Kolumne: Religionen gehören abgeschafft?! Eine Überlegung wert?

NR-Logo»Religionen sind der Untergang der Menschheit und gehören abgeschafft!« Diese und ähnliche Aussagen habe ich vor einigen Monaten in einer Diskussion auf Facebook gelesen. Seitdem denke ich darüber nach – nicht unentwegt, aber immer wieder. Ich begann die Kolumne zu schreiben, legte sie zu den anderen begonnenen Gedankengängen. Reifungsprozess. Ich habe mir Zeit gelassen. Die Religionen betrachtet, die Menschen analysiert, aber keine umfassende Recherche durchgeführt. Denn ich habe vor allem darüber nachgegrübelt, ob die Abschaffung der Religionen die Menschen besser machen würde. Und ich bin zu einer eindeutigen Antwort gelangt:

Religionen führen zu Krieg, Mord, Vergeltung, Hass, zu Gewalttaten – im Namen Gottes.

Aber:

Religion ist nur ein Vorwand für Gewalt. Der religiöse Glaube dient als Alibi für eine große Menschengruppe, die in ihrer naiven und schwachen Denkweise alles bekämpfen muss, was nicht so ist wie sie selbst, oder nicht so denkt wie sie. Nicht erst die Kreuzzüge haben mit der Vernichtung der Andersgläubigen begonnen, schon davor und danach gab und gibt es Menschen, die aus religiösen Gründen töten.

Gäbe es keine Religion, dann fiele nur ein Streitpunkt weg; an dessen Stelle würde ein anderer rücken oder ein zweiter stärker ins Visier derjenigen treten, die Intoleranz, Dummheit und Aggression miteinander paaren. Dann kämpfen nicht mehr Muslime gegen Christen, sondern Weiß gegen Schwarz, Heterosexuell gegen Homosexuell, Amerikaner gegen Engländer, Rothaarige gegen Blonde, Leser von Liebesromanen gegen die Horror-Fanatiker und Veganer gegen Fleischesser. Keine Worte, sondern Waffen könnten es dann sein, mit denen sie aufeinander losgingen. Einen Grund findet der Mensch für einen Streit immer.

Auch  bei all dem Krieg geht es nicht um den Glauben an sich, sondern um das Andersdenken,  das Anderssein und die Angst der Menschheit davor.

Das ist der Grund für Krieg und Gewalt. Gestern, heute, morgen. Wer kämpfen will, der findet seine Ausrede für Tod und Gewalt – politisch oder persönlich. Dieses Denken und Handeln ist aber auch der Grund, sich dafür zu schämen, ein Mensch zu sein.

Religionen gehören abgeschafft?

Wie fühlen sich dann die Menschen,  die in ihrer Religion Kraft schöpfen, die in der Gemeinschaft ihrer Religion Hilfe finden und spenden? Abgeschafft gehören Gewalt, Intoleranz und Dummheit. Doch wer mit Petitionen und lautem Rufen die Abschaffung der Religion fordert, verschließt die Augen vor der wahren menschlichen Realität. Vor rund zehn Jahren habe ich mich intensiv mit dem heidnischen Glauben, dem Wicca- und Hexenkult beschäftigt. Eine Religion für die Gemeinschaft oder für dich allein. Ich habe mich auch, besonders in den letzten Jahren, mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt. Religionen haben mich schon immer interessiert. Tatsächlich besitze ich den Koran, und das schon viele Jahre lang – nur aus Interesse. Genauso wie mehrere Ausgaben der Bibel und Bücher über verschiedene Religionen der Welt.
Der Mensch ist es, der sich seine Religion so auslegt, wie es ihm im Moment in den Kram passt und beruft sich dann auf seinen persönlichen Gott.
Religion ist Macht. Religion ist Gewalt. Aber nur dann, wenn der Mensch sie falsch interpretiert und zu seinem Vorteil verwendet. Religion ist Liebe. Religion ist Hoffnung. Das klingt doch viel besser und ist ohne Fanatismus durchführbar.

Religion und Glauben – zwei wie Tag und Nacht

Religion wird unmittelbar mit dem Glauben verknüpft. Diese voneinander abzukoppeln wäre vielleicht die bessere Alternative. Wer seine Religion lebt, glaubt zwar; aber wer glaubt, der muss nicht unbedingt einer Religion angehören. Wer bestimmt denn, dass ich an einen Gott – welchen Namen er oder sie auch tragen mag – glauben muss?

Ich glaube an das Gute im Menschen!

Ich glaube daran, dass die Welt besser wird!

Ich glaube an dich!

Ich glaube an mich!

Das ist nicht meine persönliche Glaubensstrategie, diese Sätze sollen nur verdeutlichen, dass Glaube den Menschen Stärke und Kraft für das Leben gibt. Ohne Glaube kann ein Mensch nicht leben. Wer nicht glaubt, und sei es nur an sich selbst, hat sein Leben gelebt.

Die Gesetze der Religion

Die Lehren der zahlreichen Religionsformen sind alt und sollten nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand und dem – sofern vorhanden – intelligenten Wissen und der Logik interpretiert werden. Im Groben geht es in allen Religionen um die Gemeinschaft. Und das ist erst einmal nichts Schlechtes. Doch in einer Gemeinschaft gibt es oft jemanden, der das Sagen hat – und der Macht auf diejenigen ausübt, die jünger, kleiner oder schwächer sind. Es werden Aussagen aus den einstigen Gelehrtenschriften missbraucht oder zum Zweck der Gewalt und des Machthabens angewendet.
Lasst uns keine Kirchen und Moscheen bauen, sondern ein Glaubens-Haus, in dem alle Religionen und Gläubige Platz haben – gewaltfrei und offen.

Die zehn Gebote des Christentums

  • Das erste Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Letztendlich ist es nur eine überdimensionale, unsichtbare Macht, die dem Menschen Kraft geben soll. Ob sie nun Gott oder Diana heißt, ob sie Buddha oder Allah genannt wird, ist doch unerheblich. Ein bisschen mehr Toleranz würde hier vor Kriegen schützen.

  • Das zweite Gebot:  Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

Grundsätzlich sollte der Name eines Menschen oder Gottes nicht missbraucht werden, denn das gehört zum Respekt eines jeden.

  • Das dritte Gebot:  Du sollst den Feiertag heiligen.

Ein Gebot, das heute kaum noch durchführbar ist, auch wenn das sicherlich alle – jeglicher Glaubensformen – möchten.

  • Das vierte GebotDu sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Daran kann ich nichts Schlechtes sehen. Das sollte doch in jeder Religion so sein, nicht wahr?

  • Das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten.

DU SOLLST NICHT TÖTEN. Aus gar keinem Grund. Niemals, auch nicht aus religiösen Bekenntnissen.

  • Das sechste Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.
  • Das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen.
  • Das achte Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  • Das neunte Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
  • Das zehnte Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Wer möchte schon betrogen, belogen und bestohlen werden? Wer kennt es nicht, das Gefühl von Neid – aber nützt es? Meist nicht. Verständlich, dass einst Gott zu Moses sagte, er solle den Menschen diese Gebote lehren, damit der Mensch weniger Leid unter seinesgleichen verbreitet. Und selbst wenn es keinen Gott gibt und Moses nur ein Protagonist der Bibel ist: für welches der zehn Gebote lohnt es, Kriege zu führen, Menschen zu töten, seine eigene Familie und möglicherweise sein eigenes Leben zu verlieren?

Nun gibt es in manchen Religionen auch die Regeln, Vergeltung üben zu dürfen. Doch einen Gott zu ehren, heißt nicht, ihm kritik- und gedankenlos Folge zu leisten.  Im Namen Gottes zu handeln darf nur Gutes hervorbringen, aber keine Gewalt. Wer anders handelt, ist der Menschlichkeit und des gesunden Denkvermögens unfähig.

»Wahrer Glaube zeichnet sich dadurch aus, alle Religionen zu tolerieren und zu akzeptieren.« (Filamina)

Ich stelle mir vor, dass alle Gottheiten mit einer Vielzahl an Namen, unterschiedlicher Religionen an einem Ort leben, Mensch ärgere dich nicht spielen und sich darüber lustig machen, wie doof die Menschheit geblieben ist. Ich irre mich vielleicht. Ich glaube es – in diesem Fall – jedoch nicht!

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Kommentierte Webtipps:

  • Der Lehrerstuhl (blog) (leider existiert die Seite nicht mehr, 2015) hat sich Gedanken darüber gemacht, die Religion in der Schule abzuschaffen. Viele Fragen sind noch offen. Meine Meinung: Ja und Nein. Ein Religionsunterricht für alle Schüler, egal welchem Glauben sie angehören. Keine Ausgrenzungen, keine Teilung, sondern Aufklärung und eine große bunte Gemeinschaft. Nur so kann die Toleranz des Anderen und gegenseitige Akzeptanz des Glaubens gefördert und Angst genommen werden.
  • Matthias Kamann schreibt bei welt.de: „Schluss mit dem kirchlichen Psychogesäusel“ – ein kurzer Artikel mit viel Gesäusel und wenig Aussage. Sorry.

Buchtipp:

Ein sehr schönes Buch für Kinder, aber auch Erwachsene zum Thema Religion mit vielen anschaulichen Bildern: »Gott, Allah, Buddha  – und woran glaubst du?« – Leider nur noch gebraucht erhältlich.

Der Artikel wurde am 11.03.2014 von paperblog.de ausgezeichnet. Vielen Dank.

 

 

4 Kommentare:

  1. Pingback: Gelesen: »Vegan im Job« von Patrick Bolk – Nicole RensmannNicole Rensmann

  2. Pingback: Nicole Rensmann bloggt! » Wochenrückblick. Auf die Schnelle – das Wichtigste: Je suis Charlie!

  3. Danke-
    viel Stoff zum Nachdenken!
    Aber im Großen und Ganzen sprichst Du mir aus der Seele.
    Wenn ich die Zeitung aufschlage oder die Glotze einschalte wird mir immer wieder bewußt in was für eine wundervolle Zeit und genau in diesem Land hineingeboren zu sein, wo wir solche Themen völlig angstfrei besprechen können!
    Gestern Abend kam eine Doku über 3 Bloggerinnen aus Kuba, China und dem Iran, die wegen jedem Wort um Ihr Leben fürchten müssen.
    Danke – bitte mach weiter so.

    • Wobei wir trotz allem immer noch sehr viele Menschen haben, die diskriminiert werden – auch hier oder gerade in Deutschland. Wirklich offen für jegliche Lebensweisen sind längst nicht alle Deutschen. Leider. Aber du hast natürlich völlig Recht, es gibt viel zu viele Länder, in der eine eigene Meinung zum Tode führen kann. Das ist ein großer Rückschritt für die zivile Gesellschaft und sehr sehr traurig.

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