Gelesen: »Kräuterküche« von den Siefersheimer Kräuterhexen

Kräuterhexen

© Cover: „Kräuterküche“ / Tre Torri Verlag

Hexen. Schwarze Katze auf dem Buckel, Warze auf der Nase und dazu ein Besen. Ein Weib, das nur Böses im Schilde führt. So werden Hexen auch heute noch in Märchenbüchern dargestellt. Alles Quatsch. Denn in der Realität zaubern Hexen nicht mit Magie, sie verwandeln Prinzen nicht in Frösche und haben auch keine Schuld daran, wenn die nächste Ernte dem Regen zum Opfer fällt.

Aber es gibt Hexen im einundzwanzigsten Jahrhundert. Frauen, die sich mit der Natur beschäftigen und aus deren Gaben Kraft und Innovation ziehen. Das beweisen die Siefersheimer Kräuterhexen mit ihrer »Kräuterküche« – einer Neuauflage des gleichnamigen Buches, das bereits in mehreren Auflagen und mit verschiedenen Covern veröffentlicht wurde.

Die Kräuterhexen

Die Siefersheimer Kräuterhexen arbeiten seit vielen Jahren als ausgebildete Kräuterführerinnen. Auf dem Siefersheimer Kräuterwanderweg, der in der Rheinhessischen Schweiz zu bewandern ist, führen sie Interessierte näher an heimische Kräuter heran. Darüber hinaus laden sie zum Kochkurs oder Kräuterbuffet. Außerdem bieten Christine Moebus, Martina Schmitt und Karin Mannsdörfer themenspezifische Wanderungen zu keltischen Festen oder bei Vollmond.

 Erklärung am Rande:
Ein Großteil der christlichen Festtage lehnt sich an den Ursprungsfesten der Kelten an. Keltische Feste ehren die Natur und den natürlichen Kreislauf der Erde.
Beispiele:

  • Beltane – 30.04. Die Natur wird begrüßt, die nun wieder zu wachsen beginnt und uns ihre Gaben schenkt.
  • Samhain – 31.10. Die Natur schläft. Nebel werden licht, eine Kerze am Fenster weist den Verstorbenen den Weg. An diesem Abend einen zusätzlichen Teller auf den Tisch stellen. Sehr schönes Ritual.
  • Litha – 21.06. Sommersonnenwende. Die kürzeste Nacht des Jahres. Gute Zeit zum Kräuter sammeln, die dann für Räucherungen oder für den Winter getrocknet werden.
  • Yule – 21.12.  Übrigens der Name meines kleinen Hundes. Ursprungsäquivalent zum Heiligen Abend. Wintersonnenwende,  der 21.12. ist die längste Nacht des Jahres.

An dieser Stelle ende ich mit dem kleinen Einblick. Wer sich jedoch für das Thema interessiert, dem lege ich das Interview mit einer Hexe oder was ist Samhain? ans Herz, das ich bereits im Jahre 2002 für perry-rhodan.net anlässlich Samhain geführt habe. Ein paar Links führen von dort zu weiteren Seiten.

Zum Buch

Die Neuauflage der »Kräuterküche« erschien in der Reihe Hausgemacht des Tre Torri Verlags, wie auch »Backen« von Cathérine Jamin und  »Konfitüre, Marmelade & Gelee« von Stefanie Kleinjung. Das passt.

Zwanzig Kräuter, alphabetisch sortiert, stellen die Kräuterhexen vor. Dazu verteilen sich auf 154 Seiten passende Rezepte, die sich eher für die normalbürgerliche Küche eignen. Auch Rezepte für Vegetarier und Veganer sind enthalten, wenn auch nicht speziell deklariert. Ab und an müssen manche Zutaten ausgetauscht oder weggelassen werden. Anregungen findet aber jeder.

Den Kräutern werden jeweils zwei Seiten gewidmet. Die Steckbriefe enthalten den bestmöglichen Anbau- und Standort, sowie Details zum Geschmack und darüber, welche Pflanzenteile zum Kochen verwendet werden dürfen. Dazu bietet das Buch kleine Hexeninfos, die über die mystische Bedeutung informieren. Nicht zu vergessen der Erntekalender am Ende des Buches, der darüber informiert, ob die Kräuter nur im Handel oder in der freien Natur erhältlich sind.

Die Fotos der Kräuter empfinde ich als sehr natürlich. Wer jedoch das erste Mal durch Wiesen und Wälder streifen möchte, dürfte vielleicht Erkennungsprobleme haben. Wer Kräuter selbst suchen will, der sollte sich vielleicht zusätzlich einen Kräuterführer zulegen. Oder, noch besser: An einer Führung teilnehmen. Nicht nur in Siefersheim werden solche Kräuterführungen angeboten, auch andere Städte bieten fachkundige Führungen an.
Viele der Kräuter, wie z.B. Basilikum, Salbei, Minze oder Bärlauch, aber auch Salat, wie z.B. Rucola (S. 96) werden von den Wochenmarktbeschickern auf den regionalen Wochenmärkten angeboten. Wer einen Garten oder einen Balkon hat, kann auch Kräuter wie u.a. Thymian, Rosmarin oder Minze selbst anpflanzen.

Was habe ich daraus gekocht?

Thymian-Flammkuchen (S. 131). Das Rezept habe ich nicht abgewandelt und es hinterher ein bisschen bereut, denn die Sauce besteht aus Quark, Sahne und saurer Sahne. Mit Creme fraiche anstelle von Quark wäre es zwar fetthaltiger, aber möglicherweise noch schmackhafter geworden – zumindest die vegetarische Version, ohne Speck. Ansonsten aber durchaus empfehlenswert. Ein Foto habe ich diesmal nicht für euch. Kann ja mal passieren. 🙂

Interessant finde ich vor allem die Dips, wie z.B. den. Auberginendip mit Thymian (S. 132) oder das Hexenpesto mit Vogelmiere. (S. 139).

Fazit: Die Rezepte für die »Kräuterküche« der Siefersheimer Kräuterhexen sind alles andere als Hexenwerk. Beschreibungen und Fotos sind dezent „hexisch“. Alle Rezepte benötigen nicht zu viele Zutaten, sind für den normalen Hausgebrauch geeignet und wandelbar. Ein Kochbuch für jeden, der gerne mit frischen Kräutern kocht – auch und besonders für Anfänger zu empfehlen. Die Informationen über die Kräuter sind für diesen Zweck ausreichend.

Für mich war die Lektüre »Kräuterküche« der Siefersheimer Kräuterhexen eine Reise in die Vergangenheit. Und diesen Teil betrachte ich mit einem sehr wohligen Gefühl.

P.S. Schöne Grüße an Armida, falls sie dies lesen sollte. Danke für einen intensiven, interessanten und freundschaftlichen Austausch. Ich denke oft daran zurück.

 

Siefersheimer Kräuterhexen
Kräuterküche – Zauberhafte Rezepte
94 Rezepte, über 60 Abbildungen und Erntekalender
Fotograf: Daniel Roos
Tre Torri Verlag, 2015
Hardcover/ Vierfarbig
ISBN 978-3-944628-58-5
19,90 €

 

Webtipps:

 

© Cover: Tre Torri Verlag

Vielen Dank an den Tre Torri Verlag!

 

5 Kommentare:

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