Wann kommt eigentlich Ihr nächstes Buch?


NR-LogoIn der Offline-Welt wird mir diese Frage häufiger gestellt. In der Online-Welt wird nur selten danach gefragt, denn online geht alles schneller, wirkt oberflächlicher und verschwindet in der Masse. Für gezielte Fragen, wann denn der zweite Band von NIEMAND erscheint oder ob es bis dahin noch einen anderen, neuen Roman gibt, bleibt keine Zeit. Das war mal anders, aber die internette Kommunikation beschränkt sich heute auf die perfekte Eigendarstellung.  Das ist bei mir nicht anders. Darum schätze ich diese andere Welt, in der die Sonne fühlbar auf der Haut brennt, der Wind meine Haare bewegt und die Luft zahlreiche Düfte transportiert. Dieses reale Leben fällt mir oft viel leichter, als die virtuelle Welt.
In der realen Welt tickt die Uhr etwas langsamer, und es bleibt immer ein Moment Zeit zum Plaudern. In dieser Welt werde ich öfters gefragt, woran ich zurzeit schreibe und wann es denn endlich wieder ein Buch von mir gibt. Diese Leute lesen meinen Blog nicht, sie sind nicht auf Facebook oder Twitter und surfen nur selten im Internet herum. Das gibt es. Sie werden diesen Eintrag nicht lesen, dennoch möchte ich die Antwort hier niederschreiben, schon alleine deshalb, um zukünftig konkret antworten zu können. Denn die Antwort auf die Frage, wann mein nächstes Buch kommt, ist gar nicht so einfach.

Ich ziere mich ein bisschen, denn für eine lange Erklärung bleibt meist auch im realen Leben keine Zeit, außerdem möchte ich meinen Gesprächspartner nicht mit meinem Leben langweilen, und doch müsste ich eine längere Erklärung abgeben, wenn ich diese Frage für beide Seiten ausreichend beantworten wollte.

Die Gründe sind vielfältig.

Ich arbeite gerne. Ich schreibe lieber, wobei Schreiben auch Arbeit ist. Aber ich verdiene auch gerne Geld. Zurzeit habe ich keinen Schreibauftrag für den ich einen Vorschuss erhalte und dann in einem meist eng gesteckten Zeitraum einen Roman abliefern muss. Wenn ich also schreibe, dann für lau und für die Ungewissheit, denn ob der Roman dann bei einem Verlag unterkommt, weiß keiner.

Als mein Mann noch ein „normaler“ Angestellter war, die Kinder kleiner und ich mich um Haushalt, Erziehung, Schule, Kochen, Finanzen – eben alles, was für eine Familie anfällt –  kümmern konnte, hatte ich viele Gedankenlöcher in denen ich Geschichten produzierte, die ich später niederschrieb. Termine für Gespräche mit Verlegern, Kollegen und der Besuch von Messen konnte ich wahrnehmen und in meinem Leben einordnen. Kreative Gedanken- und Schreibzeit hatte ich damals mehr. Seit ich bei und mit meinem Mann zwei kleine Firmen betreibe, kreisen die Gedanken um den nächsten Auftrag, den Steuerberater oder wie ich die Akquise optimieren kann. Ich bin nach wie vor selbstständig  – ständig und darüber hinaus. Aber in weiteren und mehreren Bereichen. Die kreative Gedanken- und Schreibzeit musste der Finanz aufstockenden Arbeitszeit weichen. Das ist hart. Manchmal paddle ich, als hätte ich Beine und Hände verloren kurz vor dem Untergang, weil mir das Schreiben und Geschichtenerdenken so fehlt. Ich weiß, ich kann es. Meine Romandateien sind immer auf. Ich schreibe zwei, drei Sätze, manchmal eine Seite. Ein langsames, aber sehr gezieltes Vorankommen. Unbefriedigend, ohne Termin.

Der zweite Teil von NIEMAND schreibt sich nicht in sechs Monaten, wie das bei früheren Romanen der Fall war. NIEMAND war und ist ein komplexes Gedankenspiel, das neue Wesen aus Wortspielereien kreiert und trotz der zum Leben erweckten Phrasen und Sprüche, muss die Logik passen. Das benötigt viele kleine Schritte. Ich arbeite gerne daran, aber es muss auch stimmen. Es wird also auch in diesem Jahr keinen zweiten Teil geben, davon bin ich bereits überzeugt. Sorry.
Allerdings sammle ich ständig „geflügelte Wörter“ (wobei das an sich ja schon eins ist), Phrasen und Schimpfwörter und kennzeichne mir schon, wo und wann diese Bezeichnungen im Roman auftauchen werden. Heute habe ich „reinen Tisch machen“ in die Liste eingefügt.  Passt natürlich perfekt in das Restaurant vom Nikolaus, wenn es das denn noch geben würde … aber das wird nicht verraten.

Der andere Roman, an dem ich arbeite, wird  nicht unter meinem Namen erscheinen. Doch auch hier schreibe ich nur in kleinen Schritten.

Nie hätte ich gedacht, dass sich mein Leben einmal so wenden würde, dass ich – auch wenn es schmerzt, das kreative Romane schreiben hinten anstellen muss. Ja, verdammt, es schmerzt, es macht mich traurig, ärgert mich. Aber es geht nicht anders.

Nun könnte ich die Blogfrequenz verringern. Das würde nichts ändern. Denn hier kann ich einmal abschalten, nur ich sein, ohne Gedanken, keine Kreativität vonnöten. Einfach runterschreiben, berichten, erläutern, erklären, die Welt kommentieren. Das ist Entspannung und von da aus geht es dann in eine Datei … irgendeine, in der ich weiter an den Romanen arbeiten kann. Bevor mich das Telefon aus meiner Schreibmeditation reißt und ein Kunde Hilfe benötigt.

Abgesehen davon habe ich in der letzten Woche ein Gedicht geschrieben. Das kennt noch keiner.  Nicht mal mein Mann, und ich weiß, wenn er das hier liest, wird er mich angucken und mehr wissen wollen. Aber frau braucht auch schon mal ihre Geheimnisse. Ich weiß auch noch nicht, wann ich bereit bin, es der Öffentlichkeit – online oder offline – zu präsentieren. Gedichte schreibe ich selten. Auch wenn wahre Lyriker der Meinung sind, Gedichte dürfen nicht aus Emotionen oder Sentimentalität geschrieben werden, ich schreibe sie, wenn mir danach ist – total sentimental-emotional.

Nun habe ich die Frage beantwortet. Aber wie soll ich in der realen – deutlich langsamer laufenden Welt – das meinem Gegenüber erklären, ohne Gefahr zu laufen, ihn zu langweiligen? Eben. Ich werde also weiterhin sagen: Ich arbeite daran.

3 Kommentare:

  1. Ich gucke meine Frau an und will mehr wissen.

  2. Pingback: geekchicks.de » geekchicks am 12.03.2014 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre

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