Gelesen: »Konfitüre, Marmelade & Gelee« von Stefanie Kleinjung

Cover: Konfitüre, Marmelade & Gelee von Stefanie Kleinjung (TreTorri 2014)

Cover: Konfitüre, Marmelade & Gelee von Stefanie Kleinjung (TreTorri 2014)

»Konfitüre, Marmelade & Gelee« von Stefanie Kleinjung ist bei TreTorri erschienen, und wie schon bei anderen hier im Blog besprochenen Büchern aus diesem Verlag* befinden sich mehrere Vorwörter darin. Voran hat der Verlag seine Freude über dieses Buch ausgedrückt. Verlagsvorwörter sind eine Wertschätzung für den Autor. Das sollten sich alle Verlage gerne als Vorbild nehmen – besonders in der heutigen Zeit,  in der es – auch und vor allem im Literaturgeschäft – nur noch um Zahlen und Konsum geht.

Stefanie Kleinjung – die Marmeladenmami

Stefanie Kleinjung ist Anfang Vierzig, Mutter von zwei Mädchen – Emily (17) und Romi (14) – und Unternehmerin von Leckerlieblichzuckersüßem (NIEMAND-Leser wissen mehr) und  Köstlichschmackhaftsenfigscharfem. Das alleine macht die Frau für mich sympathisch. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und bleibt sich, auch über Jahre hinweg, treu.

In Frankfurt geboren, verschlägt es sie im Laufe der Jahre nach Wiesbaden, wo Stefanie Kleinjung 2005 ihre Marmeladenmanufaktur eröffnet. Freunde und Familie sind zunächst nicht begeistert. Doch sie gibt nicht auf, und die Tatsache, dass sie nach über neun Jahren neben Marmelade nun auch Senf selbst herstellt und verkauft, spricht für sie. Bestellungen erhält sie aus Deutschland und freut sich auch über Stammkunden aus dem Ausland. Denn ihre Konfitüren und Senfe werden noch von Hand und mit viel Liebe gerührt. Das schmeckt der Kunde. Rund 70 Sorten des süßen Aufstrichs und ca. 35 verschiedene Senfsorten bietet Frau Kleinjung in ihrem Laden „The Princess Revolution“ und auf Ihrer Webseite an (Webseite und Shop existieren nicht mehr, Juli 2015). Auch eine kleine Auswahl für Diabetiker hält sie bereit.

Vermutlich anlässlich der Erstveröffentlichung Ihres Buches »Konfitüre, Marmelade & Gelee« im Jahre 2009 öffnete Stefanie Kleinjung einen Blog. Zwei Monate lang, im Mai und Juni, wurden dort Bilder und Rezepte gepostet, und auch wenn der Blog längst verwaist ist, sind die Rezepte noch abrufbar. Sie war bei vielen TV-Sendern zu Gast und hat dort vor allem ihre vielfältigen Rezepte vorgestellt.
So hat Frau Kleinjung im HR Fernsehen süß gekocht. Drei köstliche Erdbeervarianten stehen als Download beim HR Fernsehen zur  privaten Verfügung.
Bei der ARD stellt sie das Brombeer-Töpfchen mit Prosecco und das Pflaumentöpfchen mit karamellisierten Walnüssen vor. Auch diese Rezepte sind noch online.

All diese Variationen sind auch im Buch abgedruckt, zumindest in der Neuauflage, die im April 2014 mit neuem Cover erschienen ist. Wegen fehlenden Vergleichs kann ich nur mutmaßen, dass der Inhalt mit der früheren Ausgabe identisch ist.

Doch wer glaubt, so kostenlos an Rezepte zu kommen und sich das Buch nicht mehr kaufen  zu müssen, der irrt. Denn Stefanie Kleinjungs Buch bietet mehr als Vorwörter und eine Handvoll Konfitürenvorschläge.

Resteverwertung: 280 g Kirschen, 160 g Rotwein, ein Zweig Rosmarin, Zitronenabrieb, Prise Salz, 220g Gelierzucker 2:1

Resteverwertung: 280 g Kirschen, 160 g Rotwein, ein Zweig Rosmarin, Zitronenabrieb, Prise Salz, 220g Gelierzucker 2:1

Das Buch mit süßen Inhalten

Nach dem TreTorri Verlags-Vorwort folgt natürlich eins von Stefanie Kleinjung selbst, dann gibt es ein bisschen Theorie über die Wahl der richtigen Früchte,  Sauberkeit und Frische und eine Auswahl an Utensilien, die beim Konfitüre kochen hilfreich sind. Nicht alle davon müssen angeschafft werden. Ich koche seit einigen Jahren Konfitüre selbst – wenn auch nicht so meisterlich wie Stefanie Kleinjung -, aber es geht auch ohne Kupferkessel, Passiertücher, Flotte Lotte oder Schnabelschüssel. Auch wenn diese Geräte sicherlich hilfreich sind, so muss nicht alles von Anfang an vorhanden sein.

Interessant die kleine Wissenseinführung, die erläutert, dass in der recht jungen Konfitürenverordnung von 1982 festgelegt wurde, welcher Aufstrich Konfitüre, Marmelade und Gelee genannt werden darf.  Schön. Jetzt vergesse ich das auch nicht mehr so schnell. Am Ende bietet das Buch wertvolle Pannentipps und auch die Gewürz- und Zuckerkunde passt gut ins Buch.

Mit einem Grundrezept für Erdbeerkonfitüre pur startet die Rezeptrallye. Es bleibt fruchtig und lecker, süß und pikant. Stefanie Kleinjung kombiniert Beeren, Früchte  oder Obst mit Alkohol, scharfen Gewürzen oder feinen Nüssen – so wie ich das in den letzten Jahren auch versucht habe umzusetzen. Doch sie verwendet andere Mengenangaben, als es auf den üblichen Gelierzuckerpackungen steht. So nimmt sie fast immer 10% mehr Früchte. Saft, Gewürze und Alkohol werden nicht beim Abwiegen mitgerechnet. Dafür ist die Kochzeit häufig länger und ohne „ziehen und stehen lassen“ geht es auch nicht. Das könnte deutlich mehr Geschmack verleihen, nimmt aber auch mehr Zeit in Anspruch. Meine nächsten Konfitüren werde ich auf jeden Fall nach den Mengenangaben aus dem Buch kochen.

Die Marmelade der 80iger: Kiba mit Rum. Lecker! Kirschen, Bananen, Zitronensaft, ein Schuss rum mit Einmachzucker 2:1. Fertig.

Meine Marmelade der 80iger: Kiba mit Rum. Lecker! Kirschen, Bananen, Zitronensaft, ein Schuss rum mit Einmachzucker 2:1. Fertig.

Allerdings reduziere ich die Angaben um die Hälfte. Da wir die Vielfalt mögen und die selbst gekochten Konfitüren nur ca.  ein Jahr aufbewahrt werden sollten, möchte ich nicht zu viele Gläser produzieren. Obwohl  ich zugeben muss, dass ich am liebsten sofort loslegen und viele der Rezepte ausprobieren möchte. Doch wer soll das alles essen? Außerdem greift diese Konfitüren-Koch-Lust in den Geldbeutel, denn frische Beeren und Früchte haben ihren Preis. Also eins nach dem anderen.
So oder so: Ich vertraue vollends der Marmeladenkönigin, übernehme ihre Erfahrungen gerne und bin sehr gespannt, ob ich meinen Konfitürenvorrat demnächst verschwinden lassen muss, weil die süßen Aufstriche á la Stefanie Kleinjung deutlich besser schmecken. Ich fürchte es fast.

Hervorheben möchte ich noch die Rezepte „Milchcreme“ und „Espressogelee“ (S. 128/133), die unabhängig von der Jahreszeit zubereitet werden dürfen und sich prima als Geschenk für alle diejenigen eignen, die nicht so gerne Marmelade essen.

Querverweise, die mit „Wenn Ihnen das schmeckt, könnte Ihnen auch das schmecken“ betitelt sind und auf andere Rezepte hinweisen, sorgen dafür, dass zwischen den Rezepten hin- und her gesprungen wird, bis wirklich alles einmal angeblättert und durchgelesen wurde. Varianten, Entstehungsgeschichten und Hinweise direkt bei den jeweiligen Rezepten runden den Informationsgehalt des Buches ab.

Fazit

»Konfitüre, Marmelade & Gelee« von Stefanie Kleinjung bietet zahlreiche fruchtig-süße Ideen, ein solides Wissen und wichtige Tipps zur Herstellung von Aufstrichen, die sich nicht nur zum Brot eignen. Das Buch ist sehr empfehlenswert für alle, die mit dem Herstellen von Konfitüre beginnen und genauso für diejenigen, die schon glauben, fortgeschritten zu sein.

 

Stefanie Kleinjung
»Konfitüre, Marmelade & Gelee«
Hardcover, Großformat
TreTorri Verlag, April 2014
160 Seiten
ISBN 978-3944628196
19,90 €

 

Webtipps / Quellen

 
© Cover: TreTorri Verlag
Vielen Dank an den TreTorri Verlag!

5 Kommentare:

  1. Pingback: Von 1001 Apfel oder der Apfelarm – Nicole RensmannNicole Rensmann

  2. Pingback: Nicole Rensmann bloggt! » Gelesen: »Kräuterküche« von den Siefersheimer Kräuterhexen

  3. hmmm …Hunger ;0)
    Meine Wiener Omi hat immer Tonnen Wachauer Marillenmamalad (Aprikosen…) gemacht und wenn der Opa hin und wieder umgerührt hat… bestand er darauf dass es nun aber Papalad wäre ;0)

  4. Pingback: geekchicks.de » geekchicks am 16.07.2014 - wir aggregieren die weibliche seite der blogosphäre

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