Gelesen: »Süsser, was kochen wir heute?: Unkomplizierte Rezepte aus Dose, Glas und Gefrierfach« von Mike Süsser

 © Cover: Mike Süsser / AT Verlag

© Cover: Mike Süsser / AT Verlag

Mike Süsser gehörte, wie auch Andi Schweiger, seit 2009 zu den Kochprofis (RTL 2). Er stieg allerdings 2014 aus dem vierköpfigen Kochprofi-Team aus. Mit seiner in Österreich ausgestrahlten Sendung Süsser am Samstag feierte er von 2010 bis 2012 große Erfolge. Seit Mitte Oktober 2014 kocht er mit Süsser am Morgen allein im Österreichischen Fernsehen (Servus TV).
Und wie viele TV- und Profiköche gibt er sein Wissen und Können nicht nur in seinen Kochkursen weiter, sondern auch in eigenen Kochbüchern, die für jeden und jede zugänglich sind. Seine Kochkurse finden in Österreich statt, dort betreibt Mike Süsser ein eigenes Kochstudio. Außerdem bietet er Kochevents für Firmen an.
Bevor er in Österreich seinen Herd aufbaute, absolvierte der 1971 in Itzehoe geborene Mike Süsser eine Kochausbildung, arbeitete anschließend in Sternerestaurants und sammelte wichtige Kocherfahrungen in den USA, auf Fuerteventura und in Deutschland (Hamburg).

2004 eröffnete er sein erstes Kochstudio im Salzkammergut. Und der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch daran, dass IKEA 2005 einen Star-Koch engagierte. Auch das war Mike Süsser.  2006 kochte er für den FIFA World Cup und ist auch sonst bei vielen Events als Koch präsent.
Mit seinem Kochbuchdebüt »Aufgegabelt: Auf die Plätze. Kochen. Losaus dem Jahre 2008 gewann er den Gourmand World Cookbook Award.
Mike Süsser ist  offizieller Botschafter der Stiftung „Menschen für Menschen“.
Im Februar 2014 legte er sein zweites Kochbuch vor. Mit »Süsser, was kochen wir heute?: Unkomplizierte Rezepte aus Dose, Glas und Gefrierfach« möchte er der Kochrealität näher kommen.

Zum Buch

In seinem Vorwort redet Mike Süsser nicht lange um den heißen Brei und verliert ein paar Worte zum Grund seines Buches. „Wie also komme ich dazu ein Kochbuch zu schreiben, in dem die Hauptzutaten eben genau daher, aus Dose, Glas oder Gefrierfach kommen?“ – „Purer Realismus, sagt er da.

Das Kochbuch hat 219 Seiten und beachtliche Maße, zugeklappt misst es 247 x 297 mm und 18 mm in der Dicke. Es wiegt 1,3 kg. Das Papier ist relativ dick, wird aber nur von einem broschierten Einband geschützt. Das alles macht das Buch ein bisschen unhandlich.  Ein Hardcover oder ein kleineres Maß – am besten beides – wäre besser gewesen.
Aufgeteilt sind die Rezepte in vier Hauptkategorien: Aus der Dose, aus dem Glas, aus dem Gefrierfach und aus der Speisekammer. Diese Kategorien beinhalten verschiedene Zutaten, jeder Abschnitt der jeweiligen Zutat wird mit einem Bild „Idealzustand – Normalzustand“ eingeläutet, z.B. eine aufgeschlagene Kokosnuss ist der Idealzustand, die Kokosnussmilch aus der Dose der Normalzustand. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto, das von Fotograf Frank Weymann stammt. Sehr schön sind die Erläuterungen bei den Rezepten, eine kleine Überschrift läutet die jeweilige Komponente ein. Das ist schön übersichtlich. Außerdem beschreibt Mike Süsser, wie er das Gericht anrichtet. Ab und an finden sich auch Tipps oder Varianten bei den Rezepten.

Zutaten im Normal- und Idealzustand – da stimmt was nicht

Wer jetzt meint, Dose auf und Essen ist fertig, der täuscht sich. Auch wenn Mike Süsser Lebensmittel aus der Dose oder der Tiefkühltruhe verwendet und daraus schmackhafte Gerichte zaubert, wirkt seine Philosophie nicht stimmig. Sein Kochbuch erscheint mir so selbstverständlich. Auch in früheren Kochbüchern wurde Kokosmilch aus der Dose verwendet, ohne bewusst darauf hinzuweisen. Ich habe noch in keinem der Profikochbücher gelesen, es müsse sich bitte eine Kokosnuss besorgt, diese aufgeschlagen (funktioniert übrigens mit Hammer und Meißel) und die Milch daraus verwendet werden.
Auch Couscous kaufen wir natürlich getrocknet aus der Tüte und nicht – wie der im Buch abgebildete Idealzustand – in kompletten Ähren. Und mir kann kein Koch erzählen, er würde aufs Feld fahren, die Ähren ernten und dann erst mal Couscous oder Mehl herstellen. Anders ist das sicherlich beim Dosenpfirsich, bei dem auch geschmacklich ein großer Unterschied zum frischen besteht.
Mike Süsser kocht Gerichte mit Zutaten, die für andere Köche selbstverständlich sind, zumindest bei zahlreichen der Zutaten. Darum gefällt mir das Kochbuch sehr gut, aber die Philosophie dahinter ist nicht schlüssig.

Einige der Rezepte aus dem Buch stellt Mike Süsser in seiner Sendung „Süsser am Morgen“ bei Servus TV vor und können online angesehen werden.

Was habe ich daraus gekocht?

Die Wahl fiel mir schwer. Viele Gerichte enthalten Fleisch, das nicht immer ersetzt werden kann. Natürlich, ist ja auch kein Buch für Vegetarier. Das ist also keine Kritik. Die meisten Rezepte sind dazu durchaus umfangreich und manche Zutaten gefallen mir nicht. Z.B. verwende ich niemals Dosenpfirsich – schon beim Gedanken daran schaudert es mich, ebenso beim TK-Spinat. Das macht aber nichts, denn das Rezept Lachs mit Mais auf Bärlauchspinat (S. 37) lässt sich ja auch mit frischem Spinat zubereiten. Ist aber ein Gericht, das ich mir für die Zukunft gemerkt habe, ebenso die Maiscremesuppe mit Pfifferlingen. (S. 33).

Mais Fritters á la Mike Süsser

Mais Fritters á la Mike Süsser

Ebenfalls mit Mais werden die Mais-Fritters (S. 31) hergestellt. Frischen Mais, direkt vom Maiskolben habe ich schon ewig nicht mehr gegessen. Als ich jung war, sind wir Kinder viel durch die angrenzenden Wälder gestreunert und bis zu den nächsten Bauern gelaufen. Dort gab es Maisfelder – riesengroße. Wir verschwanden zwischen den mannshohen Reihen und kamen stets mit eigener Ernte heraus. Zwei, drei Maiskolben, die wir an Ort und Stelle schälten, die Fäden zupften und dann mit Genuss – und Hunger, denn wir waren immer viel draußen unterwegs – in diesen frischen, gelben Maiskolben hineinbissen. In manchen Jahren war der Mais so saftig, dass der Saft aus dem Mund floss, doch es gab auch Zeiten, in denen der Mais nichts taugte. Er schmeckte fad und trocken – alles andere als lecker. Und irgendwann wurden wir erwischt. Aus war es mit dem knackigen Genuss direkt vom Feld. War ja auch nicht richtig, aber so hatte ich die Möglichkeit frischen Mais zu essen. Dafür bedanke ich mich nachträglich, auch wenn der gute Herr Bauer, das hier nicht lesen wird. Nie wieder habe ich Mais in dieser freien, frischesten Form essen können. Im Supermarkt sehe ich oft abgepackte Maiskolben – aber schon das Plastik darum stößt mich ab. Und auf dem Markt habe ich Maiskolben interessanterweise noch nicht gesehen. Ich muss mal darauf achten. Das wäre was.
Nun, zurück zum Dosenmais, den verwende ich tatsächlich, meistens bei Chili con bzw. sin Carne.

Nachtisch: Ungebackener Apfelkuchen á la Mike Süsser.

Nachtisch: Ungebackener Apfelkuchen á la Mike Süsser.

Die Mais Fritters kombiniert Mike Süsser mit Melonenkugeln in Parmaschinken und Feldsalat. Sieht lecker aus. Die Zubereitung ist simpel und geht schnell: Chili – frischer, Ei – getrennt, geschnittene frische Paprika, Frühlingszwiebeln, Mehl, Salz, Mineralwasser und natürlich Mais. Mehr braucht es nicht. Die Mais Fritters eignen sich auch als vegetarischer Hamburgerersatz. Lecker!

Zum Nachtisch habe ich mich für den Ungebackenen Apfelkuchen  (S. 201) entschieden, der sich im Abschnitt „Nüsse“ befindet. Originalzustand wäre hier die Nuss in der Schale, Normalzustand ist die Nuss, schon geknackt, aus der Tüte. Ich habe immer Walnüsse oder Erdnüsse zuhause – in der Schale. Besonders im Winter nutze ich sie oft: Zum Backen oder auch angeröstet über den Salat. Außerdem sollen getrocknete Aprikosen in den Nachtisch. Die habe ich weggelassen, denn getrocknete Früchte kaufe ich nur bei einem bestimmten Händler – und zurzeit hatte ich keine da. Macht aber nichts, der Ungebackene Apfelkuchen schmeckt auch ohne Aprikosen.

Fazit:  »Süsser, was kochen wir heute?: Unkomplizierte Rezepte aus Dose, Glas und Gefrierfach« bietet teilweise umfangreiche, aber in jedem Fall vielseitige Gerichte mit einer guten Anleitung, die sich jedoch nicht für Kochanfänger eignen. Ein kleines bisschen Erfahrung erscheint mir sinnvoll. Beim Studieren des Buches ist eine feste Unterlage, ideal ist die Küchenarbeitsplatte – denn aufgrund von Größe und Gewicht lässt sich das Buch etwas schwer händeln.

Mike Süsser
Süsser, was kochen wir heute?: Unkomplizierte Rezepte aus Dose, Glas und Gefrierfach
AT Verlag, 27.02.2014
Broschiert, 219 Seiten

ISBN 978-3038007913
24,90 €

 

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2 Kommentare:

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