündeten Kerzen und Musik im Hintergrund – sofort von Familie zu meiner Arbeit umzuschalten. Das funktioniert an neun von zehn Tagen.

Wie ist Nicole Rensmann privat? Was magst Du und was nicht? Welche Hobbys hast Du? 

Nicole Rensmann gibt es mehrmals, was für manche sicherlich eine grausame und anstrengende Vorstellung sein wird:

Die Mutter und Hausfrau, die Partnerin und Freundin, die Schriftstellerin, die Agentin und PR-Managerin. Alle Rollen versucht sie zu 110 % zu erledigen, was aufgrund äußerer Umstände und Zeitmangel nicht immer gelingen will. Sie wird 34 Jahre alt, ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei Kinder (Jasmin, Jahrgang 1992 und Ben, Jahrgang 1999). Mit ihrer Familie bewohnt sie die unteren beiden Etagen eines über 100 Jahre alten Dreifamilienhauses im Bergischen Land. Ihre Freude an Antiquitäten und Büchern spiegelt sich in der Einrichtung wider. Doch nicht der Besitz allein ist es, der ihr Begeisterung verschafft, sondern vor allem die Betrachtung.

Sie liebt den Frühling und hasst den Winter, sie mag Kerzen, Mineralien, Fantasy-Stofftiere und Blumen – jedoch keine abgeschnittenen, sondern lebende Pflanzen.

Und sie benötigt das Schreiben wie Sauerstoff und Nahrung zum Leben. Ihr Hobby ist ihr Beruf, sind die Bücher, die sie liest, ist die Musik, die sie hört, sind die Momente der Ruhe mit ihrer Familie und der Garten, in dem sie Entspannung und Ausgleich findet. Ihre Interessen sind vielfältig und werden in der Regel durch das Schauen von Dokumentarfilmen und Lesen von entsprechenden Büchern befriedigt.

Gibt es etwas, dass Du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Auch das ist eine Frage, die ich lieber in 50 Jahren beantworten möchte, dann wenn ich feststellen konnte, wie sich nach meiner eigenen Philosophie dauerhaft leben ließ. Aber ich versuche es mal so: Gebe niemals auf, egal welche Stationen du auf dem Weg anvisierst, egal welchen Wunsch du hegst, glaube stets daran und an dich. Übersehe die Neider und greife nach den Händen, die dir freundschaftlich entgegengestreckt werden, höre auf Kritik und lese, lerne, schreibe, bilde dich weiter, so wie es dir möglich ist. Und wenn du partout nicht mehr vorwärts oder rückwärts gehen kannst, dann scheue dich nicht um Hilfe zu bitten.

Aber denke daran: Nur du kannst etwas ändern, nur du allein. Doch Hilfe, einen Rat oder einen manchmal auch schmerzhaften und kritischen Tipp, anzunehmen, ist keine Schande, sondern zeugt von Mut und Willenskraft.

Ganz lieben Dank für Deine Geduld und Deine Antworten.

Ich habe zu danken und wünsche euch für die Zeitschrift viel Erfolg.

Ein Kommentar:

  1. Pingback: Nicole Rensmann bloggt! » Und noch was aus dem Archiv

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