Gelesen: »12 Years a Slave: Die wahre Geschichte« von Solomon Northup

cover_northupAls ich die Ankündigung zu »Twelve Years a Slave: Die wahre Geschichte« gelesen habe, musste ich sofort an Onkel Toms Hütte denken. Mit acht oder neun Jahren hatte ich eine Musikkassette, auf der die Geschichte Onkel Toms Hütte erzählt wurde. Diese Geschichte habe ich gefühlte 1000 Mal gehört. An ein Buch kann ich mich nicht sicher erinnern, aber an die Kassette und die Erzählung sehr wohl. Gänsehaut hat sie mir beschert und Spannung vermittelt, wie ein Krimi. Erst später habe ich verstanden, dass es sich nicht nur um eine erfundene Geschichte handelt, sondern Sklavenhandel zum Leben vieler Menschen gehörte. Entsetzen und absolutes Unverständnis darüber wie Menschen andere Menschen versklaven, foltern und missbrauchen können, begleitete mich von da an, wenn ich die Kassette hörte, die Faszination an der Geschichte verlor sich jedoch nicht.
Heute, ca 35. Jahre später, bin ich älter, das Unverständnis ist geblieben. Obwohl diese Geschichte, die Solomon Northup erzählt, mehr als 150 Jahre vorbei ist, werden auch heute noch Menschen als Sklaven gehalten, geschlagen, missbraucht, getötet. Unvorstellbar, aber leider die Wahrheit. Darauf braucht die Menschheit, die so oft von Gerechtigkeit und Menschlichkeit spricht, nicht stolz sein.

Stolz jedoch kann Solomon Northup auf sich sein, denn er hat Meisterhaftes geschafft: Er hat überlebt.
In seiner Geschichte erzählt er, ohne auf Effekthascherei oder künstliche Spannungselemente zu achten, von seinem Leben, das mit einem Mal eine furchtbare Wendung nimmt. Verheiratet, drei Kinder, eine eigene Farm – ein freier und strebsamer junger Mann – und immer auf der Suche nach Arbeit, so stellt er sich zu Beginn dar. Dann gerät er an die falschen Leute, die sein Talent als Geigenspieler zunächst gut bezahlen und ihn dann an einen Sklavenhändler verkaufen. Seine Geschichte liest sich ebenso spannend wie sich Onkel Toms Hütte anhörte, mit dem Unterschied, dass alles der Wahrheit entspricht. Er erzählt nicht allein von Sehnsucht und Leid, sondern auch von seiner Arbeit, erklärt die Baumwollernte oder berichtet von den Freuden, die alle Sklaven an den Weihnachtstagen verspürten. Tage, an denen sie frei bekamen und feiern durften. Drei Tage im Jahr. Obwohl er nicht wie ein Schriftsteller auf Stilmittel setzt, mit denen er den Leser zu fesseln versucht, liest sich die Geschichte spannend, er jammert nie, er versinkt nicht in Mitleid. Bilder entstehen im Kopf und im Geiste habe ich stets die Stimme des Synchronsprechers von Morgen Freeman im Kopf, der mir »Twelve Years a Slave: Die wahre Geschichte« von Solomon Northup vorliest. Eine wahre Geschichte eines Kämpfers, das Leben eines freien Mannes, der zum Sklaven wurde und alles entbehren und dafür Schreckliches erleben musste.

Steve McQueen verfilmte die Geschichte und erhielt dafür den Golden Globe im Jahre 2014. Bei der Verleihung des Oscars 2014 wurde »12 Years a Slave« als bester Film mit einem Oscar ausgezeichnet. Außerdem erhielten Lupita Nyong’o als beste Nebendarstellerin und John Ridley für das beste adaptierte Drehbuch je einen Oscar.

Die DVD ist ab Mai 2014 erhältlich. Ein Vorwort von ihm im Buch erzählt wie er auf Solomons Northups Geschichte gestoßen ist. Chiwetel Ejiofor verkörpert Solomon Northup, Hans Zimmer sorgt für den perfekten Soundtrack.
Im Buch sind einige farbige Bilder der Verfilmung enthalten.
Ich hätte mir dazu ein paar Seiten mit dem Originaltext gewünscht, denn die Sprache ist ein bisschen glatt gezogen. Das ist zur besseren Lesbarkeit ideal, aber ein Blick in die tatsächlichen Aufzeichnungen von Solomon Northup hätte ich sehr interessant und spannend gefunden. Zumal im Vorwort auf den etwas schwerfälligen Ausdruck des 19. Jahrhunderts eingegangen wird.

Fazit: Ich schäme mich dafür, dass mich diese wahre Geschichte gut unterhalten hat und bedanke mich dafür, dass Mr. Northup mich an seinen Gedanken und seinem Leben teilhaben ließ. Ein tolles Buch, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Lesenswert!

 

Solomon Northup
Twelve Years a Slave – Die wahre Geschichte
Taschenbuch
Piper Verlag , 02/2014
288 Seiten
9,99 €

Das Buch ist auch als E-Book, Hörbuch und mp3 Datei erhältlich und kann bei amazon oder z.B. bei der Buchhandlung Calliebe portofrei bestellt werden.

Webtipps:

 

Vielen Dank an den Piper-Verlag!

© Text: Nicole Rensmann
© Cover: Piper Verlag

Dieser Eintrag wurde von paperblog.de ausgezeichnet. Vielen Dank.

Mach es wie die Gebrüder Grimm: Erzähl es weiter.

3 Kommentare:

  1. Pingback: geekchicks.de » geekchicks am 01.03.2014 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre

  2. Hallo Christian!

    Ob ich mir den Film anschaue weiß ich noch nicht so genau. Das Buch hat – ähnlich wie „Die Straße“ – bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen, den möchte ich mit dem Film nicht zerstören.

    Beste Grüße

    Nicole

  3. Interessanter Lesetipp, muss ich mir mal vormerken. Und vielleicht sollte ich auch mal wieder ins Kino gehen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.